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Full text of "Frankfurter Illustrierte 1960 Heft 9"

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27. Februar 1960 Nr.9 50 Pf - 5 4.- 


VYertriebskennzeichen D 2959 C 48. Jahrgang 








Sie haben es leicht, . 
die richtige Matratze zu wählen - 
denn es gibt einen echten Wertmaßstab: 





ET Srankfurter Jlluftrierte | 


=) * Nr.9 vom 27. Februar 1960 





| Addon! 


9-33 





Überall in der Welt nutzen moderne 
Menschen die echten Vorzüge der 
Schaum-Matratze. Dunlopillo, Begründer 
der Latex-Schaum-Industrie, möchte 
auch Sie überzeugen. Verwenden 


Sie bitte diesen Gutschein - und lassen 


Sie sich im guten Betten- 
fachgeschäft unverbindlich beraten! 








beispiellosen Vorzüge 
der Schaum-Matratze 


1. Unverwüstliche Haltbarkeit 


Matratzen erneuern, Matratzen aufarbeiten - ein für allemal vorbei! Die 
Schaum-Matratze Marke Dunlopillo ist praktisch unbegrenzt haltbar und 
formbeständig. Darüber erhalten Sie einen Garantieschein. 


. Millionenfache Luftfederung 


Millionen winziger Luftpölsterchen — übereinander, nebeneinander — 
machen die Dunlopillo-Schaum-Matratze so verblüffend elastisch. Jede 
Belastung wird durch die unermüdliche, natürliche Federkraft des Mate- 
rials sofort ausgeglichen. Kein Wunder, daß diese Matratze sich dem 
Körper und jeder Bewegung anpaßt, daß man darauf völlig entspannt 
und schwerelos schläft. 


. „Eingebaute Klimaanlage” 


Wie das Luftpolster beim Doppelfenster, so wirken die Millionen Luft- 
pölsterchen bei der Dunlopillo-Matratze: sie isolieren, halten die Winter- 
kälte und die Sommerhitze fern. Deshalb ist die Matratze im Winter wohlig 
warm, im Sommer nie zu warm — wie durch eine Klimaanlage. 


. Selbsttätige Entlüftung 


Bei jeder Belastung wird Luft aus dem Zellengefüge der Schaum-Matratze 
ausgepreßt, nach Aufhören der Belastung wird wieder frische Luft ein- 
gesaugt. Dieser ständige „Luftwechsel” macht das umständliche Lüften 
der Matratze überflüssig. 


. Ausklopfer ade! (außer Dienst) 


Die Dunlopillo-Schaum-Matratze entwickelt keinen Staub und duldet auch 
keinen. Er wird ja durch die Luftzirkulation weggepustet. Dunlopillo- 
Schaum ist bakterientötend! Man schläft deshalb nicht nur außerordent- 
lich gesund, man erspart auch das Ausklopfen und das Staubsaugen. 
Soll die Matratze trotzdem einmal aus dem Bett genommen werden: 
jede Hausfrau kann sie bequem allein tragen. 


Dunlopillo 


Seit über 30 Jahren der Begriff für Schlafkomfort 





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| 


An die Dunlopillo GmbH, Abt. DO 1, Hanau am Main 


Senden Sie mir kostenlos die interessante farbige Dunlopillo-Bro- 
schüre mit dem vollständigen Lieferprogramm. 


Ihr Name: 





Anschrift: 





u u m] 

















T: diesen Wochen geschah 
es, daß ein amerikanischer 
Arzt davon gesprochen hat, 
man stehe kurz vor einem 
„entscheidenden Durchbruch in 
der Behandlung einiger Krebs- 
arten mit einem chemischen 
Heilmittel“. 

Man glaubt diese Meldung 
zu kennen. Sie kehrt so oder 
ähnlich in gewissen Abstän- 
den wieder. Nährt sie nicht in 
unverantwortlicher Weise die 
Hoffnungen Verzweifelter? 
Und doch klingt die Nach- 
richt diesmal um eine Winzig- 
keit gewichtiger als alle seit- 
herigen. Der Mann, der sie ge- 
äußert hat, ist Mr. Orr, Präsi- 
dent der amerikanischen Ärzte- 
vereinigung. 

Und wenn nichts anderes 
daran wäre, als daß man da- 
bei ist, ein Vorpostengefecht 
gegen die schreckliche Krank- 
heit zu gewinnen, sie wäre 
immer noch die schönste Nach- 
richt seit Menschengedenken. 

Wir fanden sie auf einer Zei- 
tungsseite, die von neuen gro- 
ßen Attacken in den Welten- 
raum zu berichten wußte, von 
Sprüngen auf den Mond, Flü- 
gen zum Mars, Umkreisungen 
der Venus... wie wesenlos 
wurden alle diese Sensationen 
gegenüber dieser winzigen, 
sachlichen Bemerkung aus dem 
Mund eines Krebsforschers. 

Es ist zu früh, nach Art und 
Namen der Heilmittel zu fra- 
gen, zu früh wohl auch für 
alle, die jetzt von der grim- 
migen Erkrankung befallen 
werden. Aber ist es nicht schon 
viel, wenn sich eine vage Hoff- 
nung am Horizont abzeichnet? 
Dann waren also alle die laut- 
losen Schlachten in den Labo- 
ratorien nicht vergebens, in 
jenen Instituten, deren Fenster 
sich kaum je verdunkeln. Die 
Namen der Männer, die dort 
ihre Nächte durchwachen, sie 
stehen nicht in den Blättern. 
Sie schreiben keine Briefe an 
die Mächtigen der Welt wie 
die Politiker, und es gibt keine 
Affären um sie wie um Film- 
stars. Sie arbeiten an nichts 
als an der Errettung der 
Menschheit von Qual und Tod, 
sie kämpfen um nichts als um 
das Glück von Millionen. 

Unser Jahrhundert ist das 
Säculum mörderischer Kriege, 
aber, vergessen wir es nicht, 
es ist auch das Jahrhundert, in 
dem die Diphtherie besiegt 
wurde, die Lues ihre Schrek- 
ken verlor, das Mittel gegen 
die Zuckerkrankheit gefunden 
wurde, und ein kleiner Arzt 
namens Dr. Fleming das Pe- 
nicillin entdeckte, mit dem 
Millionen gerettet wurden, und 
ein anderer, Dr. Salk, den 
Impfstoff gegen die Kinderläh- 
mung präsentierte. 

Welches Gewicht auch im- 
mer die Meldung aus Amerika 
haben mag, sie ist das Zeichen 
des unaufhörlichen Kampfes 
der Wissenschaft gegen ihren 
tückischsten Feind. 


Hore Rulıkrii 








NR.9 








NN: 


ER 























| Die entzauberten Kinder 


Was Leser uns zu dem aufsehenerregenden Tagebuch 
einer verlorenen Generation schrieben 


Es reicht... 


Die Kinder in Ihrem Roman sind 
wirklich entzaubert! Und deshalb 
werde ich Ihre Zeitschrift, solange 
dieser Roman noch erscheint, mög- 
lichst von meinen Kindern fern- 
halten. Ich will nämlich nicht, daß 
sie, die Gott sei Dank diese 
schlimmste Zeit unseres Lebens 
nicht oder, wie mein Größter, nur 
am Rand miterlebt haben, unnötig 
erregt und aufgewühlt werden. Wir 
leben heute in einer geordneten 
Zeit, und ich finde, wir sollten das, 
was leider nun einmal geschehen 
ist, endlich ruhen lassen. Es reicht, 
finde ich, wenn wir Eltern uns man- 
ches Mal schaudernd an diese Zeit 
erinnern. Wozu sollen unsere Kinder 
noch belastet werden? 

K. Schullner, x. Zt Offenbach 


Derkannte Jugend 


Ich schreibe als Jugendlicher an Sie, 
und zwar aus folgendem Grund: 
Schon immer ist es mein Wunsch ge- 
wesen, daß die Öffentlichkeit über 
die heutige Jugend mehr und vor 
allem — die Wahrheit erfahren sollte. 
Ihr Roman über die „entzauberten 
Kinder“ scheint mir daher die erste 
Etappe auf diesem Wege zu sein. 


Diplona 


Pflegend und wachstumsför- 
dernd wirkt das vitaminhal- 
tige Keratolin Diplona Haar- 
Nähr- 
und Wirkstoffe geben Ihrem 
Schönheit 





Extrakt. Natürliche 
Haar neue 
und 

Gesund- 
heit. Der 
spezielle 
Anti-Schup- 
pen Effekt \9 
stoppt die lästi- \ 
gen Schuppen 
verläßlich. Haar- 
pflege von der Haar- 


wurzel bis zu den fei- 2 





nen Spitzen - Haarnähr Ä 
pflege dank Diplona. 


Es ist nie zu früh und selten. 
zu spät für Diplona die wirk- 


same Haarnährpflege. 


aluetidsutustrierte] NR. 9 


Wie oft wird die heutige Jugend ver- 
kannt. Man begründet unsere „Eigen- 
arten“ kopfschüttelnd mit dem allzu- 
oft gebrauchten Satz: „Ja, die Jugend 
ven heute“. Ihr Roman über diese 
verlerene Generation versucht mit 
unerschütterlichem Mut und großer 
Offenheit, Licht in dieses dunkle und 
cft gemiedene Problem zu bringen. 
Ich wünschte nur, daß noch mehr Er- 
wachsene in der Lage wären, diesen 
Roman zu lesen. R. Winkel, Bielefeld 


Sattgegessene Kinder 


Für wen soll eigentlich dieser Roman 
geschrieben sein? DieKinder, die den 
Krieg in vollem Bewußtsein mit- 
erlebt haben, sind doch inzwischen 
schon längst erwachsen geworden 
und haben selbst Kinder. Und diesen 
ihren Kindern geht es ausgezeichnet. 
Sie sind sattgegessen und haben 
wahrscheinlich noch nie in ihrem 
Leben Hunger gehabt. Ihre Eltern 
aber, die Kinder nämlich, die in 
Ihrem Roman die Hauptrolle spielen, 
wollen von dieser Zeit nichts mehr 
wissen, denn auch ihnen geht es wie- 
der gut. Deshalb wollen sie sich nicht 
mehr an diese Zeit erinnern. Diese 
Leser sprechen Sie also überhaupt 
nicht an. Und auch ihre Kinder wer- 
den sich nicht für einen Roman 










interessieren, der in einer Zeit spielt, 
zu der sie überhaupt keine Beziehung 
haben. Ich glaube, Sie predigen 
I.. Etowski, Baden-Baden 


tauben Ohren! 





Ein typisches Bild aus „jenen Ta- 
gen“:dieletzte Etappe einer Flucht.Der 
Gesichtsausdruck des 4jährigen Jun- 
gen sagt alles. Soll man es vergessen? 


Sie haben keine Ahnung 


Als Leiter einer Jugendgruppe 
möchte ich Ihnen für die Veröffent- 
lichung des Romans „Die entzauber- 
ten Kinder“ danken. Ich bemühe 
mich immer, meinen Jungens ein 
klares Bild von jener unseligen Zeit 
unserer Geschichte zu vermitteln, 
denn nur so glaube ich, werden sie 
einmal, als erwachsene Menschen ein 
richtiges Urteilsvermögen haben. Es 
wird sowiesc von seiten der Er- 
wachsenen viel zuwenig getan, um 


TEE TEE STE ER 








NSRRISEE 


die Kinder in dieser Richtung „auf- 
zuklären“. Wie oft erlebe ich es, daß 
die Jüngsten in meiner Gruppe — das 
sind die Zwölf- und Vierzehnjähri- 
gen — von einigen Geschehnissen der 
jüngsten Geschichte keine Ahnung 
haben. Sie haben nie gehungert, sie 
können es sich nicht vorstellen, wie 
es einem Kinde zumute war, das mit 
seinen Eltern vertrieben wurde und 
diese vielleicht auf der Flucht verlor. 
Aber sie interessieren sich für solche 
Schicksale, wenn .man sie ihnen ob- 
jektiv und nicht etwa in einer durch 
die dazwischen liegende Zeit ver- 
harmloste Darstellung nahebringt. 
Ihr Roman ist daher ein guter Bei- 
trag, um dieses Bestreben von Er- 
wachsenen und Jugendpflegern zu 
unterstützen. Ich möchte sogar sagen, 
daß er auch für manche Erwachsene 
sehr lehrreich sein kann, die heutige 
Generation besser zu verstehen. 

M. Heuser, Hannover 


Eine lohnende Aufgabe 


Ihren Roman lese ich mit großem 
Interesse. Es ist wirklich eine loh- 
nende Aufgabe für eine Illustrierte, 
ihren Lesern einmal klarzumachen, 
wo der Ursprung der Probleme mit 
der heutigen Jugend liegt: nämlich 
in den wirren Kriegs- und Nach- 
kriegsjahren! Mit dem dummen Ge- 
ıede über die junge Generation, 
die angeblich so sehr viel schlechter 
und verdorbener sein sollals irgend- 
eine Generation vorher, ist es nicht 


getan. Ich begrüße es daher, daß. 


Sie den Mut hatten, diesen Roman 
abzudrucken, zumal er auch sti- 
listisch sehr gut geschrieben ist. 

H. Ucher, Bochum 















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2.50, 4.- und 6.- DM. Diplona »Silber« für 
weißes u. graues Haar. »adrett« Frisiercreme in 
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„... Nicht nur für Kleider und Wäsche ist REI gut. Vor allem ist REI auch im 


Kindergarten zum Reinigen und Abwaschen der Möbel und Spielsachen sehr wichtig. 


Aber auch für die Krankenpflege und Handarbeitsschule ist REI ein außerordentlich 
wertvolles und unerläßliches Produkt.” 


Die Schwestern von U. schrieben uns diesen Brief. Sie leiten einen Kindergarten, eine Handarbeitsschule und sind 
in der Krankenpflege tätig. Auch dieser Brief wurde uns unaufgefordert und unbeeinflußt geschrieben. Wir sind 
gern bereit, ihren Brief jedem Interessenten zu zeigen. 


Kostbare Teppiche und wertvolle Der moderne Wohnstil zeichnet Mit dem neuen REI können Sie Pflegen Sie Ihre kostbare Küche 
Polstermöbel reinigt gründlich sichausdurchleuchtendeFarben. jetzt auch alle farbechte Bunt- mit REI: den Kühlschrank, die 
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Das neue REI mit viel mehr Waschkraft 
wäscht alle feine und farbige Wäsche aus 
Nylon, PERLON, Dralon, Seide schonend 
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„denkt ihr un das 


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poliiische Kabarett, sagte 
Werner Finck bekümmert 





Was halten Sie von unserem Vorschlag, Herr Finck, das politische Kabarett in 
unserer raschingsnummer zu Wort kommen zu lassen? 


Ich finde es, sagen wir einmal, nicht sehr glücklich, daß Sie gerade und nur 
in einer Faschingsnummer etwas über das politische Kabarett bringen, 
während in den „seriösen“ Nummern nichts darüber zu finden ist. Wissen Sie, 
der Durchschnittsbetrachter neigt ohnehin dazu, Karneval und Kabarett auf 
den Generalnenner „fröhlicher Ulk“ zu bringen. Was den Karneval und das 
Kabarett unterscheidet, ist ja die innere Haltung, die beim politischen 
Kabarett absolut ernst ist. Es bedient sich nur der satirischen Form, weil es 
darin seine stärkste Wirkung hat. 





Man sollte also Karneval und politisches Kabarett nicht in einen Topf werfen, 
obwohl doch das Kabarett gleichsam das ganze Jahr über Karneval macht? 


ERITEES mn] NR. 9 5 





In den ersten Jahren nach 1933, als das politische 
Kabarett seine Aufgabe noch erfüllen konnte, hätte 
es den Karneval und den Fasching zum Bundes- 
genossen haben können. Denn damals war die Narren- 
freiheit das einzige Ventil, geistigen Widerstand ab- 
geschirmt zu leisten, aber damals hat der Karneval 
versagt, soweit ich das weiß, hat er keinen Gebrauch 
von seinen Möglichkeiten gemacht. Er blieb unver- 
bindlich fröhlich, und das ist er ja heute auch, wenn- 
gleich, weil Kritik erlaubt, hier und dort Angriffe 
auf Mißstände geführt werden. 


Inwieweit hat das Kabarett heute überhaupt noch poll- 
tische Narrenfreiheit? 


Es hat die Freiheit, die die Demokratie überhaupt 
hat, abgegrenzt im Bürgerlichen Gesetzbuch. Man 
kann also schon vorher sagen, was es kostet, Geld- 
strafe oder Gefängnis, falls das Objekt der Kritik 
reagiert. Und jeder Kabarettist wäre froh, wenn er 
einmal eine Gefängnisstrafe bekommen würde. Denn 
das Kabarett braucht den Widerstand wie der Schau- 
spieler den echten Beifall des Publikums. 


Sie sprechen gerade vom Beifall, Herr Finck, soweit wir 
das selbst erlebt haben, wird im politischen Kabarett sehr 
viel Beifall gespendet. 


Das ist richtig, aber es bekommt oft auch Beifall von 
der falschen Seite, und das ist das größte Dilemma des 
Kabaretts. Wenn ein Kabarett beispielsweise irgend- 
welche Mißstände innerhalb der Regierung kritisiert, 
fördert es andererseits das totalitäre System. 


Wie oft, Herr Finck, hat man Ihnen eigentlich schon den 
Mund verboten? 


Seit den Zeiten des Dritten Reiches eigentlih kaum 
mehr, nur indirekt durch eine Kontroverse, die ich 
mit dem späteren Außenminister von Brentano hatte. 
Ich äußerte mich über die Wiederaufrüstung, be- 
ginnend mit dem Lobe des Kanzlers. Ich sagte: 
„Hut ab vor dem Kanzler, Helm auf!“ Später wurden 
dann meine Rundfink-Kommentare eingestellt. Ich 
habe dann nicht mehr im Kabarett mitgewirkt, weil 
das Kabarett keine politische Wirkung mehr hat. 


Und wie steht es mit der Wirkung auf die Bürokraten? 


Nun, aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, 
daß die Bürokraten nicht sehr gern mit einem „bel- 
lenden Hund“ zu tun hat. So haben Beamte schon 
zu mir gesagt: „Ich hoffe, daß Sie das nicht wieder 
an die große Glocke hängen. Ich habe Sie doch nicht 
schlecht behandelt!“ 


Noch eine letzte Frage, Herr Finck, um zum Ausgangs- 
punkt unseres Gesprächs zurückzukommen: Ihre Meinung 
über den Karneval, so wie er heute gefeiert wird. 


Der Karneval fängt an, in der verkehrten Weise um- 
zuschlagen. Wenn ich beispielsweise in der Zeitung 
einen Karnevalsprinzen sehe, der ein Gesicht macht 
wie ein Mann, der oft von der Presse belästigt wird, 
um damit zum Ausdruck zu bringen, wie überlastet 
er von seiner Narretei ist, dann hat der Karneval 
seinen Un-Sinn verloren. Ein ernst dreinschauender 
Karnevalsprinz? Dann schon lieber das politische 
Kabarett in Ihrer Faschingsnummer. Das Mißverständ- 
nis, es wolle auch nur den Spaß um des Spaßes willen, 
wird es schon verkraften. 


Will ein Gast hier flitzen geh'n, 
Laß ihn ein paar Spitzen seh'n. 
Zeig dich etwas offen, 

Laß ihn etwas hoffen. 

Auch ein Busen, ein kompakter, 

ist bei Nacht ein Wirtschaftsfaktor. 


(Aus dem Sketsch „Die Nachtgespenster”) 


Spitzen gegen Bonn 
mit Lore Lorenz, links, und Trudi Roth. 


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Die Unähnlichkeit der bei uns hier auf- 
tretenden Darsteller mit den gemeinten 
Personen ist nicht beabsichtigt! Aber was 
sollen wir machen? Dem Ministerpräsiden- 
ten Chruschtschow sieht ja vieles ähnlich — 
nur eben keiner von uns. Auch den Präsi- 
denten der Vereinigten Staaten müssen 
Sie sich bitte so vorstellen, wie er wirklich 
ist: wir fanden keinen, der auch nur an- 
ıähernd seine Größe hat! 

(Aus dem Sketch „Teil dir den Siegerkranz”) 


* 


> zen: (OF 37 eY-Talle) ”% 


er: 


Und so macht man in Östberlin 
Kabarett. Man hat Mut gehabt, 
beim „Barte des Proleten”, diese 
Anspielung auf Ulbrichts Spitz- 
bart hat dem Direktor Erich 
Brehm den Posten gekostet. Seit- 
her übt.man sich im Kniefall vor 
dem Regime und in kräftigen 
Seitenhieben gegen den Westen. 
Ein politisches Kabarett aber, 
dem der Maulkorb der Zensur 
vorgehängt ist, :verleugnet sich 
selbst, und das unterscheidet die läd, 
Sowjetzonen-„Distel” beispiels- & 
weisevon den „Insulanern“ oder 
den „Stachelschweinen” in West- 


berlin. Die kleine Freiheit, München 
Man spielt mit uns Jo Jo, Er: Jetzt kann keiner von uns beiden in der Meinung nachzugeben, 
i —y mal ist es oben, mal ist es unten, irgend etwas mehr entscheiden, die sie noch soeben 
; N “ euch geht es ebenso, wenn der andere es nicht leidet, hatten, 
u En EN es lösen sich ab die Stunden. daß der andere sich entscheidet. bis die beiden Ehegatten — 
einer — meiner — Meinung sind. 


Die Schmiere, Frankfurt a.M. ” Rechts geht es 'rauf und wieder 'runter, Sie: Kommt es ernstlich zwischen beiden . s . 
Se n so ist der Lauf immer munter, Gatten zu Verschiedenheiten Er: Das ist Quatsch, geliebtes Kind. 
% u =. Va und der Faden wickelt sich um den Hals. ihrer Meinung, soll’n sie streiten, (Aus einem Sketch über die Gleichberechtigung) 


> 


NR.9 | 7 








Nur, eine Stadt in der ganzen Welt (den Mond an RR schreibt sich mit zwei 
„aä”: Määnz. Höher als die Wellen des Rheins schlagen hier die Wogen des Karne- 
vals. Nicht wegen der zwei „ää“, sondern weil hier das goldene Määnzer Herz lebt — 
ouch einmalig in der Welt (den Mond eingeschlossen), sagen die Määnzer und alle, 
die dieses goldene Määnzer Herz schon einmal schlagen hörten. Zu hören gibt es da 
ansonsten noch eine ganze Menge kräftiger Schläge. In den Sitzungen, die zur Hälfte 
politisch-literarisches Kabarett von Format sind, werden harte Schläge ausgeteilt, vor- 


NR. 9 Es uusteieete) 














nehmlich in Richtung Bonn und umliegende Dörfer. „Noch habbe mir”, sagt Hans 
Halama, „die Pressefreiheit. Un wenn der Herr Schäffer aach dem Maulkorb e Chance 
gebbe will, so bleibt doch das klassische Kanzlerwort: ‚Bei uns kann jeder machen, 
was ich will!'“ Solche Wahrheiten tun manchem ein bißchen weh; sig werden durch 
Lachen und durch die Tänze des charmanten Hofballetts versüßt. Sasa — zum Schluß 
springt es auf den Sitzungstisch des Närrischen Staatsministeriums und wirbelt ihm die. 
Beine vor der Nase herum. Tja, Mainz hat eine Regierung nach unserem Geschmack. 


NR.9 








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BB BE BE 5 
GE Exclusivst-Bericht unseres High-Society-Reporters B)} 


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F 5: . Der neueste Modetanz heißt .„„Hoople-di-Hoop*'! Der 
3 : f durch seine fesselnden Illustrierten-Berichte berühmt gewordene 
Urwaldforscher Hugdietrich Dattel brachte den zündenden Rhyth- 
mus von seiner letzten Reise zu den Ureinwohnern eines noch nicht 
erforschten Nebenarmes des Mambesi mit. In aller Stille studierte 
er den originellen Tanz mit Liane Velentein, dem durch seine 
entzückenden Affären mit ausländischen Potentaten bekannten, 
Starlet ein. Es kommt wie man sieht, dabei darauf an, immer min- 
destens ein Bein und einen Arm in der Luft zu behalten. Treppen- 
geländer, Balustraden und Kronleuchter werden sinnvoll in den "" 
bewegten Dreizehnsiebtel-Takt mit einbezogen. Liane trug übri- ] 
Madame de Cocos und Graf Banana gehörten zu den prominentesten ae Nass ee A - a nn 
Gästen des elegantesten Karneval-Treibens dieser närrischen Saison. Die, wie man E TIDRAUSBEHIE: VENEN KEN, 31 in gelungener Schnapp- 77 £7 
= = : = & z schuß seiner Magnifizenz, des Rektors der Universität für 
aus sicherer Quelle weiß, in Trennung lebende Gattin eines zentralafrikanischen Menschenkunde in Timbuktu, Prof. Dr. Dr. anthrop. Waldemar 
Revolutionshelden hat sich eng an ihren neuen Begleiter, den bekannten Kletter- Stach elwade. Der für den Ä ustor-Preis vors oschl = = verdiente 
Champion aus ältestem Kongo-Adel, angeschlossen. Im Hintergrund sieht man die Gelchriew ” d ew - ten St 5° cht ., zwachs En 
vielumjubelte Peanut-Jazzband, deren Stil als bahnbrechend für die weitere Ent- AEIGUEIE. WAR TEN eng , ie an TaDazen u" In ea & s 
wicklung moderner Tanzmusik angesehen werden darf. Madame de Cocos trug 
übrigens ein gewagtes Kostüm aus pfauenaugenfarbenem Organdyripstaft. Seine 
Erlaucht hatten mit urwüchsigem Humor eine echt Tiroler Heimattracht gewählt. 


nr ı 
\ = 


52 


Als einziger Jllustrierten Deutschlands gelang es 
uns, das bisher sireng gehütete, größte gesell- 
schaftliche Ereignis der Bundesrepublik, den 
Faschings-Ball der Schimpansen zu besuchen 


NR.9 





Br 


Gewagtistdieser Schnapp- 
schuß aus der Intimsphäre 
der obersten Zehntausend 
und wir überlegten lange, ob 
wir ihn aus juristischen 
Gründen unseren Lesern 
nicht doch lieber vorenthal- 
ten sollten. Namen zu nen- 
nen verbietet freilich der 
Herzenstakt. Immerhin emp- 
fahl der weltbekannte An- 
walt und Spezialist für Ur- 
waldrecht, Dr. Jack O. Uhuhu 
(rechts, in einer besinnlichen 
Pose) die Gesichter des Paa- 
res unkenntlich zu machen. 


Es war eine rauschende Ballnacht! Zirkus Knie, der in dieser 
Saison seine Manege für das bisher streng geheimgehaltene Ereignis 
kostenlos zugunsten unterentwickelter Orang-Utans zur Verfügung ge- 
stellt hatte, durfte des Dankes der Prominenz sowie auch der weniger Be- 
rühmten gewiß sein. Auf dem Heimweg gelang unserem Gesellschafts-Be- 
richterstatter noch die obige Privataufnahme. Kenner erkennen sofort: 
Jackie H., Spitzentenor, Inhaber der platinenen Schallplatte und gefeiertes 
Teenager-Idol, irrte sich (mit Absicht?) zunächst in der Hotel-Zimmer- 
nummer. Unser Blitzlicht vereitelte im Zweifelsfall seine zarten Pläne. 


NR.9 n 





Die schwarze Sp 





Die Geschichte einer großen Modespionin - Von Gerhard Ritter Nach Aufzeichnungen von Sadila-Mantau 


Sie ist fünfzig, sieht aber aus wie fünfunddreißig und gilt als eine 
der größten Damen der Pariser Gesellschaft. Als Gemahlin des 
schwerreichen Grafen Kottorsky geht sie in allen führenden Mode- 
häusern der Seinestadt ein und aus. Wer ahnt schon, daß sie die 
„schwarze Spinne“ ist, Chefin einer Organisation von Modespionen, 
die mit der Raffinesse und Skrupellosigkeit einer echten Gangster- 
bande arbeitet? Marie weiß es, die Putzfrau im Modeatelier Piarelli. 
Sie gehört zum Mitarbeiterstab der Gräfin. Als sie im Rausch anfängt 
zu plaudern, alarmiert ein anderer Komplice die schwarze Spinne. 
Das Unmögliche gelingt: Gräfin Kottorsky dringt ins Atelier Piarelli 
ein, ohne Verdacht zu erregen, und transportiert die sinnlos Betrun- 
kene unauffällig aus der Gefahrenzone. Marie wird ihren in letzter 
Sekunde verhinderten „Verrat“ bitter bereuen müssen ... Die schwarze 
Spinne hat freilich nicht lange Zeit, sich mit ihr aufzuhalten. Die Pre- 
miere der neuen Kollektion steht kurz bevor. Sie muß an die Modelle 
von Piarelli herankommen, koste es, was es wolle. Es kostet zunächst 
das Engagement eines gewissen Herrn Pollack aus Wien. Pollack ist 
internationaler Spezialist für das Öffnen schwerer Geldschränke... 


Geld und Ruhm versammeln sich 
in den Salons der großen Pariser Mo- 
dehäuser. Hier sucht Filmstar Horst 
Buchholz, malerisch „garniert“ von 
zwei Mannequins, seiner Frau „etwas 
Passendes“aus.PreisspieltkeineRolle. 





F: schwarzer Cadillac schiebt sich 
im Schritt-Tempo die nächtlichen 
Champs-Elysees hinauf. Der Motor läuft 
wie auf Watte. 


Es regnet leicht. Im Spiegel des nassen 
Asphalts zucken die bunten Leucht- 
reklamen. Die Kette der Wagen ist so 
endios wie die Nacht von Paris. 


Die Champs schlafen nicht. Und schon 
gar nicht jetzt um halb eins. 

Aus den Bars wehen Fetzen heißer 
Musik. Dazwischen die heiseren, guttu- 
ralen Laute der Negersänger. 


Auch aus dem Autoradio des Cadillac 
kommt Musik. Luis Prima singt den 
Basin-Street-Blues. 


„Basin-Street 
Isa street, 


Where all the boys 
‚And the g00d folks meet...“ 
Dann übernimmt die Trompete das 
Motiv. Eine übermütige Klarinette löst 
die Trompete ab. 


Schwarze Katze von links 
Der Mann am Steuer summt mit. 


Er ist neunundsechzig und sieht aus 
wie fünfundfünfzig. Das graue Haar ist 
glatt zurückgekämmt. Es duftet auf- 
dringlich nach Pomade. Seine Nase ist 
groß und geschwungen — wie der Schna- 
bel eines Geiers. Die buschigen Brauen 
sind zusammengewachsen. Die Augen- 
lider hängen tief herab, fast bis zu den 
stechenden Pupillen. Das macht den 
Blick ein wenig unheimlich. 

(Bitte lesen Sie weiter auf Seite 40) 


So wird das große Ding gedreht! 
Die neue Kollektion hängt fertig im nächt- 
lich einsamen Atelier. Die Spione dringen 
zusammen mit einem Fotografen in den 
Raum ein. Eins der Mannequins ist „gekauft“ 
und sucht die wichtigsten Modelle heraus. 





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13 


Bien Ttuit@LLustrierte] NR, 9 


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...sagte der 


..daS FbI fragt: 
... ein. Bowjetagent war morsenthaus 











































... er brachte Seiner Seliebten 


..Wwenn man das entdeckt, 


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je. glauben. dieser plan sei im 
MW dann landete er geinen 


Copyright by F.P. A. Ferenczy K.G., München 


ar es ein Mord? Harry Dexter 
White, im Kriege Unterstaats- 
sekretär im Schatzamt (Finanz- 
ministerium) der Vereinigten Staaten von 
Amerika, nach deutscher Rangordnung 
also Staatssekretär und damit Stellver- 
treter des verantwortlichen Ministers, 
kann nicht mehr vor Gericht gestellt 
werden. Er ist tot. Herzschlag! Die Be- 
amten des FBI (Bundespolizei) fragen 
sich, ob nicht sowjetische Agenten ihren 
Teil zu diesem Todesfall beigetragen 
haben. 


Es war Elizabeth Bentley; ehemalige 
Agentin des kommunistischen Spionage- 
„Apparates“, die bei ihren ersten Ver- 
nehmungen im Jahre 1945 Whites 
Namen genannt hat. Aber erst im Jahre 
1948 ist er, von einer harmlosen Ver- 
nehmung abgesehen, vor die „Unter- 
suchungskommission gegen Antiameri- 
kanische Umtriebe‘“ geladen worden. 
Damals hat er jedoch abgestritten, Mit- 
glied der Kommunistischen Partei zu 
sein. 
Diese öffentliche Sitzung der Unter- 
suchungskommission am 13. August 
1948 ist in mehrfacher Hinsicht denk- 
würdig gewesen. Harry Dexter White hat 
. ; x ' sich als braver amerikanischer Bürger 
Fi © FE: ee ; Een : ei ausgegeben. Sein lauthals abgegebenes 
n: F N = .p Ä £ E: Bekenntnis zur amerikanischen De- 
„Die Kunst ist, Ns schöne natürliche Todesart 5 ; b > Ü_ mokratie hat nicht nur die Ausschußmit- 
zu finden, die auch die Prüfung vor der Polizei . ir 9 = es; = ‚lieder beeindruckt, sondern auch die 
besteht”,erklärte dersowjetischeSpionagechef. 7 “ = “ Ze Zuhörer und die zahlreichen Journa- 
ru u 5 i 4 3 =. RE £ listen. 
Er R White und seine Hintermänner dürften 
indes geahnt haben, daß seine endgültige 
Entlarvung nur noch eine Frage der 
Zeit sein kann. Doch zu einer zweiten, 


14 NR.9 


kann nicht reden 





Sowijetoberst 


war eg mord ?... 


beraten... 


alle schliche bei... 


bin ich erledigt... 
kreml entstanden... 







Zweiten Coup... 


ihre Salons und gingen zur Cocktail-Party 
in die Sowjetbotschaft in Washington.” 





EICH Tag sLLUSTRIERTEL NR. 9 


eingehenden Vernehmung sollte es nicht mehr 
kommen. Drei Tage nach dem ersten Verhör 
vor der Untersuchungskommission ist White 
überraschend auf seinem Gut in New Hamp- 
shire, wohin er sich nach seiner Verabschiedung 
zurückgezogenhatte, einem Herzschlagerlegen. 


„Ermorden kann jeder” 

Als Whittaker Chambers am 17. August die 
Nachricht von Whites plötzlichem Tod hört, 
fragt er sich, ob der Herzschlag zu den „Kunst- 
werken“ jenes russischen Obersten Bykow ge- 
hört, der als Chef der sowjetischen Spionage 
in Amerika eine Anzahl von Morden begangen 
und vor seinem Verschwinden aus den USA 







"% Harry Dexter White — Er wußte zuviel... 










noch einige seiner gelehrigen Schüler in seine 
Geheimnisse eingeweiht hat. 


Dieser „Apparatschik“ Bykow hattesich vor 
Jahren dem „Senior Editor“ gegenüber ge- 
rühmt: 


„Ermorden kann jeder Idiot! Die Kunst ist, 
eine schöne, natürliche Todesart zu finden, die 
auch die Prüfung vor der Polizei besteht. Denn 
ein toter Mann kann nicht reden!“ 


Der Herzschlag des Kommunisten Harry 
Dexter White besteht in der Tat die Prüfung. 
Die Ärzte bestätigen, daß der ehemalige Un- 
terstaatssekretär „eines natürlichen Todes‘ ge- 
storben ist. Doch der Beamte des FBI, der 


15 


Verraten und verkauft 


Chambers später verhört, ist nicht über- 
zeugt. Er gibt seinem Zweifel auch un- 
verhohlen Ausdruck. 

„Wann haben Sie White eigentlich 
kennengelernt?“ fragt er den Senior 
Editor der ‚‚Time“. 

Chambers braucht nicht lange zu über- 
legen. Er erinnert sich genau der ersten 
Begegnung mit dem Unterstaatssekretär: 

„Es war 1936, zwei Jahre nachdem 

- White ins Schatzamt eingetreten war. Er 
machte dort rasch Karriere und rückte 
bald zum Direktor der ‚Abteilung für 
Geldtheoretische Untersuchungen‘ auf. 
Aber das wissen Sie ja selber aus ihren 
Akten...“ 

„Sprachen Sie mit ihm über seine 
Jugend oder seine Abkunft? Und wissen 
Sie, wo er studiert hat?“ 

Chambers ist nicht in der Lage, die 
spärlichen Unterlagen zu ergänzen, die 
von den Beamten des FBI bisher be- 
schafft werden konnten. Nicht einmal 
das in den Akten stehende Geburtsjahr 
Whites, 1892, steht fest. Sicher ist nur, 
daß die Eltern aus Rußland in die Staaten 
eingewandert sind und sich in Boston 
niedergelassen haben. Dort ist Harry 
Dexter White auch geboren. Später hat 
die Familie ihren Namen anglisiert, und 
das erschwert natürlich die Nachfor- 
schungen. 

Der recht begabte junge White hat 


US-Schatzamt 


=" em erılel 


dann an den Universitäten Columbia, 
Stanford und Harvard studiert und ist 
selber Lehreram Sarah-Lawrence-College 
und an der Harvard-Universität gewe- 
sen. Im Jahre 1934 ist er ins Schatzamt 
eingetreten, und noch vor dem Kriege 
zum Unterstaatssekretär aufgerückt. 


Er wußte zuviel 
„Fast zwei Jahre stand ich mit Harry 
Dexter White in Verbindung‘, fährt 
Whittaker Chambers fort. „Als ich mich 
von der Partei löste, ging ich nicht nur 
zu Alger Hiss, um ihn zu überreden, 
ebenfalls diesen Schritt zu tun, sondern 


auch zu White.“ 
Der Beamte sieht überrascht auf 
Chambers. ‚Sie gingen 


auch zu White? War er 
denn überhaupt Mitglied 
der Kommunistischen Par- 
tei ?“ 

„Harry Dexter White 
war nicht offiziell Mitglied 
der Partei, so wie ein Berg- 
mann oder Hafenarbeiter 
Mitglied der Partei ist und 
ich es war. Für meine Zelle 
war er nur eine Art Mit- 
läufer, der sich höchst un- 
gern mit einem der Ge- 
nossen sehen ließ. Auf der 
Straße drehte er sich dau- 
ernd ängstlich um, aber gerade dadurch 
fiel er auf.“ 

Chambers lacht in der Erinnerung an 
dieses Bild vor sich hin. Dann fährt er 
fort: 

„Deswegen hat man ihn wahrschein- 
lich auch umgebracht. Auf seine erste 
Vernehmung konnte er sich monatelang 
vorbereiten, und so schnitt er am 
13. August auch günstig dabei ab. Doch 
einem lange währenden Prozeß wäre er 


16 





Morgenthau 





nicht gewachsen gewesen. Das wußte der 
‚Apparat‘...‘“ 


* 


Der Beamte blättert in dem Akt von 
Harry Dexter White. So 
spärlich die Angaben über 
die Jugend sind, so um- 
fassendsind die Unterlagen 
bis zu seinem Tode. Am 
15. Dezember 1941, kurz 
nach dem Eintritt Ameri- 
kas in den Krieg, hat das 
Finanzministerium in Wa- 
shington die Dienstanwei- 
sung Nr.43 herausgegeben, 
in der es heißt: 


„Vom heutigen Datum 
ab übernimmt Herr Unter- 
staatssekretär Harry Dex- 
ter White volle Verant- 
wortung für alle das Finanzministerium 
betreffenden Fragen, die mit Bezie- 
hungen zu anderen Staaten zu tun 
haben. Herr White fungiert als Verbin- 
dungsmann zwischen dem Finanz- und 
dem Außenministerium, wird zum Be- 
rater des Finanzministeriums in allen das 
Ministerium betreffenden außenpolitischen 
Fragen bestellt und ist für die Leitung 
und Verwaltung des Stabilisationsfonds.... 
verantwortlich. Herr White ist dem Herrn 
Finanzminister direkt verantwortlich.“ 


Den Beamten schaudert. Dieser sowje- 


13152173 


Dort saß der Wurm drin 


tische Agent war also Berater des Finanz- 
ministers Henry Morgenthau in außen- 
politischen Fragen! Faktisch heißt das, 
alles, was die finanziellen Interessen der 
USA auf außenpolitischem Gebiet be- 
troffen hat, ist der Sowjetregierung in 
Moskau sofort bekanntgeworden. Aber 
noch verhängnisvoller muß die Tat- 
sache gewesen sein, daß White auch Be- 
fehlen gehorcht hat, die aus Moskau ge- 
kommen sind. Demnach sind bereits 
seine Ratschläge nach den Interessen 
einer fremden Macht ausgerichtet ge- 
wesen. 

Vierzehn Monate später wird die 
Dienstanweisung Nr. 43 ergänzt, wie ein 
weiteres Blatt in dem Akt White be- 
weist: 

„Vom heutigen Datum 
ab übernehmen Sie mit 
voller Verantwortung die 
Aufsicht über alle das Fi- 
nanzministerium betreffen- 
den wirtschaftlichen und 
finanziellen Fragen... im 
Zusammenhang mit den 
Operationen des Heeres 
und der Kriegsmarine so- 
wie den Zivilangelegen- 
heiten auf fremdem Ge- 
biet, wo unsere Streitkräfte 
jetzt operieren oder vor- 
aussichtlich operieren wer- 
den. Das schließt natürlich 
für Angelegenheiten dieser 
Art die Verbindung mit dem Außen-, 
Heeres- und Marineministerium ein so- 
wie mit anderen Ministerien und Dienst- 
stellen und den Vertretern fremder Re- 
gierungen.“ 


Der FBI-Beamte erinnert sich genau. 
Während des Krieges hat er der amerika- 
nischen Militär-Polizei in Italien ange- 
hört. Bald nach der Besetzung der süd- 
lichen Provinzen dieses Landes ist dieser 
Dienststelle der Armee die Tatsache be- 


er 





kannt geworden, daß die amerikanischen 
Besatzungslire massenweise gefälscht 
worden sind. Die Summe der in Umlauf 
gesetzten falschen Lirenoten dürfte in 
die Hunderte von Millionen gehen. 
Schon damals haben Spuren in das 
Schatzamt in Washington geführt, doch 
erst heute glaubt der FBI-Beamte die 
Beweise zu haben, daß Harry Dexter 
White seine Hand dabei im 
Spiel gehabt hat. Mit ver- 
bissenem Gesichtsaus- 
druck blättert er weiter. 


Kaviar für den 
falschen White 

In einem anderen Pro- 
tokoll ist ein Vorfall aus 
dem Jahre 1943 vermerkt, 
dem eine gewisse Komik 
nicht abzusprechen ist. 
Vieles deutet daraufhin, 
daß er in ursächlichem Zu- 
sammenhang mit der Fäl- 
schung der italienischen 
Besatzungslire steht. 

Vor kurzem hat ein Tischlermeister 
namens Harry White ausgesagt, er habe 
vor dem Weihnachtsfest 1943 eine Kiste 
mit Kaviar und Wodka von der Sowjet- 
botschaft in Washington als Geschenk 
erhalten. Der brave Mann konnte sich 
nicht erklären, wieso geräde er in den 
Genuß solcher seltenen, als diploma- 
tisches Gepäck zollfrei in die USA ein- 
geführten Dinge gekommen ist, hat die 
Sendung aber angenommen. 

Wenige Tage später ist dann bei ihm 
der Unterstaatssekretär Harry Dexter 
White erschienen und hat ihn aufge- 
fordert, die Kiste herauszugeben, die der 
Chauffeur der Spedition versehentlich 
bei dem Tischlermeister gleichen Namens 
abgeliefert hatte. Aber die Sendung war 
nicht mehr vollständig. Wer läßt schon 
Kaviar und Wodka über Weihnachten 
bei sich stehen, ohne zu probieren ? 

Der richtige White ist sehr ungehalten 
gewesen, hatsich aber schließlich mit dem 
Tischlermeister auf ‚„fifty-fifty‘“ geeinigt, 
und mürrisch ist der Unterstaatssekretär 
mit der Hälfte von dannen gezogen... 


Eine etwas magere Bezahlung für die 
Fälschung von einigen hundert Millionen 
amerikanischer Besatzungslire, denkt der 
FBI-Beamte... 


h Bentley 


* 


Wenn die Mitwirkung des ehemaligen 
Unterstaatssekretärs bei der Fälschung 
des amerikanischen Besatzungsgeldes für 
Italien manchem noch nicht als restlos ge- 
klärt erscheint, so ist seine Hilfe bei der 
Fälschung der deutschen Besatzungs- 
mark einwandfrei nachweisbar. 

Um den Sonderbericht über die 
Geldfälschungen, den der Leiter des 
FBI, Edgar Hoover, angefordert hat, zu 
überprüfen, hat der Beamte noch einmal 
Elizabeth Bentley vorgeladen, die im 
Jahre 1945 der kommunistischen Be- 
wegung den Rücken gekehrt und deren 
Aussage die Affäre Hiss ins Rollen ge- 
bracht hat. 

Elizabeth Bentley, eine Lehrerin, ist 
schon verhältnismäßig früh der Kom- 
munistischen Partei Amerikas beige- 
treten, zu einem Zeitpunkt, als sie noch 
die Universität besucht hat. Ausschlag- 
gebend sind die Ereignisse in Deutsch- 
land gewesen, die ihr Gerechtigkeitsge- 
fühl verletzt haben. Nur in der kom- 
munistischen Bewegung hat sie geglaubt, 
„der faschistischen Barbarei und dem 
Rassenhaß“ begegnen zu können. 


Ursprünglich Mitglied einer anderen 
kommunistischen Zelle, ist sie später der 
„Zelle Ware‘ zugeteilt worden, deren 
Mitglieder fast alle mit den Quäkern in 
Verbindung stehen. Entweder sind sie 
früher selbst einmal Quäker gewesen, 
wie beispielsweise Miß Bentley, oder die 
Eltern haben dieser religiösen Sekte 
noch jetzt angehört. 

In der Zelle Ware hat Elizabeth Bent- 
ley durch Zufall einen Russen namens 
Jacob Rasin kennengelernt, in den sie 
sich sofort verliebt. Selber nicht beson- 
ders schön, wenn auch nicht gerade häß- 
lich, hat sie zu dem etwas vulgären Rasin 


mit dem Parteinamen Yasha Golos eine 
tiefe Zuneigung gefaßt. Es ist eine echte 
große Liebe gewesen, beruhend auf der 
gemeinsamen kommunistischen Weltan- 
schauung. 

Rasin/Golos ist eines der wichtigsten 
Mitglieder des sowjetischen Spionage- 
tinges in den USA gewesen. Er hat seiner 
Geliebten auch sofort alle Tricks der 
kommunistischen Agententätigkeit bei- 
gebracht. Doch erst nach seinem Tod im 
Jahre 1943 ist sie zu einer zentralen Figur 
des „Apparates“ aufgerückt: zum Ver- 
bindungsglied zwischen „Bill“, ihrem 
sowjetischen Kontaktmann, und dem 
Unterstaatssekretär im Schatzamt, Harry 
Dexter White... 

„Wollen Sie mir bitte noch einmal 
ganz genau schildern, wie Sie mit White 
in Verbindung kamen?“ fordert der 
FBI-Beamte Elizabeth Bentley auf. „Bitte 
vergessen Sie nichts. Selbst Nebensäch- 
lichkeiten können von Bedeutung sein.“ 


Kennwort Stalingrad 
Miß Bentley, seit ihrem Absprung von 
der Kommunistischen Partei zurückge- 
zogen lebend, schließt die Augen, als 
könne sie sich so besser erinnern. Dann 
beginnt sie zu erzählen: 


„Ich erhielt von ‚Bill‘ den Auftrag, 
mit White zu sprechen und ihn aufzu- 
fordern, mir einen Satz der neuen, noch 
nicht im Umlauf befindlichen amerika- 
nischen Besatzungsmark auszuhändigen. 
Aber der Unterstaatssekretär lehnte ab. 
Er weigerte sich sogar, mich zu emp- 
fangen.“ 2 

„Riefen Sie ihn im Schatzamt an ?“ 

„Ja! Ich rief ihn in seinem Büro an. 
Die Zentrale verband mich auch, und 
ich nannte das Kennwort ‚Stalingrad‘, 
aber er antwortete: ‚Nein, ich habe keine 
Zeit und ich kenne Sie auch nicht !‘“ 

„Und was taten Sie dann ?“ 

„Ich fuhr nach New York zurück zu 
‚Bill‘ “. 

„Welchen bürgerlichen Decknamen 
hatte ‚Bill‘ >?“ 

„Wir nannten ihn ‚Professor Grinke‘. 
Aber Professor wird er wohl kaum 
gewesen sein. In seinem schlechten 
Englisch begann er, während ich noch 
in der Tür stand, zu zanken: ‚Sie sollen 
doch nicht kommen ohne Nachricht! 
Woher Sie wissen meine Wohnung ?‘ 
Dabei sah er mich mit seinen rotum- 
ränderten kranken Augen mißtrauisch 
an.“ 

„Hätten Sie sich nicht 
müssen ?“ fragte der Beamte. 

„Natürlich hätte ich das tun sollen, 
aber ‚Bill‘ hatte es, als er mir den Auftrag 
gab, so eilig. Außerdem hielt ich die 
übergroße Vorsicht für lächerlich. Im 
März 1943 — ach, das ging bis 1945! — 
war die Freundschaft zur Sowjetunion in 
New York eine Selbstverständlichkeit. 
Selbst die Millionäre luden damals 
Kommunisten in ihre Salons ein und 
gingen zur Cocktail-Party in die Sowjet- 
botschaft in Washington.“ 


anmelden 


„Wenn man das entdeckt ...” 

„Bill« warkein sehr anziehender Mann. 
Er hatte nur wenige Frauenbekannt- 
schaften. Einmal war eskommunistischen 
Agenten nicht gestattet, feste Lieb- 
schaften zu unterhalten, und dann wirkte 
die Schmuddligkeit des „Professors“ 
auf die recht sauberen amerikanischen 
Frauen abstoßend. 

Auch Miß Bentley konnte ihn nicht 
ausstehen, und sie verschweigt ihre 
peinlichen Erlebnisse mit ihm durchaus 
nicht: 

„Als ich das Zimmer betreten hatte 
und ins Licht getreten war, hörten die 
Vorwürfe von ‚Bill‘ schlagartig auf...“ 

Der Beamte kann sich die Situation 
gut vorstellen: „Bill“ betrachtete seinen 
späten Gast plötzlich recht wohlgefällig, 
denn für den liebeshungrigen Sowjet- 
bürger war die wenig attraktive Elizabeth 
Bentley eine Schönheit. 

„Ich ließ ihm aber keine Zeit, irgend- 
ein Kompliment anzubringen“, erzählt 
Miß Bentley weiter. „Als ich ihm die 
Weigerung von White mitgeteilt hatte, 


NR.9 


GELBE 
SORTE 


INTERNATIONAL 





Die Cigarette von Weltruf 


Schweiz: 20 Stück s. Fr. 1.20 Italien: 20 Stück Lire 400.- Österreich: 20 Stück ö.$.1r,- 
ro Stück Lire 200.- 


Vertaten und verkauft 


antwortete er: ‚Sie werden hingehen, 
nochmal! Ich finde andere Möglichkeit. 
Er muß empfangen! Telefonieren Sie 
mich an! Morgen, in Drugstore, Sie 
wissen! Fragen Sie nach ‚Professor‘. Ich 
erwarte Anruf Punkt ı2 Uhr!‘...‘““ 

„Am anderen Tage rief ich, wie 
verabredet, den ‚Professor‘ in dem 
Drugstore an und erhielt den Befehl, 
mich in zwei Tagen wieder bei White zu 
melden, mit der letzten Ausgabe der 
‚New York Times‘ in der Hand. Nach 
dem Besuch sollte ich mich sofort wieder 
bei ‚Bill‘ einfinden...“ 


* 


Drei Tage später, Ende März 1944, 
acht Monate nach dem Sturz und der 
Verhaftung Mussolinis, der die Kapitula- 
tion Italiens und die Kriegserklärung 
dieses Landes an Deutschland gefolgt 
ist, hat sich Elizabeth Bentley wieder bei 
Harry Dexter White im amerikanischen 
Schatzamt angemeldet. 


„Diesmal wies er mich nicht ab“, 
erzählte sie. „Er kam mir sogar bis auf 
den Korridor entgegen und führte mich, 
wobei er sich, scheu wie ein Dieb, 
ständig umsah, durch einen direkten 
Eingang in sein Arbeitszimmer. White 
war schrecklich nervös und _ strich 
andauernd mit dem Daumen und Zeige- 
finger seiner rechten Hand sein kleines 
Schnurrbärtchen. Wissen Sie, so ein 
kleines ‚Hitlerbärtchen‘. Zweimal stand 
er auf und lauschte an der Tür zum 
Nebenzimmer. Wahrscheinlich saß dort 
seine Sekretärin. Ich legte meine Zeitung 
auf seinen Schreibtisch und fragte ihn, 
so wie es mir ‚Bill‘ aufgetragen hatte: 
‚Haben Sie den Bericht über Stalingrad 
gelesen ?°“ 

Während Elizabeth Bentley spricht, 
vergleicht der Beamte ihre Aussage mit 
ihren früheren Protokollen. Zufrieden 
stellt er fest, daß keinerlei Widerspruch 
zu entdecken ist. „Klagte er gar nicht ?“ 
fragt er schließlich. 

Elizabeth Bentley lächelt vor sich hin. 
„Natürlich klagte er. Er klagte ja immer. 
Nachdem die verabredeten Sätze herun- 
tergeleiert waren, sagte er in seinem 
merkwürdig singenden Tonfall: ‚Ich 
kann das eigentlich gar nicht machen. 
Wenn man hier entdeckt, daß die 
Nummern fehlen, bin ich erledigt!“ 


Das Geld ist nicht zu fälschen 

In New York hat Elizabeth Bentley 
ein Taxi genommen, es zweimal gewech- 
selt, dann aber jede weitere Vorsicht 
außer acht gelassen und als Fahrtziel: 
„Metropolitan Museum, Ecke 82. Straße‘“ 
genannt. 

„Diesmal war ‚Bill‘ recht liebenswür- 
dig“, erzählt Miß Bentley dem Beamten 
weiter. ‚Ja, Sie haben gutt gemacht, serr 
gutt‘, lobte er.“ 


” 


Schon am nächsten Tage hatte ein 
Kurier des sowjetischen Konsulats in der 
Park Avenue, zwei Häuserblocks von 
„Bills« Apartment gelegen, den New 
Yorker Flughafen verlassen. Das festzu- 
stellen ist nicht schwierig gewesen, 
und der FBI-Beamte ist auch überzeugt, 
daß in dem versiegelten Diplomaten- 
gepäck der Umschlag mit den Geld- 
scheinen gelegen hat. 

Die Clipper-Maschine hat den diplo- 
matischen Kurier nach Lissabon ge- 
bracht. Von dort aus ist er weiter über 
Kairo und die Türkei nach Moskau ge- 
flogen. Er dürfte kaum gewußt haben, 
was er mit seiner Kurierpost transpor- 
tiert. Die Tasche, die mit einer Kette an 
sein Handgelenk angeschlossen gewesen 
ist, hat er nicht öffnen können. Nur das 
Außenkommissariat in Moskau hat das 
Gegenstück zu dem Schlüssel im New 
Yorker Konsulat besessen. 

Die sowjetischen Experten für Geld- 
druck und Geldfälschung haben dann 


18 


die von dem Kurier gebrachten Muster 
der Besatzungsmark mit außerordent- 
lichem Interesse geprüft, mit der Lupe 
die Zeichnung und mit chemischen Mit- 
teln das Papier untersucht. Schon nach 
kurzer Zeit sind sie zu dem einmütigen 
Urteil gekommen: das Geld ist nicht zu 
fälschen. 


Nach wenigen Tagen hat ein Kurier 
den Satz Markscheine wieder zurück 
nach New York gebracht. In einem 
Begleitschreiben haben die sowjetischen 
Finanzexperten die Lieferung der Druck- 
stöcke, des Papiers, der Druckfarben und 
außerdem noch eine ausführliche Ge- 
brauchsanweisung gefordert. 


Sehr verdächtig 
Harry Dexter White ist einer Ohn- 
macht nahe gewesen, als ihm Miß Bent- 
ley Moskaus Wünsche offenbart. Er hat 
beide Hände beschwörend erhoben und 
gejammert: 
„Das ist unmöglich!“ 


„Was haben Sie ihm darauf geantwor- 
tet?“ fragt der FBI-Beamte. 


Elizabeth Bentley zögert etwas mit der 
Antwort. „Ich habe nicht genau gewußt, 
um was es eigentlich ging, und deshalb 
habe ich nur gesagt: ‚Es ist ein Befehl 
von oben und Sie müssen gehorchen!‘“ 


Andererseits waren die Forderungen 
nicht so ohne weiteres zu erfüllen. Von 
sich aus konnte er überhaupt keinerlei 
Anordnungen treffen. Nur eines war ihm 
ohne große Gefahren möglich: die 
Überstellung der Druckstöcke samt 
Zubehör nachdrücklich zu befürworten. 

Bereits bei der nächsten Sitzung mit 
Vertretern des Außen- und Kriegsmini- 
steriums hat Harry Dexter White als 
Unterstaatssekretär und Vertreter des 
Schatzamtes darauf bestanden, der So- 
wjetregierung offiziell die Druckstöcke 
für die Marknoten zu übergeben: 


„Sonst besteht die Gefahr, daß die 
wirtschaftliche Einheit Deutschlands und 
die Solidarität der Alliierten darunter 
leidet. Die Besetzung Deutschlands kann 
doch unmöglich mit zwei verschiedenen 
Währungssystemen beginnen.“ 


Tem. 






Ein Kollege Whites im Finanzmini- 
sterium, Unterstaatssekretär Dr.. Bell, 
der ebenfalls an dieser Sitzung teilge- 
nommen hat, glaubt nicht recht zu 
hören. Ausgerechnet dieser White, von 
dem man im Schatzamt erzählt, er habe 
einen Plan zur völligen Vernichtung 
der deutschen Industrieanlagen aufge- 
stellt, kämpft für die wirtschaftliche 
Einheit Deutschlands? 

Dr. Bell hat mit allem Nachdruck 
widersprochen: 

„Das Finanzministerium hat noch nie- 
mals Notenplatten hergestellt und sie 
dann einem anderen Staat verfügbar 
gemacht.“ 


Der Direktor vom Büro für Gravie- 
rung und Druck, Alvin Hall, seit langem 
als Gegner einer allzu großen Anbiede- 
rung an die Sowjetunion bekannt, ist 
noch deutlicher geworden: 


„Wenn wir die Druckstöcke ausliefern, 
wird man morgen die Farben, übermor- 
gen das Papier und eines Tages sogar 
die fertiggedruckten Noten verlangen. 
Damit hört jede Vorausberechnung und 
Kontrolle, was mit der Besatzungsmark 
geschieht, sofort auf.“ 


Es ist an diesem Tage zu keiner 
Entscheidung gekommen, und der Brief, 
den Miß Bentley am nächsten Tage von 
White zu „Bill“ gebracht hat, ist sehr 
pessimistisch abgefaßt... 


Molotow droht 


Der FBI-Beamte blättert weiter in dem 
Akt, ‚Falschgeld- White“. Ungefähr zwei 
Wochen später hat der Volkskommissar 
für Äußeres, Wjatscheslaw Molotow, mit 
dem amerikanischen Botschafter in Mos- 
kau, William Harriman, über das von der 
Regierung der USA geplante Besat- 
zungsgeld für Deutschland gesprochen. 
Die Fälschung des amerikanischen Be- 
satzungsgeldes für Italien hat er dabei 
selbstverständlich nicht erwähnt. 

„Wenn sich Washington weigern 
würde, die Druckstöcke für die Mark- 
noten der Sowjetunion zu überlassen, 
dann bliebe unserer Militärverwaltung 
nichts anderes übrig, als eigenes Be- 
satzungsgeld zu drucken“, hat Molotow 
gedroht. „Jedenfalls muß diese Frage 
schnellstens entschieden werden.“ 


Harriman hat die beinahe ultimative 
Forderung der Sowjetregierung nach 
Washington telegrafiert. Dort hat die 
Meldung überrascht. Woher wissen die 
Sowjets überhaupt, was geplant ist? 
Doch White hat dann aufgetrumpft: 

„Mit dem Druck eigenen Geldes 
würde Deutschland in drei Besatzungs- 
zonen zerschlagen werden: eine sowjet- 
russische, eine englische und eine ameri- 
kanische. (Von der französischen sprach 
man damals noch nicht.) Das wider- 
spricht den Zielen der Regierung, das 
deutsche Volk ‚umzuerziehen‘...‘“ 


Aber auch das Außenministerium hat 
keine Entscheidung fällen wollen. Es hat 
die Verantwortung auf die Schultern der 
Vereinigten Stabschefs abgewälzt. 

In einem vom 13. April datierten Brief 
hat General Marshall, Generalstabschef 
der amerikanischen Armee geraten, man 
müsse der Sowjetunion wohl oder übel 
die gewünschten Materialien zur Verfü- 


n_ ng 


... ließ gleich Tausend- 

Mark-Scheine drucken. 

Die Druckstöcke liefer- 
ten die USA. 





Sanleerr N: 


-23333207,- 
LITT) Es sata 


ia on 








gung stellen. Als einzigen Vorbehalt hat 
er geltend gemacht: ‚,... sofern nicht die 
Versorgung der Besatzungsstreitkräfte 
unter dem Befehl von General Eisen- 
hower dadurch gestört wird...“ 


Harry Dexter White hat die Herren 
beruhigt, und genau einen Monat später, 
am ı3. Mai 1944, hat eine Maschine 
DC-47 Washington verlassen. An Bord 
— die meisterhaften Druckplatten, eine 
kleine Menge Notenpapier und die 
nötigen Druckfarben. 


Doch auf den russischen Notenpressen 
ist, trotz Gebrauchsanweisung, das Be- 
satzungsgeld nicht herzustellen gewesen, 
aber die Amerikaner haben den Sowjets 
sogar die Druckerei, wenn auch unbe- 
wußt, überlassen, 


Am ı9. April 1945 hat die amerikani- 
sche Armee Leipzig besetzt, jedoch 
wieder geräumt, weil die Sowjets Thü- 
ringen und Sachsen als ihr Gebiet 
beanspruchen. In Leipzig arbeitet die 
weltbekannte und renommierte Drucke- 
rei Giesecke & Devrient, Spezialisten 
für die Herstellung von Papiergeld, 
Aktien und sonstigen Dokumenten. Sie 
ist sofort nach dem Finmarsch der 
Roten Armee beschlagnahmt worden. 


Mit der Herstellung von Ein-, Zwei-, 
Fünf- und Zehnmarknoten hat man sich 
jedoch nicht abgegeben. Die sowjetischen 
Besatzungsbehörden haben gleich Tau- 
sendmarknoten drucken lassen und in 
Umlauf gesetzt. Allein bei der Währungs- 
reform, im Jahre 1948, sind, auf das Stück 
genau, 1794922 dieser Noten umge- 
tauscht worden... 


Stecken die Sowjets dahinter? 

Der Beamte des FBI legt den Akt auf 
seinen Schreibtisch. Er wendet sich 
wieder Elizabeth Bentley zu, doch ohne 
sie anzusehen. Dann fragt er: 

„Erhielten Sie für Ihre Dienste eine 
Entlohnung ?“ 

Miß Bentley ist diese Frage peinlich, 
doch sie beantwortet sie wahrheitsge- 
mäß: 

„Im Oktober 1944 händigte mir Ana- 
toli Gromow, Erster Sekretär der Sowjet- 
botschaft in Washington und Nachfolger 
von ‚Bill‘, ein dickes Kuvert aus. Es 
enthielt hundert Banknoten im Wert von 
je zwanzig Dollar, insgesamt zweitausend 
Dollar!“ 

„Nicht gerade viel“, stellt der FBI- 
Beamte fest. „Die Sowjetunion verdiente 
an diesem Geschäft mindestens eine 
Milliarde Mark, vielleicht sogar das 
Doppelte.‘ 

Für zwei bis drei Minuten ist es ganz 
still im Zimmer. Dann nimmt der 
FBI-Beamte das Gespräch wieder auf: 

„Waren Sie danach noch öfters als 
Verbindungsmann zu White tätig?“ 


„Das ganze Jahr 1944 hindurch war 
ich der Briefträger zwischen ‚Bill‘ und 
White. Worum es dabei ging, weiß ich 
nicht sicher, nur ließ der ‚Professor‘ 
einmal fallen, daß es sich um einen ‚Plan‘ 
handele. Ich vermute, er meinte damit 
den sogenannten Morgenthau-Plan.“ 


„Wissen Sie eigentlich, wer den Mor- 
genthau-Plan entworfen hat?“ 


„Das weiß doch in Washington jedes 
Kind: Niemand anders als Harry Dexter 
White. Er wollte die Vernichtung 
Deutschlands, weil das den russischen 
Wünschen entsprach. Er selber war viel 
zu feige, ein eigenes Urteil zu äußern...“ 


„Sie glauben also, dieser Plan sei im 
Kreml entstanden, und White habe nur 
als Vermittler gedient ?““ 


„Wenn White der Vater des Morgen- 
thau-Planes war, woran wohl kaum zu 
zweifeln ist, dann hatten die Sowjets 
auch ihre Finger drin. Das ist so sicher 
wie das Amen in der Kirche! White 
hätte niemals einen solchen Plan aufge- 
stellt, ohne Moskau davon Mitteilung 
zu machen, und andererseits würden die 
Männer der Sowjetregierung niemals nur 
zugesehen haben, ohne sich einzuschal- 
ten! Für mich steht es außer Zweifel, daß 
die Direktiven aus dem Kreml kamen, 
und für White war alles, was Moskau 
wünschte, ein Befehl...‘ 


* 


Wenige Wochen, nach dem die „„Opera- 
tion Besatzungsmark““ von Harry Dexter 
White mit der letzten Sendung nach 
Moskau erfolgreich zum Abschluß ge- 
bracht worden ist, startet er seinen 
zweiten Coup. 








Im nächsten Heft: 
Morgenthau erpreßt die Englän- 
der — Frischer Wind im Weißen 
Haus — „...muß ich um meinen 
Rücktritt bitten“ — Truman ver- 

läßt heimlich Amerika 


NR.9 


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20 


Während ich telefonierte, saß Kim in 
ihren langen maisgelben Hosen an Atti- 
lio’s Bar. Sie hielt ihr Weinglas wie einen 
verfrorenen Sperling zwischen beiden 
Händen. Zeichnung Bierwisch 


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4 



















Roman von Claus Bela und Tanja Tamar 


CopyrightbyF.P.A. Ferenczy K.G., München 
D: Ferien von Claude Kilian 

und Kim „Kolibri“ McGovern 
in dem kleinen Fischerdorf an der 
Adria verlaufen teils idyllisch, teils 
dramatisch. Für die Dramatik sor- 
gen Kims millionenschwere Halb- 
schwester Isabel und ihr junger Ge- 
mahl, der Skilehrer Anderl Feller aus 
Wildbühl. Das Flitterwochen-Paar 
sitzt nämlich in Venedig. Eines 
Tages lockt Isabel, die „Orchidee“ 
mit dem krankhaften Rachekomplex 
gegen alle Männer, Kim mit einem ge- 
fälschten Telegramm nach Venedig, 
fährt selbst zu Kilian und bringt ihn in 
eine Situation, die der prompt hinter- 
hergejagte Anderl nur als „eindeutig“ 
auffassen kann. Isabel denkt nicht 
daran, daß Mißverständnis aufzu- 
klären. Es kommt zu einer wilden 
Prügelei zwischen Anderl und seinem 
ehemaligen Freund Kilian. Anderl 
geht schließlich knockout zu Boden 
und wird von seiner hintergrün- 
dig lächelnden Gattin abtransporiiert. 
Wieder scheint Ruhe zu herrschen. 
Kim und Claude genießen das Allein- 
sein. Da kommt ein Telegramm aus 
München von Kyra Alexandrowna, 
der Sekretärin von Kilians Verleger. 
Er solle sie sofort anrufen. Kilian 
ahnt nichts Gutes: er weiß, daß die 
Alexandrowna, eine durch einen Un- 
fall aus der Karriere geworfene russi- 
sche Ballerina, ihn heimlich liebt. 
Leider hat er ihr einmal vage Ver- 
sprechungen gemacht. Das soll er 


bald bereuen... 
* 


Das Postamt war schon geschlossen. 
Aus der Trattoria von Attilio rief ich 
Kyra in ihrer Münchner Wohnung an. 

Die Alexandrowna meldete sich sofort. 
Sie mußte neben dem Apparat gesessen 
und auf meinen Anruf gewartet haben. 
Hoffentlich recht lange, dachte ich ärger- 
lich und sagte in nicht gerade über- 
wältigend liebenswürdigem Ton: 

„Hallo Kyra! Was ist los ?“ 

Die Alexandrowna lachte leise. 
„Föhn!“ sagte sie dann lakonisch. 

„Föhn ?“ wiederholte ich fassungslos. 
„Sie wollen mir doch nicht weismachen, 
daß der Föhn allein Sie bewogen hat, 
ehrwürdige Einsiedlerkrebse in ihrem 
Versteck aufzustöbern? Ich denke, Sie 
machen die landläufige Föhnhysterie 
nicht mit, Großfürstin ?“ 

„Ich nicht. Aber der Großkhan.‘“ Der 
„Großkhan“ war unser gemeinsamer 
Chef, der Verleger Dr. Tibor. 

Kyras Stimme klang aufregend nah, 
so nah, daß ich die vollkommene 
Alexandrowna in der Glasscheibe der 
Telefonzelle wie in einem Spiegel zu 
sehen glaubte: das dreieckige Kleopatra- 
gesicht mit dem kurzgeschnittenen Haar, 
die mandelförmigen, spöttischen Augen, 
das gescheite Profil und die graziöse 


Linie ihres etwas zu langen Ballerinen- 
halses. 

Ich sagte ärgerlich: 

„Sie wissen leider genau, wo ich 
stecke. Ich möchte nur wissen, wie Sie 
das herausgebracht haben!“ 


Ihr dunkles, amüsiertes Lachen irri- 
tierte mich. 

„Zuerst war ich bei Dominikus Köpf, 
dem Wirt Ihres Vogels Kolibri“, sagte 
ihre verhangene Stimme. „Dort konnte 
ich nur feststellen, daß auch die kleine 
McGovern spurlos verschwunden ist.“ 


Sie rollte das R, machte eine ironische 
Pause und fuhr dann, da ich abwartend 
schwieg, mit scheinbar sachlicher Kühle 
fort: 

„Der alte Köpf schwor, daß er 
keine Ahnung habe, wohin die kleine 
McGovern gereist sei.“ 

„Ein braver Mann“, sagte ich zu- 
frieden. 

„Daraufhin ging ich in die Kneipe von 
Pinkus Meier...“ 

„Sie wollen mir doch nicht erzählen, 
daß Pinkus mich verraten hat?“ rief ich 
entgeistert. 

„Aber nein“, sagte Kyra beschwich- 
tigend. „Pinkus Meier war verschlossen 
wie der Tresor von Mister Rockefeller. 
Er konnte allerdings nicht abstreiten, daß 
erlhren Schlupfwinkel kennt. Schließlich 
hatte Pinkus Meier mir regelmäßig die 
von Ihnen durchgesehenen Korrektur- 
abzüge in den Verlag gebracht. Aber er 
verschanzte sich hinter seinem Berufsge- 
heimnis und blieb hart.“ 


„Man soll es nicht für möglich hal- 
ten, wieviel brave Männer es auf 
diesem Planeten gibt“, grinste ich. 
„Kommen Sie zur Sache, Kyra. Dieses 
Telefongespräch werde ich dem Groß- 
khan bei passender Gelegenheit in 
Rechnung stellen. Was taten Sie also 
weiter ?“ 

„Oh...“ sagte die Alexandrowna 
harmlos. „Wie Sie wissen, pflegt Pinkus 
Meier Briefe und unbezahlte Rechnungen 
auf einen Kleiderhaken zu spießen. Als er 
sich am Eiskasten zu schaffen machte, 
blätterte ich seine Korrespondenz durch 
und fand eine verräterische Ansichts- 
postkarte...‘“ 

„Der Satan soll alle Ansichtskarten 
holen“, sagte ich mit Überzeugung. „Sie 
sollten den Beruf wechseln, Sie infame 
Schnüfflerin! Sie sollten ihr ehrbares Ge- 
werbe an den Nagel hängen und ein 
Detektivbüro aufmachen!“ 

„Apropos ‚an den Nagel hängen‘: 
nachdem sich herausgestellt hatte, daß 
die Geschichte vom braven Skilehrer 
einen Haken hat, wollten Sie doch eine 
druckreife Story daran aufhängen...“ 


„Lassen Sie mich in Ruhe mit der 
Isabel-West-Story“, sagte ich grimmig. 
„Erzählen Sie mir endlich, weshalb Sie 
mich hier aufgestört haben!“ 

„Der Großkhan hatte ein Gespräch 


NR.9 


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Rinnen muß der Schweiß - so ist es nun mal bei jeder Tanzveranstaltung. Wer ein lei- 





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denschaftlicher Tänzer ist, wird bestätigen, daß man nicht nur allein beim Rock n’ Roll 
ins Schwitzen gerät, sondern sich auch nach drei schnellen Walzern wie aus dem Was- 
ser gezogen fühlt. Und welcher Dame ist wohl bei dem Gedanken, daß die Schweiß- 

erlen auf ihrem Gesicht in ihrem tadellosen Make-up häßliche Rinnen hinterlassen? 

as alles kann in Zukunft nicht mehr passieren, wenn man — wie das junge Paar auf 
unserem Bild — diesen kleinen, handlichen, von einer Batterie gespeisten Apparat mit auf 
die Tanzfläche nimmt. „Jetzt macht das Tanzen noch mehr Spaß”, behaupten die bei- 
den und lassen sich von dem Ventilator kühle Luft über die erhitzten Gesichter fächeln. 


Gefährlicher Schne« 


mit dem Regisseur Petermann‘“, sagte 
Kyra orakelhaft. 

„Mit Petermann ?“ fragte ich. „Mit 
Petermann, der den ‚Pudel ohne Kern‘ 
gedreht hat und die ‚Ballade der ehr- 
baren Killer‘ ?“ 

„Jawohl“, sagte die Alexandrowna 
triumphierend. „Mit dem Avantgar- 
disten Petermann, der sich auch im 
Waldorf-Astoria weigerte, Rollkragen- 
pullover und Pfeife abzulegen...“ 

„Und was hat das alles mit mir zu 
tun ?“ fragte ich mißtrauisch. 

„Petermann will die Taminah-Story 
aus Ihrem ersten Sumatra-Buch ver- 
filmen. Er behauptet, die ‚Taminah‘ sei 
die Rolle für Delore!“ 

„Wer ist denn schon wieder Delore ?“ 
fragte ich ungeduldig. 

„Ach so...“, sagte die Alexandrowna 
mit süßer Bosheit. „Ich vergaß, daß sich 
der Meister vor der bösen Welt in 
ein romantisches Fischerdorf zurückge- 
zogen hat! Delore ist die neueste 
Favoritin von Petermann. Sie stammt 
von den Karibischen Inseln, war Foto- 
modell in Paris und...“ 

„Kyra“, sagte ich sanft belehrend. 
„Sumatra gehört nicht zu den Kara- 
bischen Inseln, und Taminah war eine 
waschechte Malaiin!“ 


„Als ob es beim Film darauf ankäme‘‘, 
sagte die Alexandrowna ärgerlich. 
„Interessiert es Sie gar nicht, von wel- 
chen Summen die Rede war? Petermann 
besteht nämlich darauf, daß Sie mit ihm 
zusammen das Drehbuch schreiben.“ 

„Wieviel?“ fragte ich nüchtern. 

Die Alexandrowna nannte eine Zahl, 
die mich hellhörig machte. 

„Nicht schlecht für den Anfang“, 
sagte ich. „Aber wenn ich in einer Woche 
nach München zurückkomme, ist es 
wohl immer noch zeitig genug.“ 

„Nein“, sagte Kyra entschieden. ‚Sie 


22 


müssen sofort kommen. Hören Sie, 
Kilian: sofor/! Delore hat nämlich auch 
andere Angebote, und Petermann ist 
launisch wie eine Primadonna. Wenn wir 
ihn nicht bei Stimmung halten, springt 
er womöglich wieder ab, und bei Ihrer 
Vorliebe für schottischen Whisky und 
andere kostspielige Dinge können Sie es 
sich nicht leisten, solche Summen einfach 
in den Kamin zu kritzeln!“ 


Durch die Glasscheibe der Telefon- 
zelle sah ich Kim Kolibri in ihren langen 
maisgelben Hosen an Attilio’s Bar 
sitzen. Sie hielt ihr Weinglas wie einen 
verfrorenen Sperling zwischen beiden 
Händen und baumelte mit dem linken 
Bein. 

Ich sagte: 


„In Ordnung, Großfürstin! Ich packe 
heute abend meine Nomadenkoffer und 
bin morgen abend in München. Ich rufe 
Sie sofort an.“ 


„Wir sollten gleich ein Meeting ver- 
einbaren“, sagte die vorsichtige Alex- 
androwna. „Sagen wir... morgen zwi- 
schen zo und 2ı Uhr in der griechischen 
Taverne? Ich bestelle einen Tisch und 
benachrichtige Petermann.“ 


„Ich höre förmlich das Zuschnappen 
der Handschellen“, sagte ich. „Sie sollen 
ihren Willen haben, Kyra: morgen 
abend in der griechischen Taverne!“ 


* 


Ich war ziemlich erschossen, als ich 
am nächsten Abend um 20.15 Uhr - ge- 
badet und umgezogen - die schwere Tür 
zur griechischen Taverne aufstieß. Ich 
war zehn Stunden ununterbrochen ge- 
fahren, hatte Kolibri und meinen Hund 
Mister Poker im Gartenhaus von Domi- 
nikus Köpf abgesetzt und bei mir eine 
Viertelstunde unter der kalten Brause 
verbracht, während die Klarinette von 


Monty Sunshine durch den Lautsprecher 
meine gesträubten Nerven streichelte. 

Dann hatte ich in meiner Puppen- 
küche, die von meiner Aufwartefrau, der 
alten Kvorka, auf Hochglanz poliert 
worden war, einen doppelten Mokka und 
zehn Minuten später bei Pinkus Meier 
einen doppelten Kognak getrunken. 

München ächzte unter einem italieni- 
schen Sommer. Nur hieß der Scirocco 
hier Föhn, aber dort wie hier verwandelte 
der heiße, böse Wind das Blut in 
Quecksilber, das Gehirn in ein aufge- 
weichtes Brötchen und biedere Familien- 
väter in reißende Wölfe. 

Um so wohltuender empfand ich die 
purpurne, von wildem Majoran durch- 
duftete Stille der kleinen griechischen 
Taverne. 

Die Alexandrowna saß in einem tabak- 
farbenen, sehr streng geschnittenen 
Kostüm aus Rohseide an einem der 
niedrigen Tische neben der Bar und 
blätterte in einem dicken Manuskript. 
Sie trug eine respekteinflößende Brille 
mit Schildpattumrandung, die ich noch 
nie an ihr gesehen hatte. Bei meinem 
Anblick ließ sie das Monstrum rasch in 
der Straußenledertasche verschwinden. 

„Die arbeitende Bevölkerung wird alt, 
während die Drohnen der Gesellschaft 
ihre Jugend in südlichen Fischerdörfern 
konservieren“, sagte sie mit einer kleinen 
Grimasse und reichte mir ihre wie immer 
makellos gepflegte Hand. „Fischerdörfer 
sind er vogue, nicht wahr, Meister ?“ 

„Sie sind falsch informiert, Groß- 
fürstin“, sagte ich, während ich mich vor- 
sichtig auf dem winzigen Sessel nieder- 
ließ und meine zu langen Beine unter 
dem niedrigen Tisch verankerte. „Die 
wahren Snobs machen Fußwanderungen 
durch den Harz. Im übrigen habe ich ge- 
arbeitet. Ich habe Ihnen regelmäßig die 
Korrekturabzüge zurückgeschickt.“ 

„Sie haben miserabel gearbeitet“, sagte 
Kyra und stellte den Aschenbecher auf 
das Manuskript. „Sie haben die lächer- 
lichsten Druckfehler großmütig über- 
sehen. Was ist mit Ihnen los? Sind Sie 
verliebt ?“ 

„Die Frage der Dame Großinquisitor 
wird als unsachlich zurückgewiesen“, 
sagte ich und bot Kyra eine Zigarette an. 
„Was trinken Sie? Ich trinke Retsina. Er 
schmeckt prachtvoll nach ungewasche- 
nen Waldberdeeren.“ 

„Sie sind doch ein Snob“, sagte Kyra. 
„Ich trinke einen schlichten Rose. Sagen 
Sie, Meister: über welche Qualitäten ver- 
fügt die kleine McGovern, daß Sie es so 
lange mit ihr aushalten ?“ 

„Wann kommt Petermann ?“ fragte 
ich. 

„Ich habe Sie etwas gefragt.“ 

„Ich auch.“ 

„Der Großkhan holt Petermann und 
Delore um neun Uhr im Atelier ab. — 
Was ist also mit der kleinen McGovern ?“ 

„Dann werden wir uns jetzt ein 
cypriotisches Hirtenessen bestellen“, sag- 
te ich heiter. 

„Entweder ist es zwischen Ihnen und 
der kleinen McGovern aus... oder sehr 
ernst‘, sagte die Alexandrowna halblaut 
und betrachtete die Glut an ihrer 
Zigarette. 

Man brachte den kleinen Kupferkessel, 
entzündete die lilablaue Flamme darunter 
und schmückte uns mit Kinderlätzchen 
aus rotem und gurkengrünem Leinen. 
Das Öl begann zu sieden, brodelte träge, 
und im Lautsprecher dudelte eine 
griechische Hirtenflöte. 

„Ihr Fleisch verbrennt“, sagte die 
ironische Stimme der Alexandrowna. 
Sie nahm den kleinen Holzspieß aus dem 
siedenden Ol und legte ihn mit einer 
übertrieben mütterlichen Gebärde auf 
meinen Teller. „Wenn Sie Petermann ge- 
nauso aufmerksam zuhören wie eben 
mir, dann sehe ich schwarz für den 
Taminah-Film!“ 

* 


Der Großkhan, Petermann und Delore 
kamen mit einiger Verspätung. Peter- 
mann trug den obligaten Rollkragen- 
pullover und baute sofort ein Sortiment 


von kostbaren englischen Pfeifen zwi- 
schen den Weingläsern auf. 

Delore wirkte wie eine ebenhölzerne 
Ausgabe der Orchidee Isabel. Sie trug 
ein raffiniert einfaches Kleid aus flaumi- 
ger, weißer Wolle, das ihre dunklen 
Arme freiließ. Ihre schönen, dummen 
Tieraugen hatten die Farbe griechischer 
Oliven. Sie gefiel mir nicht schlecht, weil 
sie ihren Mund hielt und sich damit be- 
gnügte, dekorativ zu wirken. 

„Sie sollten Kyra Alexandrowna in 
Ferien schicken“, sagte ich zu Dr. Tibor, 
der sich Auchend bemühte, seinen Wal- 
roßkörper in einem der winzigen Sessel 
unterzubringen. „Sie sieht erbärmlich 
schlecht aus und ist bösartig wie eine 
unterernährte Kobra.“ 

Der Großkhan fuhr sich mit allen zehn 
Fingern durch die weiße Mähne und sag- 
te mit einem breiten Brunnenspeier- 
lächeln: 

„Sie wissen genau, daß ich ohne Kyra 
ein toter Mann bin!“ 

„Das ist es ja“, sagte ich. 
Alexandrowna ist zu vollkommen!“ 

Kyra warf mir einen schwer deutbaren 
Seitenblick zu. Dann wandte sich das Ge- 
spräch dem Taminah-Film zu. 

Wir wurden verhältnismäßig schnell 
einig. Im sachlichen Gespräch erwies 
sich der versnobte Petermann als über- 
raschend vernünftig. 


Delore war im Rahmen dieser Unter- 
haltung so angenehm und unnütz wie 
eine teure Zierpflanze auf einem Geld- 
schrank. Auch als nach dem geschäft- 
lichen Teil die künstlerische Seite des 
Unternehmens Taminah und ihre eigene 
Rolle zur Sprache kamen, blieb sie 
indolent und zeigte nur hin und wieder 
lächelnd ihr prächtiges Raubtiergebiß. 

Kurz nach zehn Uhr gingen Petermann 
und Delore zu einer Cocktailparty beim 
Konsul irgendeines exotischen Zwerg- 
staates. Der Großkhan schloß sich ihnen 
nach kaum merklichem Zögern an. Er 
tätschelte Kyra die Wange und sagte mit 
seiner Patriarchenstimme, die viel zu 
groß für diesen Raum war: 

„Geh nicht zu spät ins Bett, Kindchen. 


Es genügt vollkommen, daß ich morgen 
einen Kater habe!“ 


„Die 


* 


Mir lag eigentlich nicht sehr viel daran, 
mit der Alexandrowna allein zu bleiben. 
Ich hatte mir vorgenommen, noch vor 
Mitternacht bei Dominikus Köpf vorbei- 
zufahren, um Mister Poker abzuholen 
und Kim Kolibri das Ergebnis des Ge- 
spräches mit Petermann mitzuteilen. 


Um die Unterhaltung von gefährlichen 
Zonen abzulenken, erzählte ich Kyra den 
weiteren Verlauf der Isabel-West-Story, 
erwähnte Kim Kolibris Rolle dabei aber 
mit keiner Silbe. 

Es wurde dann doch später, und als 
ich Kyra nach Mitternacht in meinen 
Wagen packte, fiel mir auf, daß die voll- 
kommene Alexandrowna nicht mehr 
ganz sicher auf den Beinen war. Sie 
hinkte stärker als gewöhnlich und hielt 
sich an meiner Schulter fest. 

Ich ließ den Motor warmlaufen, 
zündete zwei Zigaretten an und steckte 
Kyra eine davon zwischen die Lippen. 

Sie rauchte zu hastig, hustete und ver- 
schluckte sich. Ich sagte vorwurfsvoll: 

„sie rauchen zuviel, Kyra Alexan- 
drowna!“ 

„Natürlich“, sagte sie gereizt, neigte 
sich zur Seite und betrachtete ihr über- 
müdetes Gesicht im Rückspiegel. „Ich 
ernähre mich mühsam von englischen 
Zigaretten, schwarzem Kaffee, schlechten 
Manuskripten und einer idiotisch kleinen 
Hoffnung...“ 

Sie rollte das R noch stärker als sonst. 

„Im übrigen habe ich einen Schwips“, 
fuhr sie mühsam fort. „Vielleicht bin ich 
sogar völlig betrunken... Und habe zu 
allem Überfluß eine Laufmasche am 
linken Knie!“ 

Die Betonung, mit der sie das vor- 
brachte, mißfiel mir irgendwie. 

„Sie sollten bei dieser Hitze ohne 
Strümpfe gehen“, meinte ich gewollt 


NR.9 


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Was will der Ziegenbock bei den Hirschen? fragte sich erstaunt 
der Revierförster von St. Anton am Arlberg, als er eines Tages das brave 
Haustier (Pfeil) in einem Hirschrudel entdeckte. Der unwiderstehliche Herden- 
trieb hatte den Geißbock, nachdem er dem Bauern Gottlieb Scalet entlaufen 
war, gezwungen, sich dem Rudel anzuschließen. Denn Wiederkäuer und Her- 
dentiere sind todunglücklich, wenn sie allein leben müssen. Zwar sind Ziegen 
und Hirsche im zoologischen „System“ so weit auseinandergerückt, daß man 
nicht mehr von Vetternschaft reden kann. Aber die stolzen Hirsche nahmen 
den kleinen Ausreißer trotzdem in ihre große Tiergemeinschaft auf — wenn 
sie am Anfang auch etwas scheel auf das meckernde Haustier herabblickten. 


Nur die Liebe kann den ent- 
laufenen Geißbock zur Rückkehr 
in den heimatlichen Stall bewegen, 
denn er findet keine Partnerin, die 
wie er im Freien lebt. So wird er 
sich vielleicht im Frühling vor 
einem Geißenstall einfinden und 
meckernd Einlaß begehren. Bisher 
schlugen jedenfalls alle Versuche 
des alten Bauern (oben), den Aus- 
reißer einzufangen, fehl. Er rief 
und lockte, führte sogar die Mutter 
des Ausbrechers (links) in die Ber- 
ge — aber vergebens. Ja, als der 
Ausreißer den Rummel bemerkte, 
floh er in den Wald. Möglicherweise 
waren es Neugier oder Abenteuer- 
lust, die den Geißbock zur Stall- 
flucht verführten. Nun aber, da er 
die freie Luft der Wälder und Ber- 
ge genossen hat, will er seine Frei- 
heit behalten. Über ein Jahr lebt 
das Tier bereits in freier Wildbahn 
und erscheint mit den Rothirschen 
an der Fütterung. Es ist in Europa 
wohl ein einmaliger Fall, daß ein 
einzelnes artfremdes Tier in einem 
fremden Rudelaufgenommen wird. 





































Gefährt 


beiläufig und steuerte meinen Sport- 
wagen durch die nächtlich vereinsamte 
Straße. „Aber die vollkommene Lady 
Alexandrowna muß natürlich auch bei 
der größten Bullenhitze bestrumpft 
laufen.“ 

„Ich bin nicht vollkommen“, sagte 
die Alexandrowna mühsam und eigen- 
sinnig. „Ich bin vollkommen betrunken 
und habe eine Laufmasche am Knie!“ 
Und als ich nicht antwortete, fügte sie 
mit einem bitteren kleinen Auflachen 
hinzu: „Erinnern Sie sich nicht mehr an 
unser letztes Gespräch, bevor Sie nach 
Wildbühl fuhren ?“ 

„Kyra“, sagte ich so sanft wie mög- 
lich. „Ich erinnere mich genau. Ich sagte 
damals: an dem Tage, an dem ich den 
ersten Schönheitsfehler bei Ihnen ent- 
decke, werde ich Ihnen einen Heirats- 
antrag machen!“ 

„Und wenn es nur eine Laufmasche 
wäre...“ ergänzte die Alexandrowna 
und drückte ihre halbgerauchte Ziga- 
rette im Aschenbecher aus. „Aber das 
ist lange her, nicht wahr, großer Mei- 
ster ?““ 

Ich fuhr den Wagen an den Randstein 
und hielt mit einem Ruck an. 

„Kyra Alexandrowna“, sagte ich und 
streichelte ihre schmalen weißen Balle- 
rinenhände. ‚Ich bin ein ziemlich wider- 
wärtiger alter Landstreicher. Sie sollten 
dem lieben Gott auf den Knien danken, 
daß ich Ihnen keinen Heiratsantrag 
mache!“ 

„Aber der kleinen McGovern muten 
Sie ein Leben neben einem widerwärtigen 
alten Landstreicher zu. Ihre Logik ist 
haarsträubend.‘“‘ 


„Ich bringe Sie jetzt nach Hause“, 
sagte ich ein bißchen verzweifelt. 


„Nein“, sagte die Alexandrowna und 
öffnete den Wagenschlag. „Ich gehe zu 
Fuß nach Hause. Ich habe nämlich er- 
bärmliche Angst, Sie könnten eine 
verrückte beschwipste alte Dame mit- 
leidig auf die Stirn küssen.“ 

„Steigen Sie sofort wieder ein, Kyra 
Alexandrowna!“ 

Sie schüttelte den Kopf undstrichihren 
Rock glatt. 


„Ich sehe ein“, sagte sie mit ihrer ge- 
wohnten Ironie, „daß die alte Dame zu 
betrunken ist, um zu Fuß nach Hause zu 
hinken. Da drüben steht ein Taxi. Gute 
Nacht, Meister! Und tun Sie mir einen 
Gefallen: vergessen Sie das betrunkene 
Geschwätz einer alten Dame. Und 
grüßen Sie die kleine McGovern von 
mir.‘ 

„Gute Nacht , Kyra! Sie sind...“ 

„Keine Plattitüden, Meister‘, lächelte 
die Alexandrowna müde und winkte mit 
ihrem weißen Handschuh. ‚Ich hasse 
Plattitüden.‘“ i 

Dann hinkte sie rasch über den Kur- 
fürstenplatz und stieg in das Taxi auf der 
anderen Seite. 





* 


In den nächsten Wochen hatte ich 
wenig Zeit für Kolibri. Ich schrieb mit 
Petermann gemeinsam das Drehbuch 
zum Taminah-Film, und Kim Kolibri 
arbeitete im Gartenhaus von Dominikus 
Köpf an Illustrationen für die Weih- 
nachtsgeschichten von Dickens. 


Im Herbst begannen die Dreharbeiten, 
und für Ende Oktober waren Außenauf- 
nahmen auf Martinique angesetzt. 


Die Arbeit mit Petermann machte mir, 
abgesehen von seinen gelegentlichen 
Vulkanausbrüchen, großen Spaß. Die 
ebenhölzerne Delore offenbarte sich als 
echtes Naturtalent und war bemerkens- 
wert frei von Starallüren. 

Die Orchidee Isabel, die mit ihrem 
unseligen Skilehrer-Gemahl Anderl wahr- 
scheinlich längst in Chikago gelandet 
war, beschäftigte mich schon längst 
nicht mehr. Da auch Kim Kolibri sich 
aus begreiflichem Aberglauben scheute, 
ihren Namen noch einmal zu erwähnen, 


cher Schnee 


hätte ich Isabel vielleicht vollständig 
vergessen, wenn mir nicht eines Tages, 
Anfang Oktober, die kleine Bertl Pro- 
haska aus Wildbühl über den Weg ge- 
laufen wäre. Bertl, die immer noch ihrem 
Ex-Verlobten Anderl Feller nachtrauerte. 


München hatte eineneinmalig schönen, 
lodernden Oktober. Im verwilderten 
Garten von Dominikus Köpf blühten 
rostrote Herbstastern. Der Gartenzwerg 
stemmte seinen Schubkarren durch das 
modernde Laub der Trauerbuche, der 
Ahorn schneite altgoldene Riesensterne 
auf Mister Poker, der in der Oktober- 
sonne döste, und das Gartenhaus und die 
Ruine der Prunkvilla waren überflammt 
von wildem Wein. 

„Sweet sadness“, sagte Kim Kolibri, 
die in Cordsamthose und Seemannspul- 
lover, das weiße Tonpfeifchen zwischen 
den Zähnen, auf einem Klappstuhl an 
der Südwand des Gartenhauses saß und 
einen Rosenstock auf ein Stück Lein- 
wand pinselte. „Süße Schwermut... das 
ist es, Zauberer! Wenn ein Jahr so leuch- 
tend in die Grube fährt, meine ich immer, 
dies wäre der letzte Herbst, den ich er- 
leben darf!“ 


„So etwas darfst du nicht sagen, 
Kolibri‘, sagte ich streng und verglich 
den echten Rosenstock mit seinem ge- 
malten Abbild. Wie zerfetzte blutrote 
Vögel hingen die letzten Rosen auf der 
Leinwand im nackten, schwarzen Dorn- 
gestrüpp. 

Sweet sadness. 

„Schenkst du mir den süß-traurigen 
Rosenstock, wenn er fertig ist, Kolibri ?“ 


„Zu Weihnachten?“ fragte Kim 
McGovern und musterte ihr Werk mit 
kritisch verengten Augen. „Wirst du zu 
Weihnachten aus Martinique zurück 
sein?“ 

„Ganz sicher. Im Grunde werde ich 
bei den Außenaufnahmen ziemlich über- 
flüssig sein. Petermann hat mich zwar 
feierlich zum zweiten Regieassistenten 
ernannt, aber im Grunde duldet man 
mich mehr, als daß man mich braucht.“ 


„Warum fliegst du dann mit?‘ fragte 
Kolibri und klopfte das Pfeifchen an der 
Staffelei aus. 


„Die alte Nomadenkrankheit‘, sagte 
ich. „Und weil es außerdem so hübsch 
ist, wiederzukommen und den kupfernen 
Schopf von Kim Kolibri im Menschen- 
gewimmel am Flugplatz zu erkennen.“ 

„Hm...“ machte Kolibri und gab dem, 
gemalten Rosenstock noch einen Tupfen 
wundes Rot. „Aber Weihnachten muß 
der große Nomade im Gartenhaus von 
Dominikus Köpf feiern. Wir werden 
Äpfel auf dem grünen Kachelofen 
braten... Wir werden Pfeffernüsse nach 
dem Rezept meiner Mutter Mary 
McGovern backen, Walnüsse vergolden 
und... Warum schaust du auf die Uhr, 
Zauberer ?“ 


„Weil ich um fünf Uhr mit Petermann 
und irgendeinem dicken Filmonkel ver- 
abredet bin“, sagte ich und gab Kolibri 
einen Kuß hinter das linke Ohr. „Es 
kann spät werden.“ 

„Ich weiß‘, sagte Kolibri und krauste 
die Nase. 


Ich fuhr zum Hotel, wo ich mit 
Petermann und dem dicken Filmboß an 
der Bar verabredet war. Im Vestibül 
stellte ich mit einem Blick auf die Uhr 
und einem anderen Blick in den goldge- 
rahmten Empirespiegel fest, daß ich noch 
zwanzig Minuten Zeit hatte und überdies 
dringend einen Haarschitt brauchte. 

Ich begab mich also durch die Glastür 
in das von lauem Treibhausparfüm ge- 
schwängerte Reich des Hotelfriseurs, 
setzte mich auf ein dekadentes Bieder- 
meierstühlchen und blätterte gelangweilt 
in einem mondänen Journal. Von dem 
Glanzfoto einer farbenprächtigen Par- 
forcejagd aufblickend, sah ich ein Profil, 
das mir bekannt vorkam. 


„Bertl Prohaska““, sagte ich überrascht 


NR.9 





Jetzt ist er da! | 
Der Elefantenschuh T3 
voll-elastisch - roll-elastisch 


Innen ideal und außen schön 


Es ist der Schuh, der Ihrem Kind gefällt, und der zugleich der Fuß- 
gesundheit dient wie nie zuvor: Der voll-elastisch - roll-elastische 
Elefantenschuh T3 — unser bester Schuh seit eh und je! Ärzte 
empfehlen ihn, weil er naturgetreu dem kindlichen Fuß angepaßt 
ist - durch drei ganz neuartige Vorzüge: 








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für die Zehen, die sich natur- 
gemäß bei jedem Auftreten 

nach vorn schieben. 

@ Kein Anstoßen der Zehen mehr! 
@ Der Fuß wächst unbehindert 

in die nächste Größe hinein. 
Elefantenschuhe T 3 behalten 

die Form — und passen wirklich! 


Neu - die naturgetreue 
plastische Fußbettung! 


@ sie garantiert sicheres Stehen 
und kraftvolles Auftreten, 

@ elastisches Gehen und unbe- 
kümmertes Laufen und Springen 
® und die völlige Entspannung 
des ruhenden Fußes! Die 
Fußbettung im Elefantenschuh T3 
ist der kindlichen Fußsohle 
naturgetreu nachgeformt. 


Neu - voll-elastisch - roll-elastisch 
durch ein neuartiges Gelenk-System: 
@ diagonal-elastische Sohle 

@ voll-biegsam im Schuhgelenk 

® rollt im natürlichen Rhythmus ab! 
Ihr Kind geht, wie die Natur es 
vorschreibt: leicht, anmutig, 

elastisch — ganz sicher und gesichert 
im voll- und roll-elastischen 
Elefantenschuh T3. 





KinderfüßevaudbrELEFANTEN-Schuhe 3 


voll-elastisch - roll- elastisch 


Fartenfrisch eingemacht! Gefährlicher Schnee 


Es schmeckt gut, das Helvetia Apfelmus! Denn bei Helvetia werden und stand so hastig auf, daß das Bieder- 
meierstühlchen umkippte. 


die besten Apfelsorten genau im richtigen Reifegrad gartenfrisch Bertl wollte gerade durch die Vor- 


: ; ; Fr hangfalten in di bteil hlüp- 
eingemacht. Helvetia erspart Ihnen die Auswahl und fen. Sie inhe Barum, Mehcler ec torkin 
die ganze Zubereitung der Früchte. Ohne Abfall und ee ee 


und ein wenig zu schmal im veilchen- 
farbenen Seidenkittel. 


ohne Mühe haben Sie stets Ihr „Eingemachtes“ griff- 
„Mein Gott, Claude Kilian!“ sagte 


bereit. Es lohnt sich deshalb nach Helvetia zu fragen. ME . u: 
) sie und wurde wie immer rot, als ich ihr 
"N. die Hand küßte. 

„Warum hast du nicht bei mir ange- 
rufen und erzählt, daß du in München 
bist?“ fragte ich vorwurfsvoll. 

„Iehbinnochnichtlange in München“, 
sagte Bertl und wurde noch röter. 

„Du bist viel zu dünn geworden, 
Bertl!“ 

Sie hob die Schultern und schob die 
Hände verlegen in die Taschen des 
veilchenfarbenen Kittels. „Hast du etwas 
von Anderl gehört?“ fragte sie rasch 
und halblaut. Sie war jetzt wieder ganz 
blaß und hatte nur zwei kreisrunde, 
krankhaft rote Flecken auf den Wangen. 


„Eine ganze Menge und gar nichts“, 
sagte ich ausweichend. „Wenn du mich 
besuchst, erzähle ich dir mehr. Es klingt 
verdammt abgedroschen, Bertl, aber ich 
finde, du solltest einen dicken Strich 
unter das Kapitel Anderl Feller machen!“ 

„Natürlich sollte ich das‘, sagte sie in 
ihrem harten Deutsch, dem immer noch 
ein unverkennbar siebenbürgischer Ak- 
zent anhaftete. „Wie geht es ihm?“ 

„Ehrlich gesagt: ich weiß es nicht.“ 

Der Hotel-Figaro mit dem eleganten 
Menjou-Bärtchen machte eine einladend 
fragende Geste zu mir hin. 

„Rufe mich an, Bertl“, sagte ich und 
kritzelte meine Telefonnummer auf eine 
leere Zigarettenschachtel. „Möglichst 
bald, weil ich Ende Oktober für einen 
Monat verreisen muß.“ 

Bertl nickte ernst, schob die Schachtel 
in die Tasche und verschwand hinter 
einem grüngolden gestreiften Vorhang. 





* 


Das unerwartete Wiedersehen mit der 
kleinen Bertl Prohaska beschäftigte mich 
immer noch, als ich am Abend nach dem 
Bargespräch mit Petermann und dem 
dicken Filmboß wieder zum Gartenhaus 
von Dominikus Köpf fuhr. 

„Es ist etwas entsetzlich Aufregendes 
passiert!“ rief Kim McGovern und fiel 
mir vom Kachelofen wie ein reiter Apfel 
in die Arme. Sie war so außer sich, daß 
ich gar nicht dazu kam, ihr von meiner 
Begegnung mit Bertl Prohaska zu er- 
zählen. „Josh hat aus Chicago ge- 
schrieben! Er hat... nein, du mußt es 
selbst lesen, sonst bringe ich alles 
durcheinander.“ 

Kolibri lief auf Strümpfen zum Zei- 
chentisch, kam zurück und drückte mir 
ein paar Blätter dünnes Luftpostpapier, 
eng mit der Maschine beschrieben, in die 
Hand. 

Ich setzte mich in den alten Ledersessel 
und begann zu lesen. 

Was der kleine Dr. Joshua Zucker, 
Isabels Leibarzt und zugleich unser ,„‚Kon- 
taktmann“, aus Chikago schrieb, war tat- 
sächlich einigermaßen aufregend und 
klang eigentlich sogar ein bißchen un- 
wahrscheinlich. 

Nach dem Tod des alten Donald 
West hatte Isabel fast das gesamte 
Mobiliar des Hauses am Lincoln-Park 
teils an einen Trödler verhökert, teils 
auf den Speicher schaffen lassen. Sie 
hatte das Haus mit modernen Stahlrohr- 
möbeln nach ihrem Geschmack einge- 
richtet und nur das Zimmer von Josh 
unangetastet gelassen. 

„Ich besitze da einen alten Pionier-Schau- 
kelstuhl“, schrieb Josh, „den meine drei 
Katzen und ich zärtlich lieben. Dieser Schau- 
kelstuhl brach nun neulich sanft unter meinem 
Gewicht zusammen. Mose, unser Neger- 
HELVETIA AG. GROSS-GERAU : EINGEMACHTES GEMÜSE UND OBST - DELIKATESS-GURKEN UND WEINSAUERKRAUT : KONFITÜREN UND MARMELADEN | ee 


NR.9 


Schaukelstuhl von Donald West stünde. Und 
auf dem Speicher fand ich nicht nur einen 
prachtvollen Schaukelstuhl, sondern auch noch 
den Schreibtisch von Donald West. In einer 
Anwandlung von Sentimentalität ließ ich 
beide Stücke vom Speicher in mein Zimmer 
transportieren...“ 

Im Schreibtisch des alten Donald 
West hatte Josh dann ein Geheimfach 
entdeckt und darin ein nie bekanntge- 
wordenes Zusatztestament. Es war juri- 
tisch einwandfrei abgefaßt, aber nicht 
notariell beglaubigt. In diesem Testa- 
ment vermachte Donald West der Lehre- 
rin Mary McGovern eine nicht unbe- 
trächtliche Summe. 

„Ich dachte, so etwas kommt nur in 
Romanen vor“, sagte ich kopfschüttelnd 
und las weiter. 

Obwohl das bewußte Zusatztestament, 
wie gesagt, nicht beglaubigt war, hatte 
Isabel West es in einem Anfall von Groß- 
mut anerkannt. Und nun folgte ein 
Passus, den ich zweimal las und trotzdem 
unverständlich fand: 

„Isabel hat eine Bedingung daran geknüpft“, 
schrieb Josh. „Size besteht darauf, daß Dn, 
kleine MecGovern, persönlich nach Chikago 
kommst, um Deinen Anspruch auf diese Erb- 
schaft geltend zu machen. Ich habe meine 
eigenen Gedanken über diesen Anfall schwe- 


Josh als Verbündeten. Und wenn der 
bewußte Pferdefuß dir wirklich ernst- 
hafte Schwierigkeiten machen sollte, 
komme ich eben nach.“ 

* 

Am ı3. Oktober brachte ich Kim 
McGovern zum Flughafen. 

„Vergiß das Kabel nicht“, sagte ich 
und gab ihr einen Kuß auf die Nase. 
Als ich sie dann inihrem weiten Kapuzen- 
mantel aus ingwerfarbenem Tweed und 
dem kleinen, moosgrünen Wildererhut 
durch die Glaswand zwischen schreck- 
lich vielen fremden Leuten im Transit- 
raum stehen sah, ganz nah und doch 
schon unwirklich entrückt wie eine Er- 
innerung, wurde mir die Kehle sonder- 
bar eng. 

Mein Hund Jonny Poker jammerte 
neben mir wie ein zahnendes Baby. Er 
stellte sichauf die Hinterbeine und kratzte 
an der Glasscheibe. 

Dann wanderte Kolibri wie ein trau- 
riges kleines Schaf in einer fremden 
Herde mit den anderen Passagieren über 
das Flugfeld hinter einer langbeinigen 
Stewardess her. An der Gangway wandte 
sie sich noch einmal um, riß den grünen 
Wildererhut vom kupfernen Schopf und 
schwenkte ihn heftig in der Luft. Sie sah 
erbarmungswürdig klein und verloren 


„Er ist wirklich einer unserer fähigsten Aufseher!“ 





sterlicher Sehnsucht, möchte mich aber lieber 
‚jeden Kommentars enthalten. Ich erwarte jeden- 
falls das Telegramm mit Deiner Zustimmung 
und schicke Dir dann sofort das Flugticket““ 

„Eines ist klar“, sagte Kolibri und 
stützte ihr glühendes Gesicht auf beide 
Fäuste. „Unter dem Mantel schwester- 
licher Liebe ist der zierliche Pferdefuß 
von Isabel versteckt. Was aber will sie 
wirklich, Zauberer ?“ . 

„Keine Ahnung“, sagte ich und faltete 
die knisternden Blätter zusammen. Ich 
hatte zwar auch eine Idee über den voll- 
endet pedikürten Pferdefuß der Orchidee, 
aber diese Idee war so vage und hatte 
außerdem einen so penetranten Bei- 
geschmack von Selbstüberschätzung, daß 
ich es vorzog, sie unerwähnt zu lassen. 

„Komm mit nach Chikago“, sagte 
Kim Kolibri plötzlich und schob ihre 
kleine Hand zwischen meine Finger. 

„Aber Kolibri“, sagte ich. „Erstens 
bin ich kein Krösus, und zweitens muß 
ich demnächst nach Martinique.‘ 

„Erstens könnte ich dir das Geld für 
den Flug nach Chikago wiedergeben, so- 
bald Isabel das Erbteil von Mary McGo- 
vern herausgerückt hat“, sagte Kolibri 
eifrig, „und zweitens hast du selbst zuge- 
geben, daß man dich bei den Außenauf- 
nahmen auf Martinique ohne weiteres 
entbehren könnte!“ 

„Du hast doch nicht etwa Angst vor 
dem Pferdefuß ?“ 

„Doch!“ sagte Kolibri schlicht. „Ich 
habe Angst. Es kommt mir alles so un- 
wahrscheinlich vor... Mir wäre viel 
wohler in der Haut, wenn du mitkämst!“ 


„Du fliegst allein“, sagte ich bestimmt. 
„Und du kabelst mir sofort, wenn du 
angekommen bist. Schließlich hast du ja 


NR. 9 


aus neben dem blaßsilbernen Riesen- 
vogel. 

Ich drehte mich auf dem’ Absatz um, 
lud den verstörten Mister Poker wie 
einen jungen Hammel aufmeinen Nacken 
und durchquerte die geschäftig summen- 
de Halle, verfolgt von einer blechernen 
Roboterstimme, die durch den Laut- 
sprecher gerade den planmäßigen Start 
von Kim Kolibris Maschine bekanntgab. 

Auf dem Parkplatz wartete mein alter 
Sportwagen, Philip der Große, geduldig 
zwischen dicken Repräsentations-Li- 
mousinen und biederen Lieferwagen. Ein 
großer Zettel hing an der Windschutz- 
scheibe, auf den jemand mit Buntstift 
und schiefen Druckbuchstaben gemalt 
hatte: 

„Dreimal täglich an Kolibri denken. 
Mindestens!“ 

* 

Als ich nach sieben viel zu langen 
Tagen noch immer kein Telegramm von 
Kolibri hatte, wurde ich unruhig. 

„Werden Sie doch nicht hysterisch, 
Meister“, sagte die Alexandrowna unge- 
rührt. „In Chikago hat man den Gang- 
stern längst die Zähne gezogen. Und 
Kannibalen gibt es dort meines Wissens 
auch nicht mehr!“ 

„Doch!“ sagte ich grimmig und dachte 
an die Orchidee Isabel. Mir war flau vor 
Angst um das Mädchen Kim McGovern. 

„Dann würde ich von hier aus kabeln““, 
schlug Kyra vor. 

„Kim hat doch vergessen, mir die 
Adresse dazulassen!‘ schrie ich wütend. 
„Und wenn Sie mich für meschugge hal- 
ten, Kyra Alexandrowna: ich fliege nach 
Chikago... morgen... übermorgen... so- 
bald ein Platz frei ist!“ (Fortsetzung folgt) 





Paula 


zaubert 

















Prwonchi 
@ Paste reichlich auftragen und 
über Fleckenrand hinaus gut ver- 
reiben. Tube sofort wieder ver- 
schließen. Trocknen lassen, bis 
die Paste ganz weiß und staub- 
trocken ist. 
© Abbürsten — und weg ist der 
Fleck! Bei hartnäckigen Flecken 
kannBehandlungruhigwiederholt 
werden. Die Textilfaser wird dabei 
überhaupt nicht angegriffen. 





nn 9 


Fa 612 


w. 







di ie neue Fleckenpaste aus dem UHU-Werk 





Wunderbar - diese neue Fleckenpaste 
aus dem UHU-Werk! Alle fetthaltigen 
Flecken verschwinden spurlos aus dem 
Gewebe. Diese Mischung aus Lösungs- 
mitteln, Reinigungssubstanzen und Pig- 
mentstoffen wirkt wirklich ideal! 


Keine Sorge um Nylon, 
PERLON, Dralon und Trevira! 


Auch moderne Kunstfasergewebe wer- 
den mit Paula schonend entfleckt. Auch 
hier bleiben keine Ränder. Auch hier 
kann die Behandlung bei hartnäckigen 
Flecken unbesorgt wiederholt werden. 
Ob zu Hause oder auf Reisen — auf 
Flecken-Paula ist eben Verlaß. 













Je frischer ein Fleck, desto leichter läßt er sich entfernen, nur 
trocken muß er sein. Bitte, beachten Sie auch die Gebrauchs- 
anweisung in der Packung. Dann hilft Flecken-Paula schnell. 





27 


28 





Allgäu-frisch 
auf Ihren Tisch 


Wo es ums Essen geht, ist das Natürliche immer das 
Richtige. Auch beim ADLER-Käse-Creme. Nach 

fein abgestimmter Mischung von edlem Feinkäse, 

viel guter Butter und Allgäuer Frischsahne beginnt 
als letzte natürliche Veredelung die hundertprozentige 
Verbindung in einem Spezialverfahren ohne 

jeden weiteren Zusatz. Daher die wunderbare 
Geschmacksfülle, daher der zarte Butterglanz! Man 
sieht’s, man schmeckt’s: ADLER-Käse-Creme ist 


und bleibt etwas ganz Besonderes! 


ADLER 


NEERBSNT: 


NETTE 








enn man in Eile ist, kann man 

den Bahnhof vom Konzert- 

haus in fünfzehn Minuten erreichen. 

Man geht über den Neumarkt durch die 

Böttgergasse und dann die Bahnhof- 

straße hinunter. Wenn man jedoch nicht 

in Eile ist, führt auch ein Weg durch den 
idyllischen Amselgrund. 


Robert und Micheline waren nicht in 
Eile. 

Micheline trug einen schwingenden 
Faltenrock und eine durchbrochene 
lichtblaue Bluse unter einem Bolerojäck- 
chen. Eigentlich war sie für die Jahreszeit 
zu leicht angezogen, und es wäre gut 
gewesen, Robert hätte seinen Arm um 
ihre Schultern gelegt. Sie hätte absolut 
nichts dagegen gehabt. Aber Robert.. 
Du lieber Gott: Robert! 


Über dem dunklen Gewölk der Erlen- 


büsche stand der Mond und schien auf 


die beiden herabzuschauen. Der Mühl- 
bach rauschte unter der kleinen Brücke 
am Knüppelholz, und von den Blättern 
der Zitterpappeln tropfte das Licht wie 
Nüssiges Silber. Robert ging schweigend 
neben dem Mädchen her. Er hätte gerne 
etwas gesprochen, aber was konnte er 
schon sagen, da Micheline neben ihm 
war! 


Das Klavierkonzert der jungen, bild- 
schönen Pianistin Olga Lyskaja war für 
die beiden jungen Leute ein ganz be- 
sonderes Erlebnis gewesen. Mit glühen- 
den Wangen hatte Micheline dem Spiel 
der Künstlerin gelauscht. Auch Robert 
war ganz ergriffen gewesen vom Zauber 
der Musik, undals sich Michelines kleine 
Hand über seine Rechte geschoben hat- 
te, war er keinen Augenblick auf den 
Gedanken gekommen, das etwa als Lieb- 
kosung auszulegen. Es war die Musik, so 
hatte er gedacht, die Musik der Lyskaja — 
sonst gar nichts! 


Für ihn war Micheline eben Micheline. 
Sie war wie die Sterne, die man bestau- 
nen, aber nie berühren konnte. 

„Esistkühl“, sagte Micheline und häng- 
te sich leicht bei Robert ein. Er spürte die 
Wärme ihrer Haut durch den Stoff seines 
Sakkos und dachte, daß es besser sei, 
Micheline nie wieder zu treffen. 


* 


Die Abteile des Vorortzuges waren 
überfüllt. Robert stand eingekeilt am 
Fenster, während Micheline einen Platz 
neben ihm erwischt hatte. Auf dem 
Nebengleis lief eben der Fern-D-Zug 
nach Paris ein. Robert blickte in die 
dunkelblauen Polster eines 1.-Klasse- 
Abteils, das eben belegt wurde. Jetzt trat 
jemand ans Fenster. Robert schien seinen 
Augen kaum zu trauen, denn die Dame, 
die zu ihm herüberzublicken schien, war 
keine andere als die bekannte Pianistin 
Olga Lyskaja, deren Spiel er noch vor 
kurzem bewundert hatte. Robert beugte 
sich zu Micheline hinab und berichtete 
ihr aufgeregt von seiner Entdeckung. 
Beide starrten nun gebannt in das Luxus- 
abteil des Fernzuges und verfolgten 
jede Bewegung der Künstlerin. Robert 
schien es, als ob die Lyskaja unver- 
wandt zu ihm herüberblicke. Aber war 
so etwas denn möglich? Er glaubte es 
nicht. Er schloß seine Augen, um lang- 
sam bis zehn zu zählen. Als er wieder 
aufsah, war der Herr, der mit der jungen 
Pianistin das Abteil betreten hatte, auf 
einen Eckplatz gerutscht, und man 
konnte ihn jetzt nicht mehr schen. Die 
Künstlerin aber schaute noch immer zu 
ihm herüber. Ja, sie lächelte sogar ein 
wenig. Robert schluckte schwer. Woher 
er den Mut nahm, ihr zuzunicken, wußte 
er selber nicht. Und das Unfaßliche ge- 
schah! Die Lyskaja nickte zurück, und 
ihre Finger huschten verspielt über die 


NR. 9 


Robert sah gebannt zu der jungen 
Künstlerin hinüber. Sie schien ihm 
zuzulächeln. Zeichnung Heuer 


Scheibe. Dann ließ sie die Hände fallen 
und schüttelte fast unmerklich den Kopf. 
Es war etwas Resignierendes in diesen 
Bewegungen. Robert verstand sie. Die 
Künstlerin bedauerte, daß zwei Fenster 
sie voneinander trennten — ihn und sie. 
Er verstand es, aber begriff es nicht wie 
es möglich war, möglich sein konnte! 


Die Züge standen gut zehn Minuten 
nebeneinander, und die ganze Zeit über 
hielten die Augen der Lyskaja ihn fest. 
Und ab und zu nickte sie wieder, lächelte 
sie wieder zu ihm herüber. 

Hatte Micheline eigentlich von dem 
allem etwas bemerkt? Natürlich, sie 
mußte es bemerkt haben! Jetzt ruckte 
der D-Zug an. Im Anfahren erhaschte 
Robert noch ein letztes trauriges Kopf- 
schütteln, und dann war alles vorüber. 
Nur Micheline, die ihren Kopf an Roberts 
Arm gelegt hatte, blieb. Robert - immer 
noch fassungslos von dem Wunder, das 
ihm widerfahren war — wagte es, vor- 
sichtig Michelines Wange zu streicheln, 
sehr zaghaft wie aus Versehen. Er wagte 
es schüchtern und unbeholfen. Erst als 
ihm bewußt wurde, wie unbequem Mi- 
cheline sitzen mußte, um ihm nahe zu 
sein, schloß er beglückt die Augen. Mi- 
cheline, dachte er, meine liebe Micheline! 


* 


Zur gleichen Zeit aber, als zwei junge 
Menschen im Vorortzug zueinander fan- 
den, drehte sich die Lyskaja zu ihrem Be- 
gleiter um. 

„Zum tausendstenmal: Nein!“ sagte 
sie nervös und preßte die Lippen zu- 
sammen. „Ich wünsche nicht, daß es die 
Öffentlichkeit erfährt, ich möchte als 
Künstlerin anerkannt werden und nur 
als Künstlerin - nicht aus Mitleid. Außer- 
dem stimmt es nicht, daß ich ganz er- 
blindet bin —- nur nahezu!“ 


Stankfurter NR.9 


), 
9 





Kostbarer Duft 
erfrischender Schaum 
mild - zart - pflegend 


...daß das für 50 Pfennig möglich ist! 





113/60 Ae F Schw 





Tagebuch einer verlorenen Generation - Von Ursula Schanke 





entzauberften 





ARE £: 
BR. Br, 
Auf dem Bahnhof kamen di 
riesigen Taschenlampen an. In diesem 
Augenblick warf Klaus unsere Tasche 
durch das Fenster auf das dunkle Gleis. 
Zeichnung Heuer 


CopyrightbyF.P.A. Ferenczy K.G., München 
D: waren wirin der Küche. Ich 


kletterte auf den Schrank und 

warf Klaus die Kaffeesäckchen hinunter. 
Es waren fünf Leinensäcke. 

Ich nahm noch ein paar Büchsen mit 
und einen großen Block Schokolade. 

Ricki hockte währenddessen immer 
noch an der Mauer. 

„Die Amis schlafen aber doll fest“, 


flüsterte er, als wir wieder in unserem :: 


Garten waren. 

„Du wärest bestimmt wach gewor- 
den“, sagte Klaus zu Ricki. 

„Na gut, daß die so einen festen Schlaf 
haben“, sagte ich. 

In den Büchsen war Corned Beef. Wir 
machten zwei davon auf und wärmten 
das Fleisch auf einem Feuer, das wir in 
unserer Hofecke anzündeten. 

Ricki hatte schon so viel Schokolade 
gegessen, daß er von dem Fleisch nichts 
mehr mochte. 

„Ich will immer nur Schokolade 
essen“, sagte er. Er rieb sich müde die 


30 


e Polizisten @ | 
in den Wagen. Sie leuchteten uns mit 


Augen. „Wenn ich ganz 
ich nur noch Schokolade.“ 

Er kuschelte seinen Kopf in meinen 
Schoß und schlief ein. Ich deckte ihn mit 
meiner Jacke zu. 


groß bin, esse 


„Wo ist der Dank?” 


„Es war ein Amerikaner hier, der 
nach dir gefragt hat‘‘, sagte meine Tante. 

Ich legte das Brot auf den Tisch. 
Meine Tante nahm das Brotmesser aus 
der Schublade und begann, das Brot in 
Scheiben zu schneiden. Der Teig blieb in 
nassen Flocken am Messer kleben. 

„Was wollte der Amerikaner ?“ 

„Ich weiß nicht. Er fragte nach dir. Er 
sagte, er heißt John.“ 

„John? — John ist doch nicht mehr 
hier ?“ 

„Er hatte eine Reisetasche bei sich“, 
sagte meine Tante. 

Sie legte das Brot auf einen Teller. Ich 
ging zum Waschtisch und goß Wasser 
aus der Kanne in die Schüssel. Ich wusch 
mein Gesicht. 






„Hat er gesagt, er kommt noch einmal 
vorbei ?“ fragte ich. 

„Ich habe nicht mehr verstanden, als 
daß er dich sehen wollte‘, sagte meine 
Tante mit vollem Mund. 

Ich zog meine Jacke aus und wusch 
mir die Arme. Es war schwül, und meine 
Haut fühlte sich feucht an. Ich ging zum 
Schrank. Ich suchte meinen Pullover. 

„Hast du meinen Pullover gesehen ?“ 
fragte ich. 

„Deinen Pullover?“ Tante Emmys 
Stimme war noch immer undeutlich. 
„Ich habe gedacht, du brauchst ihn nicht 
mehr.“ 

Mein Hals war plötzlich eng. „Was 
hast du damit gemacht ?“ 

„Ich dachte, er ist dir zu klein. Ich 
habe ihn aufgezogen. Ich will Ricki 
Strümpfe stricken.“ 

„So, du hast gedacht, ich brauche ihn 
nicht mehr. Willst du mir sagen, was ich 
jetzt anziehen soll?“ 

Außer dem Pullover besaß ich nur 
eine Bluse, die ich mir aus einem Hemd 





' Klaus war 15, Karin 13 und 
‚ Ricki 5 Jahre alt, als bei einem 
Bombenangriff die Mutter ums 
Leben kam. Der Vater vermißt, 
vielleicht tot. Die Kinder be- 
gannen ihr eigenes Leben in 
den Ruinen ihrer Großstadt- 
straße, bis eines Tages Tante 
Emmy auftauchte, die eben- 
falls ausgebombt wurde. Sie 
ersetzt den Kindern nicht die 
Mutter, läßt sich von den bei- 
den älteren Kindern miternäh- 
ren und trägt große Schuld an 
‘dem, was weiter geschieht. In 
einem Zimmer zu viert über- 
stehen sie das Kriegsende, 
aber das Leben wird deshalb 
nicht leichter. Der Schwarz- 
markt blüht und vergiftet die 
Kinderherzen endgültig. Eines 
Tages wagen sie sogar ge- 
meinsam den Einbruch bei 
einer amerikanischen Familie. 


von Klaus zurechtgemacht hatte. Aber 
die hatte ich schon vier Tage lang ange- 
habt, und sie war schmutzig. 

„Ja, dann mußt du eben die Bluse 
wieder anziehen‘, sagte meine Tante. 
Ihre Stimme war so gleichgültig, daß ich 
am liebsten geschrien hätte. 

„Ich weiß, warum du es getan hast“, 
sagte ich. „Ich weiß es genau. Es ist, weil 
ich deine Kette verkauft habe. Du woll- 
test dich rächen. Du weißt, daß es außer 
der Bluse das Einzige war, was ich anzu- 
ziehen hatte. Du kannst auch gar nicht 
stricken. Die Wolle wird herumliegen, 
ohne daß wir etwas damit anfangen 
können.“ s 

„Wie sprichst du denn mit mir?“ 
Meine Tante schnaufte. „Ich tue alles für 
euch. Ich opfere mich für euch. Wo ist 
der Dank? Unfreundliche Worte be- 
komme ich, jedes Stück Brot wird mir 
mißgönnt. Ich bin euch nur eine Last.“ 

„Hör doch auf“, sagte ich. „Bitte, ich 
kann es nicht mehr hören.“ 

„So, nicht einmal anhören willst du 


NR.9 





Sie wollen einen Wagen kaufen. Sie haben eine feste 
Vorstellung von Ihrem „Zukünftigen”. Sie verlangen 
Komfort. Mit Recht! Warum im Auto auf Bequemlich- 
keit verzichten! Sie verlangen gute Federung. Un- 
erläßlich auf unseren Straßen! Sie verlangen Wirt- 
schaftlichkeit. Weil Sie rechnen können! 

Egal, wo Sie anfangen — immer schneiden Auto Union- 
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Aber es gibt noch Wichtigeres. Sie müssen mit Ihrem 
Wagen fahren. Im dichten Verkehr — auf schlechten 
Straßen. Kolonnenfahrt in der Stadt, knapp 5 Meter 
Abstand vom Vordermann. Schlaglöcher, Blaubasalt, 
enge Kurven — unzählige Situationen, in denen nur 
noch eins entscheidet: die Fahrsicherheit Ihres Wa- 
gens. Prüfen Sie darum, bevor Sie kaufen. Prüfen Sie 
unerbittlich — dafür sind die schlechtesten Straßen 
gerade gut genug! Es sind dieselben Straßen, auf 
denen Sie später fahren müssen. 

Stellen Sie fest, wie schnell der 


te st Wagen von 0 auf 50 km/st beschleu- 


nigt. Geben Sie ihm nicht mehr als 6 Sekunden dafür! 
Denn mehr Zeit haben Sie auch nicht, wenn Sie sich 
aus einer Parklücke oder Nebenstraße in den fließen- 
den Stadtverkehr einreihen wollen! 


ee ! 


t t 2 Bremsen Sie bei 50 km/st scharf 
e S ab! Prüfen Sie, ob der Wagen dabei 
genau in der Spur bleibt. Das müssen Sie im Interesse 
Ihrer Sicherheit verlangen: Absolute Spurtreue, nicht 
mehr als 13 m Bremsweg auf trockener Fahrbahn! 
t t 3 Fahren Sie mit überhöhter Ge- 
es schwindigkeit in eine Kurve! Das 
tut kein vernünftiger Fahrer mit Absicht. Aber wie oft 
stellt man erst in der Kurve fest, wie scharf sie wirk- 
lich ist. Auch dann darf der Wagen nicht schleudern! 
Wenn Sie diesen Test mit einem Auto Union 1000 
machen, können Sie noch einen Schritt weitergehen: 
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R79i 





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Isenburg lebendig und mit wissenschaftlicher Genauig- 
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FRANKFURT AM MAIN - FRANKENALLEE 71-81 


er und Muskelkrampf. 


Die entzauberten Kinder 


mich. Das Wort verbietest du mir. Und 
dabei hast du mich bestohlen. Ich habe 
geschwiegen. Ich habe nichts gesagt. Ich 
habe stillschweigend ertragen, daß mich 
meine eigene Nichte bestohlen hat. Aber 
das erkennt niemand an.“ 

Sie torkelte zum Bett. Ich hielt es plötz- 
lich nicht mehr aus. Ich lief aus dem 
Zimmer. Ricki kam aus dem Garten. Er 
lief hinter mir her. Aber ich lief davon. 
Ich lief die Straße hinunter. Ich stolperte 
und lief weiter. 


John kehrt zurück 

„Baby“, rief John, und ich blieb ste- 
hen. Er hielt mich am Arm fest. „Baby, 
what’s the matter with you? Was ist 
los ?“ 

Er nahm mich bei der Hand und 
zwang mich, langsam zu gehen. 

„Laß uns in den Hofgarten gehen“, 
sagte ich. 

Wir setzten uns auf eine Bank. 

„Was war denn los mit dir?“ fragte er. 

„Nichts“, sagte ich. „Wirklich nichts. 
Ich habe mich nur geärgert.‘ 

Er zog eine Tafel Schokolade aus sei- 
ner Segeltuchtasche. Ich pellte das 
Stanniolpapier ab, biß hinein, aber ich 
konnte nicht schlucken. 

John schüttelte den Kopf, sagte aber 
nichts mehr. Wir saßen eine lange Zeit 
da, ohne zu sprechen. Er roch nach Ta- 
bak und ein bißchen nach der Seife, die 
ich immer von ihm bekommen hatte, als 
er noch in unserer Straße einquartiert 
war. 

„Wie kommst du hierher ?“ fragte ich 
endlich. 

„Ich bin nur auf der Durchreise“, 
sagte er. „Ich wollte einmal sehen, wie es 
dir geht, bevor ich nach Hause fahre.“ 
Ich spürte, daß er mich ansah. 

„Was machst du ?“ fragte er. 

„Was soll ich schon machen ?“ 

„Du bist groß geworden“, sagte er 
leise. 

„Das weiß ich“, sagte ich. ‚Alle Leute 
sagen das.“ 

„Ist deine Tante noch bei euch?“ 
fragte er. 

„Ja“, sagte ich. „Sie sorgt noch immer 
für uns.“ 

„Hast du schon was von deinem Vater 
gehört ?“ 

„Nein. Mein Bruder glaubt, daß er tot 
ist; 

John streichelte meine Hand. „Ich 
habe dir etwas mitgebracht“, sagte er 
dann. „Was in der Tasche ist, gehörtdir.‘“ 

„Danke“, sagte ich. 

„Gehst du in die Schule ?“ fragte er. 

„Nein. Was soll ich da?“ 

„Es wäre besser, du würdest gehen‘, 
sagte John. „Es ist besser, damit alles 
wieder normal wird.“ 

„Das sagen die Erwachsenen alle“, 
sagte ich. „Aber was ich wissen muß, 
das weiß ich auch so.“ 

„Bist du sicher ?“ fragte John. 

„Natürlich“, sagte ich. „Ich weiß, wie 
man Sachen eintauscht, mogelt und or- 
ganisiert. Ich weiß, wo und wie man was 
zu essen bekommt. Das ist doch das 
Wichtigste. Mein Bruder Klaus sagt im- 
mer, man muß nur wissen, wie man sich 
eine Scheibe vom Leben abschneiden 
kann.“ 

„Ja“, sagte John. „Wahrscheinlich ist 
das das Wichtigste. Und was macht 
Ricki?“ 

„Eristauch großgeworden“,sagteich. 
„Ich glaube, er ist sogar erwachsen ge- 
worden. Er redet, als wenn er zehn oder 
elf wäre.‘ 

„Und wie alt bist du jetzt?“ 

„Ich werde vierzehn.“ 

Er nickte nur. ‚Ja‘, sagte er. 

„Wie alt bist du eigentlich ?‘““ fragte 
ich. 

„Einundzwanzig“, sagte John. Und 
dann: „Du mußt daran glauben, daß alles 
wieder besser wird. Es ist viel Unrecht 


geschehen in den letzten Jahren. Aber es 
wird jetzt besser werden.“ 

Und gleich darauf: 

„Was macht Klaus?“ 

„Auch mal dies und mal das. Im 
Augenblick arbeitet er auf einer Bau- 
stelle in der Stadt. Aber sie bezahlen zu 
schlecht. Er wird dort sicher bald auf- 
hören. Man braucht ja nicht unbedingt 
zu arbeiten, um Geld zu verdienen.“ 

Ich spürte wieder, daß er mich ansah. 

Nach einer Weile sagte er: 

„Es wird bestimmt bald besser wer- 
den. Du wirst sehen. So wie es jetzt ist, 
kann es nicht mehr lange bleiben.“ 

„Ja“, sagte ich. „Hast du vielleicht ein 
paar Zigaretten für mich ?“ 

Es dauerte eine Weile, bis John ant- 
wortete. 

„Rauchst du ?“ fragte er dann. . 

„Nein. Aber Zigaretten und Kaffee 
sind das einzige, womit man wirklich 
etwas anfangen kann.“ 

Er zog vier Päckchen aus seinen 
Jackentaschen. „Das ist alles, was ich bei 
mir habe“, sagte er, und es klang, als ent- 
schuldigte er sich dafür. 

„Danke“, sagte ich. „Du bist sehr 
nett.“ 

Wir saßen noch eine Weile auf der 
Bank. Die Bäume warfen längere Schat- 
ten. Die Rasenfläche in der Mitte sah aus, 
als hätte jemand ein schwarzes Scheren- 
gitter darübergelegt. 

John sah auf seine Uhr. Es war halb 
sechs. 

„Ich muß gehen“, sagte er. „In zwan- 
zig Minuten geht mein Zug.“ 

„Ich bringe dich zum Bahnhof“, sagte 
ich. 

„Mußt du nicht nach Hause ?“ fragte 
er. 

„Nein.“ 

- Ich ging neben ihm her. Einmal faßte 
er nach meiner Hand und drückte sie. Er 
ließ sie schnell wieder los. 

Auf dem Bahnsteig stand ein rotglän- 
zender Triebwagen. Hinter den hell- 
erleuchteten Fensterscheiben blitzten 
Rangabzeichen auf Khakischultern. 

Wir gingen auf und ab. 

„Was glaubst du, was die Leute den- 
ken, wenn du so mit mir hier auf und ab 
gehst ?“ fragte ich. 

Er sah mich verständnislos an. Dann 
sagte er: 

„Du hast dich sehr verändert.“ 

„Das bleibt nicht aus‘, sagte ich. 

Die Zugmaschine des Triebwagens 
begann zu surren. 

„Du mußt einsteigen“, sagte ich. 

Er sah wieder auf seine Uhr. Dann 
band er sie ab und drückte sie mir in die 
Hand. 

„Bleib ein anständiges Mädchen“, 
sagte er so leise, daß ich es kaum ver- 
stand. 

Ich nickte ihm zu, nahm die Tasche 
auf, die er neben mir hatte stehen lassen, 
und wandte mich um. 

Ich sah noch einmal zurück, ehe ich 
den Bahnsteig verließ. Von Johns Zug 
waren nur noch die roten Rücklichter zu 
sehen. 

Als ich den Inhalt von Johns Tasche 
untersuchte, wußte ich, daß wir min- 
destens für zwei Wochen zu essen haben 
würden. . 


Ricki hat Fieber 

„Du kannst sie nicht fortgeben“, sagte 
Klaus. „John hat dir die Uhr bestimmt 
nicht geschenkt, damit du sie ver- 
scheuerst.“ 

„Ach was“, sagte ich. „Du siehst 
selbst, daß wir mit den Sachen, die er mit- 
gebracht hat, nur zwei Wochen ausge- 
kommen sind, obwohl wir schon die 
Zigaretten eingetauscht haben. Die Uhr 
ist jetzt noch das einzige, was wir ein- 
tauschen können.“ 

„Was man geschenkt bekommt, soll 
man nicht verkaufen“, sagte Tante 
Emmy. „Ich verstehe euch nicht mehr. 
Zu meiner Zeit wäre uns so etwas ein in 
den Sinn gekommen.“ 


NR.9 


„John hat bestimmt nichts dagegen, 
wenn ich Lebensmittel dafür eintausche. 
Der Arzt hat gesagt, Ricki muß Eier 
essen. Woher willst du die sonst neh- 
men?“ 

Klaus stand auf und ging zum Bett, 
wo Ricki schlief. Seitdem er krank ge- 
worden war, durfte er endlich einmal in 
dem schönen Bett von Tante Emmy 
schlafen. Tante Emmy schlief jetzt in un- 
serem Bett, und wir wechselten uns im 
Lehnstuhl und auf dem Sofa ab. 

Ricki hatte rote Flecken auf den 
Backen. Unter seinen Augen waren 
dunkle Ringe. Sein Haar klebte naß an 
der Stirn. 

„Er hat Fieber“, sagte Klaus. „Wenn 
wir es doch nur einmal messen könnten.“ 

„Der Arzt wollte noch einmal vorbei- 
kommen“, sagte ich. 

„Kinder haben leicht 
‚Fieber‘, sagte Tante Emmy. 


schon mal 


„Ja“, sagte ich. „Aber nur, wenn sie 


richtig krank sind. Scharlach oder so. 
Bei Ricki weiß man ja noch nicht, was es 
ist.“ 

„Es ist furchtbar“, sagte Tante Emmy. 
„Es ist entsetzlich.‘“ Sie rang die Hände 
zu dem vergitterten Fenster empor. 

„Ich gehe zur Apotheke“, sagte ich, 
„das Rezept einlösen.“ 

Klaus nickte. Er streichelte Rickis 
Stirn und legte ihm einen nassen Um- 


schlag auf. 


„Ein sehr verständiges Mädchen” 

In der Apotheke saß der alte Mann mit 
dem hohen steifen Kragen hinter dem 
Kassenpult. Sein Kopf nickte auf seinem 
dünnen Hals. Er hatte die Augen ge- 
schlossen. 

„Guten Abend“, sagte ich. 

Der Mann nickte weiter mit dem Kopf. 
Seine Augen blieben geschlossen. 


Ich legte das Rezept auf die Glas- 
theke. In dem schwachen Licht, das von 
der Birne über der Tür zum Hinter- 
zimmer kam, blinkten weiße Porzellan- 
flaschen. In dem Regal hinter der Theke 
standen auf einem Fach in einem Holz- 
gestell drei Fieberthermometer. Weiter 
rechts lagen Schachteln mit Verbands- 
zeug und zwei Gummischläuche. Auf 
einer Flasche stand mit schwarzen Buch- 
staben „Alcohol“. 


Der Mann nickte noch immer mit 
seinem Schildkrötenkopf. 


Ich ging in die Hocke und bewegte 
mich so leise wie möglich an der Theke 
entlang, um sie herum, auf die andere 
Seite. Der Mann schlief. Ich war hinter der 
Theke, richtete mich auf, griff nach den 
drei Thermometern, drei Handbreit da- 
neben nach den Gummischläuchen und 
der Flasche Alcohol. 


Ich stopfte alles in meine Jacke, und 
dann stand ich wieder vor der Theke. 

Ich beugte mich zu dem alten Mann 
vor. 
„Hallo“, sagte ich. „Wachen Sie doch 
auf.“ Ich schüttelte ihn an der Schulter. 

„Ja, bitte, ja...“ Er riß die Augen auf, 
blinzelte, kam hinter dem Pult hervor 
und rieb sich die Hände, als frör er. 

Er nahm ohne ein weiteres Wort das 
Rezept, blinzelte wieder, als er es las, 
ging ins Hinterzimmer und rumorte dort 
herum. 

Ich nahm in der Zeit noch eine Rolle 
Verbandszeug. 

Der Mann kam zurück und gab mir 
eine Flasche mit einer dunkelbraunen 
Flüssigkeit. „Alle drei Stunden einen 
Teelöffel“, sagte er. 

„Danke“, sagte ich und schob ihm das 
Geld zu. 








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Die entzauberten Kinder 


„Hattest du schon lange gewartet?“ 
fragte er. 

„Nein, nein‘ ‚ sagte ich. „Ich war ge- 
rade erst gekommen. “ 

„Ja, so ist’s halt, wenn man alt wird, 

es "geht nimmer so recht.“ 

„Natürlich“, sagte ich. „Vor allem in 
der heutigen Zeit. Man ist doch i immer 
so schlapp, selbst mir geht es schon so.‘ 


„Du bist ein verständiges Mädchen“, 
nickte der Mann. „Ein sehr verständiges 
Mädchen.“ Er lächelte mir freundlich zu. 


„Ich danke auch schön“, sagte ich und 
ging. 

* 

„Der Apotheker war so nett“, sagte 
ich, als ich zu Hause war. „Als ich ihm 
sagte, daß wir kein Fieberthermometer 
haben, gab er mir eins.“ 


„Aber er gab dir nicht drei und be- 
stimmt nicht die Flasche Alkohol und 
auch nicht den Gummischlauch“, sagte 
mein Bruder später, als Tante Emmy 
schlief. 


„Manche Leute sind eben sehr nett“, 
sagte ich. „Mit dem Gummischlauch 
können wir endlich den Gaskocher an- 
schließen. Und die Thermometer wer- 
den wir schon auf dem Land los. Die 
Bauern nehmen doch alles.““ 


Ich legte meine Hand mit Johns Uhr 
an mein Ohr, als ich einschlief. 


Der Hamsterzug 


„Na, ja, dann fahr mit“, sagte mein 
Bruder Klaus. 


Er wickelte die Fieberthermometer 
vorsichtig in einen Lappen und steckte 
sie in seine hintere Hosentasche. 


„Da gehen sie doch bestimmt kaputt, 
wenn du dich hinsetzt“, sagte ich. 


„Wir kriegen sowieso keinen Sitz- 
platz. - Zieh deinen Mantel an“, sagte er. 
„Auf dem Zug zieht es sehr.“ 


Draußen schien die Sonne, und es war 
sehr warm. 


„Ich schwitze ja schon‘, sagte ich. 


„Tu endlich, was ich sage und mach 
voran. Sonst verpassen wir noch den 
Zug. Dann können wir sehen, wie wir 
nach Hersel kommen.“ 


Ich war noch nie mit Klaus zum 
Hamstern gefahren. Er hatte stets ge- 
sagt, es sei zu gefährlich. 


Im Bahnhof stand der Zug schon da, 
aber man konnte von den Wagen nur 
die Dächer sehen. Die Leute hingen an 
den Türen und Fenstergriffen, standen 
zusammengepfercht auf den Trittbret- 
tern und hingen wie Trauben auf den 
Perrons. 


„Glotz nicht, komm lieber!“ 


Mein Bruder zerrte mich auf ein Tritt- 
brett. Ich mußte meine Hände über- 
einander auf den Türgriff legen. Ich weiß 
nicht, wieviel_Hände sonst noch daran 
hingen. Ich konnte auch nur auf einem 
Bein stehen; das andere mußte ich gegen 
die Wagenwand stemmen. 


„Stehst du gut?“ fragte Klaus. Ich 
stand eingepfercht zwischen ihm und der 
Wagenwand. 

„Na, es geht.“ 

Aber er verstand mich nicht. Es war 
ein tosender Lärm, Schreie, Rufe, Ge- 
kreisch, Zischen von der Lokomotive... 
Endlich ruckte der Zug an. 

Der Fahrtwind preßte mich gegen die 
Wagenwand und trieb mir den Staub in 
die Augen, daß sie überliefen. 

„Es sind ja nur vier Stationen‘ 
mir mein Bruder ins Ohr. 

An jeder Station hängten sich neue 
Menschen an die Wagen. Einmal stieß 
jemand mit einem Holzkoffer gegen 
meinen Kopf. Aber ich merkte gar nicht 
mehr, daß es weh tat. 

Als der Zug in Hersel hielt, zog eine 
lange graue Prozession in das Dorf. 

Die Fenster der Häuser waren alle 
verschlossen. Vor manchen blühten 


‘, schrie 


Blumen in grünen Kästen. Zwei Hunde 
liefen über die Straße. Kinder kamen aus 
Seitengassen und rannten johlend neben 
uns her. Dann löste sich der Zug auf. 


„Das macht die Stadt, Marie!‘ 


Der Bäcker war ein runder Mann. Er 
lachte meinen Bruder an. Seine Augen 
verschwanden hinter seinen roten Bak- 
ken. 

„Na, wie geht’s denn in der Stadt? 
Hast du den ’Tee mitgebracht?“ Der 
Bäcker rieb sich die Hände. 


„Ja; sagte mein Bruder. ‚Aber 
wissen Sie, es ist jetzt schwer, Tee zu 
beschaffen. Fünfzig Gramm hab ich 
gekriegt.‘ Er zog den kleinen Papiersack 
aus der Tasche. 

Der Bäcker riß das Papier auf und 
schnüffelte. „Schlechte Sorte“, sagte er. 

Auf der Stellage hinter ihm stand ein 
breites Blech mit Apfelkuchen. Darüber 
summten Bienen. 

„Marie, Marie‘, rief der Bäcker. 

Seine Frau kam aus der Küche. Ihre 
Hände glänzten fettig. Sie wischte sie an 
der Schürze ab. 

„Ach, der Klaus Thoma, nun, wie 
geht’s denn in der Stadt? Und das ist die 
Schwester ?“ 

„Er hat Tee mitgebracht“, sagte der 
Bäcker, „aber nur fünfzig Gramm. Was 
meinste, Marie, was wir ihm dafür geben 
könnten ?“ 

„Ja, ich weiß auch nicht“, sagte die 
Marie, seine Frau. 

Der Bäcker sah uns an. ‚„‚Meine Frau, 
die Marie muß das nämlich am besten 
wissen“, sagte er. 

„Ich glaub, ein Brot ging schon, und 
vielleicht noch zwei Eier‘, sagte seine 
Frau. 

„Es müßten schon vier Eier sein‘, 
sagte mein Bruder, ‚und vielleicht noch 
ein Pfund Mehl?“ 

„Nana“, sagte der Bäcker. „Das ist 
aber ein bißchen viel. Meinst du nicht, 
Marie?“ 

Die Marie schüttelte den Kopf. „Ich 
hab aber nur noch zwei Eier übrig‘, 
sagte sie. „Und mit dem Mehl, nun ja, 
das ging schon, was meinst du, Mann ?“ 

„Dann aber zwei Pfund Mehl“, sagte 
mein Bruder. 

Der Bäcker machte ein ernstes Gesicht. 
„Jaja“, sagte er. „Es wird immer mehr 
verlangt.‘ 

„Sie wissen doch, was Tee heute auf 
dem Schwarzen Markt wert ist, oder 
nicht ?“ sagte ich. 

Die Frau sah mich mit großen Augen 
an. „Na was, die Kleine ist doch erst so 
alt wie unsere Sofie und redet schon von 
Schwarzmarkt ?“ 


„Das macht die Stadt, Frau“ 
der Bäcker. 


„Ja, was bekommen wir denn nun?“ 


, sagte 


fragte mein Bruder. „Ein Brot, zwei 
Pfund Mehl und zwei Eier ?“ 
„Nuja‘“, der Bäcker blinzelte. „Weil 


ihr es seid. Man soll ja auch jutes tun, 
nicht Marie ?“ 


Karins Trick gelingt 

„Könnte ich vielleicht ein Glas Wasser 
bekommen ?“ fragte ich. 

„Zeig’s ihr-im Hof, Marie“ 
Bäcker. 

Seine Frau Marie ging mit mir hinaus. 
Auf dem Hof war neben einer großen, 
weißbestaubten Tür der Wasserhahn. 
Ich ließ ihn ablaufen und hielt dann den 
Mund darunter. Ich sah durch die Schei- 
ben der weißbestaubten Tür in die 
Backstube. 

Die Bäckerin stand hinter mir. „Ist’s 
noch immer so schlimm, mit dem 
Rausfahren nach hier?“ fragte sie. 

Ich setzte mich auf einen Stein neben 
dem Wasserhahn und zog die Schuhe 

us. „Schrecklich“, sagte ich. „Mir ist 
noch ganz schlecht davon.“ 


NR. 9 Ealtig suusteiense] 


‚sagte der 


„Irink noch was Wasser“, sagte die 
Bäckerin. „Das kühlt dich ab.“ 

Sie hatte die gleichen Augen wie 
meine Tante. 

Ich trank noch von dem Wasser, das 
nach Metall schmeckte. 

„Ganz verschwitzt siehste aus, und 
solch einen dicken Mantel haste an.“ 

„Draußen auf dem Zug ist es kalt“, 
sagte ich. 

Im Haus pfiff ein Wasserkessel. 

„Ich komme gleich wieder“, sagte die 
Bäckerin. Sie lief ins Haus. 

Auf einem langen, schmalen Tisch in 
der Backstube lagen nebeneinander run- 
de, kleine Brote. Ich konnte sehen, daß 
sie mit Zucker bestreut waren. Die 
Backstube und der Hof waren leer. Mir 
war warm. Ich machte den Mantel auf. 
Ich war froh, daß ich die Taschen in das 
Mantelfutter genäht hatte. 

Aus dem Haus hörte ich die Stimme 
der Bäckerin. Sie schimpfte. Ein Kind 
greinte. 

Ich stieß die Tür zur Backstube einen 
Spalt weitauf. Es waren nur zwei Schritte 
bis zu dem langen Tisch. Ich griff nach 
dem ersten Brot und schob es in die 
linke Futtertasche. Dann nahm ich das 
zweite und auch noch eine Tüte, die 
daneben lag. Ich steckte sie dazu. Dann 
setzte ich mich wieder neben den Wasser- 
hahn auf den Stein. 

Man konnte nichts sehen. Der Mantel 
war mir zu weit. 


‚Die passen auf wie Schießhunde‘ 

Nach einer Weile kam die Bäckerin 
wieder heraus. Sie brachte mir ein 
Marmeladebrot mit. 


„Wart mal hier“, sagte sie leise. „Ich 
gebe dir noch etwas mit.“ 

Sie lief ins Haus. 

Als sie zurückkam, hielt sie den Finger 
auf den Mund. Sie hielt mir die Tüte hin. 
Ich konnte fühlen, daß ein Marmelade- 
glas darin war und etwas Weiches, das 
ich mit dem Finger eindrücken konnte. 

„Sist ein Glas Gelee“, sagte die 
Bäckerin, „und ein Viertel Schmalz. 
Nimm’s mit für deinen Bruder.“ 

„Ich dank Ihnen auch schön“, sagte 
ich. „So nett ist noch niemand zu mir 
gewesen.“ 

„Sag nur meinem Mann nichts davon. 
Er versteht’s nicht.“ 

Ich ging nicht mehr ins Haus. Ich 
wartete draußen auf der Straße auf Klaus. 


Als er kam, war er auch noch ein 
Fieberthermometer losgeworden. Er hat- 
te ein Stück Speck und eine Blutwurst 
dafür gekriegt. 

„Ich habe auch etwas bekommen“, 
sagte ich. „Zwei Stuten, eine Tüte 
Zucker, Schmalz und ein Glas Marme- 
lade.“ 


„Hat die Frau es dir gegeben ?“ fragte 
mein Bruder. 
„Ja, natürlich. Was glaubst du denn ?« 


Mein Bruder grinste. Aber er war 
sofort wieder ernst. 

„Hoffentlich kriegen wir alles durch“, 
sagte er. „Die passen auf wie die 
Schießhunde.“ 

Wir mußten bis neun Uhr abends 
warten, bis der Zug kam. Diesmal war 
er nicht so voll. Wir konnten sogar in 
einem Wagendurchgang stehen. 

Auf dem Güterbahnhof kamen die 
Polizisten in den Wagen. Sie leuchteten 
uns mit riesigen Taschenlampen an. 


Eine Frau vor uns mußte ihren ver- 
dächtig dicken Mantel ausziehen. In die- 
sem Augenblick warf mein Bruder unsere 
Tasche auf das hintere, dunkle Geleis. 
Der Polizist fuhr herum. „Was habt ihr 
da...“ seine Taschenlampe blendete 
mich. 





Im nächsten Heft: 


„Haltet den Dieb!“ — Die Schule 
droht mit Anzeige - Ein Brief aus 
England 


NR.9 


als Junge ungeheuer beschäftigt... 


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herauskamen wie ein Stehaufmännchen... Nun - ich hab’s inzwischen 
entdeckt! Ich bade mit Dadedas - entweder morgens, wenn ich mir 
was Rechtes vornehme, oder abends, wenn ich was geschafft habe. 
Ich wüßte gar nicht, wie ich unsere Zeit ertragen würde, ohne dieses 
Rezept der Erquickung und Ermunterung. Ich habe Dadedas in 
einem Hotel kennengelernt. Das nenne ich Kundendienst! Dienst am 
Gast! Und mir war’s so angenehm, daß nach dem Bad die Wanne 
so schön sauber war. Kein Schmutzrand! Man kann das einfach dem 
Zimmermädchen nicht zumuten - und seiner eigenen Frau natürlich 
auch nicht. Das nur nebenbei. Die Hauptsache aber ist der. Badespaß 
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Durchblutung und Hautatmung. Chlorophyll desodoriert. Ein guter Schwamm 
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Mit 68 Passagieren an Bord ist der „Nordstern” in Stockholm 
zu einem Flug über den Nordpol nach San Franzisko gestar- 
tet. Die Northern. European Airlines (NEA) eröffnet damit 
eine neue Route. Um 22.30 Uhr Greenwicher Zeit (GMT) will 
die große viermotorige Maschine über dem Nordpol von 
einer in Thule stationierten amerikanischen Militärmaschine 
in der Luft neuen Brennstoff übernehmen. Stürmische Gegen- 
winde verzögern jedoch den Flug des „Nordstern"”. Fiug- 
kapitän Rasmussen läßt neue Instruktionen nach Thule fun- 
ken: Das Tankflugzeug soll erst um 1 Uhr GMT zum Nordpol 
kommen; ist der „Nordstern” früher zur Stelle, wird er der 
amerikanischen Maschine auf dem Kurs Pol— Thule entgegen- 
fliegen. Doch erhebliche atmosphärische Störungen lassen 
den Funkspruch verstümmelt ankommen. Niemand an Bord 
des „Nordstern" ahnt etwas von dem drohenden Verhängnis. 


Was aber hat nur Björnsted ? Er rechnet, 
prüft die Instrumente und rechnet wie- 
der. Dann sieht er zu den Motoren hinaus, 
drückt zwei oder drei Kontaktknöpfe. 
Schließlich ruft er: „Die Benzinzufuhr 
klappt nicht mehr!“ 


Zeichnung Grazioli 





(GG Burger, Kommandant des 
amerikanischen Flugstützpunk- 
tes in Thule, stampft wütend in 
seinem Zimmer auf und ab. Auf dem 
Tisch mitten im Raum liegt der Funk- 
spruch, den sein Sergeant Charles 
Chesterfield vor wenigen Minuten von 
TC-8 „Nordstern‘ empfangen hat. 


Sergeant Chesterfield ist ein alter 
Funkhase. Wenn, wie an dem Abend die- 
ses 29. Juni, die atmosphärischen Stö- 
rungen so groß sind, daßnurnoch Bruch- 
stücke durch den Ather kommen, dann 
ist gerade Charles Chesterfield der geeig- 
nete Mann, um zu ergänzen, was zu 
ergänzen ist. Das hat der Sergeant auch 
heute gemacht, mit gewohnter Routine. 


Und nun liegt der von ihm ergänzte 
Funkspruch vor General Burger, einem 


NR.o EREEEEsmee] 


Hünen mit hagerem Gesicht und eis- 
grauen Schläfen. 

„Hätten die von der NEA das nicht 
gleich sagen können“, knurrt der Gene- 
ral, „daß sie Kurs Pol-Thule fliegen und 
unsere Maschine nicht mehr brauchen ?! 
Den Herren in Stockholm werden wir 
schon was vorrechnen. Der Spaß wird 
sie teuer zu stehen kommen. Wir sind ja 
kein Kindergarten.“ 

Der General greift zum Telefonhörer. 

„Rufen Sie unsere B-5so zurück und 
sagen Sie mir, wenn die TC-8 im Anflug 
ist!“ 

Sergeant Chesterfield grinst vor sich 
hin, während er die B-so ruft. Hoffent- 
lich haben die Brüder auf Kurzwellen- 
empfang geschaltet, denkt er laut. Na 
ja, wenn sie nicht hören, werden sie 
wohl selber sich bald melden. 

Inzwischen ist es 21.495 Uhr GMT 
geworden. Die B-5so aus Thule fliegt 
blind in viertausend Meter Höhe dem 
geographischen Nordpol entgegen. Sie 
hat bis dorthin noch vierhundert Kilo- 
meter zurückzulegen. Captain J. Sauther, 
ihr erster Pilot, weiß, daß er das bequem 
in 45 Minuten schaffen kann — wenn 
nichts schiefgeht. 

Längst hat sich Captain Sauther von 
Thule abgemeldet und. seinem Funker 
befohlen, die Nordstreckenmaschine zu 
rufen, um so frühzeitig wie möglich 
Kontakt mit dem Tankpartner zu er- 
halten. 

Sauther steigt mit zwei Metern in jeder 
Sekunde. Er muß über den „Dreck“ 
kommen, heraus aus dem gleichförmig 
milchigen Grau, um die Nordstrecken- 
maschine sehen zu können, wenn sie sich 
genügend genähert hat. 


Die B-50 bekommt keine Antwort 

Der Funker der B-5o ruft die Nord- 
streckenmaschine. Er weiß freilich in 
diesem Augenblick nicht, daßder ‚‚Nord- 
stern“ inzwischen Thule gerufen und um 
eine neue, zweieinhalb Stunden später 
liegende Verabredungszeit gebeten hat. 

Auch von dem starken Gegenwind, 
der den „Nordstern‘ am Einhalten seiner 
Flugzeiten hindert, weiß der Funker der 
B-5o wenig. Denn mit Ausnahme einer 
amerikanischen Wetterstation und einer 
russischen Beobachtungsstelle gibt nie- 
mand in dem riesigen Polargebiet Wet- 
termeldungen. 

Es ist 22.00 Uhr GMT, eine halbe 
Stunde vor der Zeit, da die Treibstoff- 
übernahme in der Luft beginnen soll. 
Ununterbrochen ruft die B-so den 
„Nordstern“. Ohne Erfolg. Die ameri- 
kanische Maschine erhält keine Ant- 
wort. Um 22.15 Uhr GMT ruft die B-5o 
wie verabredet ihren Heimathafen Thule 
zum ersten Male. Ein Knacken im Hörer, 
sonst keine Antwort. Nur die amerikani- 
sche Wetterstation, die in wenigen Minu- 
ten überflogen werden dürfte und die 
ihren Standort im ewigen Eis auf dem 
87. Breitengrad hat, antwortet. Aber die 
Wetterfrösche sind kaum zu verstehen. 
Immerhin erfährt die B-so, daß auch die 
Wetterstation keine Verbindung mit 
Thule hat und daß alle Funklinien über 
längere Entfernungen seit Stunden ge- 
stört sind. 

„Das ist ja heiter“, ruft Captain Sauther 
seinem Funker bei dieser Nachricht zu. 
„Ich werde dennoch zum Pol durch- 
stoßen und dort warten. Wir werden das 
Verkehrsflugzeug schon kriegen!“ 


* 


Von Spitzbergen bis zum Pol sind es 
noch rund 1400 Kilometer. Die Wetter- 
frösche auf der Insel hatten recht, als sie 
prophezeiten, voraussichtlich bis zum 
Pol werde Gegenwind bleiben, Flug- 
kapitän Fred Rasmussen fliegt jetzt 
tausend Meter hoch. Die Borduhren 
zeigen 22 Uhr 25 GMT. Unter dem 
„Nordstern“ liegt das ewige Eis. Die 
von Zeit zu Zeit aufreißenden Wolken 
geben jedesmal den Blick frei auf ein 
stumpfes, eintöniges Weiß. 

John de Ridder, der erste Funkoffizier, 
ruft ohne Unterbrechung abwechselnd 
Stockholm und Thule über Kurz- 
welle. Er will Stockholm den Standort 


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"Btunk 505 


des „Nordstern“ durchgeben und in 
Thule noch einmal wegen des schlecht 
quittierten vorangegangenen Spruches 
zurückfragen. Als alter Funkoffizier 
weiß er, daß das oberste Gebot in der 
Fliegerei immer die Sicherheit ist. Dazu 
gehört, daß im Funkverkehr Wort für 
Wort festgehalten wird und jeder Spruch 
einwandfrei bestätigt werden muß. 

Doch John de Ridder bemüht sich 
vergeblich. 

Rasmussen zieht inzwischen die Ma- 
schine höher, um endlich klare Sicht 
über den Wolken zu haben. Er weiß 
nichts von dem Verhängnis, das ihm, 
seiner Maschine, seinen Fluggästen droht. 
Er weiß nicht, daß sein Tankflugzeug 
ihn in diesen Minuten verzweifelt ruft 
und ständig kreisend pünktlich um 
22.30 Uhr GMT seinen vereinbarten 
„Standort Pol“ erreicht hat. Fred Ras- 
mussen weiß auch nichts von dem fal- 
schen Sinn, den Sergeant Charles Ches- 
terfield, der Funker in Thule, dem Spruch 
des „Nordstern‘“ gegeben hat, und er 
weiß nicht, daß auch die B-so keinen 
Funkverkehr mehr mit ihrem Heimat- 
hafen hat und deshalb bisher nicht zu- 
rückgerufen werden konnte. 

In dreitausendachthundert Meter Höhe 
hat Rasmussen die Wolken unter sich. 
Die Maschine hat gerade die letzten zer- 
rissenen Wolkenfetzen zurückgelassen, 
als Rasmussen, geblendet für Sekunden, 
die Augen schließen muß. 


Gefährliches Nordlicht 


Ein Farbenspiel von unendlicher 
Pracht bietet sich seinen Augen. Ein 
Nordlicht, wie es Fred Rasmussen noch 
nie so wunderbar zu Gesicht bekommen 
hat, leuchtet in allen Regenbogenfarben. 

Unsagbare Erregung herrscht unter 
den Passagieren. Das prächtige Farben- 
spiel versöhnt mit den heftigen Sturm- 
böen der letzten Stunden. Von Minute 
zu Minute scheint sich das herrliche 
Licht zu verändern, scheint zu wachsen 
und neue Strahlenbündel zu verschießen. 

Margarete Jörgensen registriert die 
Erscheinung geradezu als eine Sensation. 
Auch Bob Marker, ihr Nachbar, läßt 
sich von der Begeisterung des jungen 
Mädchens anstecken. Bürgermeister 
Bergmann hat einen Arm um die Schul- 
ter seines Sohnes gelegt. 

„Ein herrliches Nordlicht, mein Jun- 
ge“, sagt er begeistert, „so schön und 
so wunderbar, wie ich es selbst von 
Nordschweden aus noch niemals ge- 
sehen habe!“ 

Am raschesten legt sich der Gefühls- 
überschwang im Führerraum des „‚Nord- 
stern“. Fred Rasmussen weiß nur zu gut, 
was er navigatorisch von Nordlichtern 
zu halten hat! Schon wesentlich kleinere 
Erscheinungen dieser Art haben ihm und 
seinen Kameraden bei früheren Flügen 
arg zu schaffen gemacht: Denn steht das 
Nordlicht am Himmel, gibt es im polaren 
Gebiet keine Funknavigation mehr. Die 
Verbindungen aller Art sind gestört. 


„Wenn die mit ihrer B-5so von Thule 
aus genau navigieren“, sagt Rasmussen 
plötzlich, „müßten wir am Pol oder auf 
der Strecke Pol-Thule ziemlich aufein- 
andertreffen. Über fünfzig, vielleicht 
auch hundert Kilometer Entfernung 
sollten wir Kontakt miteinander be- 
kommen.“ 

Rasmussen fliegt allein nach Kreisel- 
kompaß. Die Eigenpeilwerte, die ihm 
der Radiokompaß vom Funkfeuer Spitz- 
bergen im Rücken bringt, schwanken, je 
weiter sich der „Nordstern‘“ dem Pol- 
gebiet nähert. 

Um 24.00 Uhr GMT ist der „Nord- 
stern‘ noch 390 Kilometer vom Pol ent- 
fernt. Die Maschine hat noch für 6 Stun- 
den und 30 Minuten Kraftstoff. Dies 
ist der Augenblick, in dem Rasmussen 
die Anweisung gibt, von Bord des 
„Nordstern“ aus ohne Unterbrechung 
und ohne Rücksicht auf Störungen die 
B-5o zu rufen, dienach seinen Berechnun- 


gen jetzt von Thule aus zum Pol unter- 
wegs sein muß. „Ich verzichte unter die- 
sen Umständen auf die Direktüberflie- 
gung des Pols, sobald wir Verbindung 
mit der Tankmaschine haben“, erklärt 
Rasmussen seinem Ko-Piloten Björn- 
sted. „Wenn wie die B-5o nicht inner- 
halb von dreißig Minuten an die Strippe 
bekommen, fliegen wir direkt nach 
Thule und tanken dort...“ 


* 


Um 22.45 Uhr GMT meldet der 
Bodenfunker Charles Chesterfield an 
General Burger, daß er eine solche 
Schweinerei im Funkverkehr wie heute 
währendseinereineinhalbjährigen Dienst- 
zeit im Norden noch niemals erlebt habe. 

„Ich gebe zu, Sir“, sagt Chesterfield, 
„daß Störungen hier vorkommen, aber 
so wie heute — das ist einmalig! Keine 
Verbindung mehr zur B-5o, keine Ver- 
bindung mehr zu den Wetterfröschen 
am Pol. Ich konnte die Boys nicht zu- 
rückrufen. Jetzt werden sie am Pol auf 
die Nordstreckenkrähe warten, die ja 
sowieso hierherkommen will. Welch ein 
Glück, daß wir wenigstens den Spruch 
der NEA-Maschine auffingen!“ 

Als der Staff Sergeant Chesterfield 
dieses Telefongespräch führt, hat Cap- 
tain Sauther mit seiner B-5o bereits seit 
ı7 Minuten den geographischenPol 
erreicht. Er fliegt große Kreise und läßt 
von seinem Navigator den genauen 
Standort kontrollieren. 

Ursprünglich hatte Sauther sich vor- 

enommen, eine Stunde, also bis 23.30 
Uhr GMT zu warten, aber da ihm der 
Flug Spaß macht, will er noch eine 
Stunde zugeben. Irgendwann muß die 
TC-8 aus Stockholm ja auftauchen. Ver- 
spätungen sind nichts Ungewöhnliches 
in der Polfliegerei. Allerdings beun- 
ruhigt es ihn, daß sein Funker noch nicht 
ein einziges Zeichen von der Partner- 
maschine hört. 

Von Minute zu Minute, die Captain 
Sauther wartet, wird er mißtrauischer, 
wird er unruhiger. Sind die Flugzeuge 
aneinander vorbeigeflogen ? Istder Nord- 
streckenmaschine etwas zugestoßen, oder 
ist sie vom Kurs abgewichen und Rich- 
tung Thule geflogen ? 

Captain Sauther wartet bis oo.10 Uhr 
GMT und weiter bis 00.30 Uhr GMT. 
Um 00.40 Uhr aber entschließt er sich, 
nach Thule zurückzufliegen. Das sind 
genau zo Minuten vor dem Eintreffen 
des ‚„‚Nordstern‘‘ am Pol. 


„Der Tanker gibt Peilzeichen!” 

Und diese zo Minuten - in gerader 
Entfernung zwischen beiden Flugzeugen 
kaum 200 Kilometer - entscheiden über 
das Gelingen oder Mißlingen des NEA- 
Eröffnungsfluges. 

Als die Uhren 00.21 Uhr GMT zeigen, 
scheint für die Besatzung des Nord- 
streckenflugzeuges der entscheidende 
Moment gekommen: 

Es ist der Augenblick, in dem der erste 
Funkoffizier John de Ridder auf den Ruf- 
knopf der Eigenverständigungsanlage 
drückt und dem Kommandanten Fred 
Rasmussen erklärt: 

„Ich habe den Tanker, er ruft uns und 
wartet am Pol - er gibt Peilzeichen, aber 
die Peilung ist schwierig, ungefähr 335.“ 

„Nimm Verkehr auf“, gibt Fred Ras- 
mussen zurück, „und peile weiter. Sag 
ihnen, wir kommen um kurz vor 01.00 
Uhr GMT zum vereinbarten Standort...“ 

Doch es ist wie verhext. John de Rid- 
der bemüht sich vergeblich. Er hört zwar 
die B-5so noch eine Weile, dann aber 
verschwinden die Rufzeichen und auch 
die Peilzeichen, und es gibt keine Bestä- 
tigung dafür, daß die B-5o die Nord- 
streckenmaschine überhaupt empfangen 
hat. 

Rasmussen weiß jetzt wenigstens, daß 
das Tankflugzeug am Pol ist, und er fol- 
gert daraus, daß Thule seinen Spruch 
richtig empfangen hat. Er beschließt des- 
halb - und er kann diesen Entschluß 


NR.9 


guten Gewissens fassen, weil ihm unbe- 
kannt ist, daß Captain J. Sauther schon 
seit 22.30 Uhr am Pol wartet und 00.40 
Uhr umkehren wird - zum Pol weiter- 
zufliegen und dort, wie ursprünglich 
vorgesehen, den Brennstoff in der Luft 
zu übernehmen. 


In Stockholm hat inzwischen der Prä- 
sident der NEA die Meldungen über den 
Flug seiner Nordstreckenmaschine TC-8 
„Nordstern“ erhalten. Bevor er sich an 
diesem Abend des 29. Juni nach Hause 
begibt, ordnet er an, wie immer bei 
außergewöhnlichen Flügen, daß ihm 
auch während der Nacht stündlich die 
einlaufenden Standortmeldungen der 
„Nordstern‘““ telefonisch durchzugeben 
sind. 

Die bisherigen Meldungen waren alle 
in Ordnung: 

Um ı9 Uhr Stockholmer Zeit hatte 
Rasmussen die norwegische Küste über- 
flogen und ‚an Bord alles wohlauf“ ge- 
meldet. 

Um zo Uhr hatte er sich 350 Kilo- 
meter querab Nordkap gemeldet: zu- 
nehmender Gegenwind und ‚an Bord 
alles wohl“. 

Um zo Uhr go hatte der „Nordstern“ 
seinen neuen Standort durchgegeben 
und weiter: „Grundgeschwindigkeit 
440 km/h, sehr böig. Alles wohlauf an 
Bord. Voraussichtliche Polüberfliegung 
nicht vor 24.00 GMT.“ 

Der Präsident wartet bis 22 Uhr 30. 
Dann läßt er sich mit der Funkstelle des 
Flughafens Stockholm-Bromma verbin- 
den. Es ist keine neue Meldung des 
„Nordstern‘“ eingetroffen. Auch um 
23 und um 24 Uhr Stockholmer Zeit 
kommt kein Lebenszeichen der Maschine. 

Was ist los, fragt man sich in Stock- 
holm. Ob Rasmussen einen Gerätedefekt 
hat? Der Präsident ordnet an, in Thule 
wegen des „Nordstern‘“ anzufragen. 
Eine Stunde später erhält er von der 
Funkstelle den Bescheid: 


„Ihule meldet sich nicht! Die atmo- 
sphärischen Störungen erlauben kein 
Durchkommen zu weit im Norden ge- 
legenen Stationen...“ 


* 


Um oo Uhr 57 GMT meldet Dr. Peter 
Boom seinem Kommandanten Fred 
Rasmussen an Bord der TC-8 ‚Nord- 
stern“ den „Standort geographischer 
Pol“. 

Sie hatten damit neun Stunden für die 
erste Etappe ihres Fluges benötigt, die 
sie in sechseinhalb Stunden hatten 
schaffen wollen. 

Und wieder ruft John de Ridder die 
B-5o, die doch irgendwo über dem Pol in 
der vereinbarten Höhe von 3500 Metern 
vorhanden sein mußte. De Ridder funkt 
und funkt. Schweiß tritt ihm auf die 
Stirn. Die B-5so aber bekommt niemand 
an Bord des „Nordstern‘“ zu Gesicht... 


Über den Bordlautsprecher gibt Ras- 
mussen die Überfliegung des Poles be- 
kannt. Das herrliche Nordlicht ist kleiner 
geworden, und die roten und grünen 
Strahlenbündel, die es noch verschießt, 
sind weniger intensiv als vorher. Die 
Farbe des Himmels leuchtet milchig- 
blau, als Rasmussen in Erwartung des 
Tankflugzeuges einen großen Kreis 
fliegt. 

Die B-so aber, die Rasmussen und 
seine ganze Besatzung in unmittelbarer 
Nähe wähnen, ist nach zweistündigem 
vergeblichem Warten auf den „Nord- 
stern“ nach Thule zurückgeflogen. Sie 
kann sich auf die ständigen Rufe John 
de Ridders auch gar nicht melden; denn 
Captain Sauther hat um 00.45 Uhr be- 
fohlen, mit allen Mitteln Funkverbin- 
dung mit Thule zu bekommen. Er hat 
vor sich ein von Grönland nach Norden 
heraufziehendes Unwetter bemerkt, das 
er mit seinen großen vollen Zusatztanks 
im „Bauch‘ möglichst umfliegen will. 

So ist alles Suchen Rasmussens ver- 
geblich, muß vergeblich sein. Nach kur- 
zem Kreisen über dem Pol nimmt des- 


halb auch er Kurs auf Thule. Gleich- 
zeitig drosselt er seine vier Triebwerke 
und geht in den Sparflug über. 

Unmittelbar nach dem Kurswechsel 
ruft Funkoffizier Paul Dikmans, der den 
ermüdeten John de Ridder abgelöst hat, 
die amerikanische Wetterbeobachtungs- 
station, die voraus auf Kurs liegen muß, 
über den Funksprechkanal. Und - wie es 
das eigenwillige Spiel der Atmosphäre 
will- er erhält Antwort. 

Es mögen nur noch vierzig Kilometer 
bis zur Station sein. Eine ganz geringe 
Entfernung also. Die Funkwellen sind 
auf solch kurzer Strecke stärker als der 
Einfluß des Nordlichtes. 

Die Amerikaner, die in furchtbarer 
Kälte drei Monate lang auf ihrer Station 
aushalten müssen, ehe sie abgelöst wer- 
den, bestätigen all das, was die Besat- 
zung des „Nordstern“ bereits weiß: daß 
keine Verbindung mit Thule besteht, 
daß alle Funkwege über lange Entfer- 
nungen ein Opfer des Nordlichtes ge- 
worden sind. 

Und dann, froh darüber, sich mit 
Menschen unterhalten zu können, fragen 
die Meteorologen, noch ehe sie ihr Wet- 
ter durchgegeben haben und noch che 
Paul Dikmans ihnen zuvorkommen 
kann: 


„Ist der B-50 etwas zugestoßen ?“ 

„Heh, Boys, habt ihr euren Tanker 
nicht erwischt? Wir hatten um zz Uhr 
GMT Verkehr mit ihm. Er flog um 
diese Zeit zum Pol! Dann hörten wir 
nichts mehr von ihm.“ 

Diese Nachricht fährt Paul Dikmans 
in die Knochen! Auch Rasmussen er- 
schrickt. Wie kann das möglich sein? 
Hat Thule nicht den Spruch über die 
Verspätung des „Nordstern‘“ bestätigt? 
Oder ist der B-5o etwas zugestoßen ? 

Niemand weiß darauf eine Antwort. 

Die Amerikaner funken von unten 
noch ihr Wetter hoch: sie haben Wind 
aus Südost, langsam drehend auf Süd 
mit fünfzig Stundenkilometer am Boden, 


Niemand tanzt mit mir ins 








Der unsichtbare Gardolschild 
bekämpft Zahnverfali den 
ganzen Tag ... schon nach 
einmaligem Zähneputzen. 


Warum bleibe 
ich denn immer 
sitzen? Ich bin 
ganz bekümmert 


‚einen Rat 
geben darf, 
Ingeborg: 

Du solltest 


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Wenn ich Dir 


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Ingeborg beim 


Gegen schlechten Atem \ 
nehmen Sie Super-COLGATE mit 
Gardol. Der aktive Schaum der I 

) Super-COLGATE dringt in die ver- \ 
borgenen Ritzen zwischen den | 

Zähnen und beseitigt sich 

zersetzende Nahrungs- [7 
reste, häufig die 
Ursache von 
schlechtem Atem 
und Zahnverfall. 


Super-LOLGATE bekämpft schlechten Atem und 
Zahnverfall den ganzen Tag. z RZ 


Nur Super-COLGATE enthält Gardol, den erstaun- 
lichen Zahnverfall-Bekämpfer, der einen unsichtbaren 
Schutzschild um Ihre Zähne legt. Sie können ihn nicht 
fühlen, nicht sehen, nicht schmecken — aber er läßt 
sich weder abspülen noch abnutzen — den ganzen 
° Tag hindurch. Darum bekämpft Super--COLGATE 
den Zahnverfall 12 Stunden und länger, schon nach 
einmaligem Zähneputzen. Auch Kinder putzen ihre 
Zähne so gern mit Colgate, denn sie lieben den 
frischen, langanhaltenden Pfefferminz-Geschmack. 


IR 
a 


und starken Druckfall. Sie warnen vor 
einem Sturmtief, das von Grönland aus 
nordwärts zieht. 


Dann ist die Verbindung ebenso 
plötzlich wie sie zustande gekommen 
war, wieder verschwunden. Kein Wort 
istmehr zu verstehen. Paul Dikmans kann 
sich nicht einmal mehr verabschieden 
und bedanken... 


* 


Der „Nordstern“ fliegt nun schon 
fünfzig Minuten in Richtung Thule, und 
Rasmussen hat als Navigationsmittel 
wieder nur die Sonne und den Kereisel- 
kompaß. Noch gut 1000 Kilometer bis 
Thule hatte die Maschine vor sich. Hol- 
ger Hamsun, der dritte Pilot, ist inzwi- 
schen aufgestanden und nach vorn in den 
Führerraum gegangen. Er steht zwi- 
schen den beiden Pilotensitzen, zwi- 
schen Rasmussen und Björnsted, sicht 
auf die Instrumente und beobachtet 
Björnsted, der soeben wieder den Treib- 
stoffverbrauch nachrechnet, 

Rasmussen ist wütend darüber, daß 
der Gegenwind während dieses Fluges 
schier kein Ende nehmen will und die 
Brennstoffübernahme in der Luft ge- 
scheitert ist. 

Was aber hat nur Björnsted? Sein Ge- 
sicht ist rot vor Anstrengung. Er rech- 
net, sieht auf die Instrumente und rech- 
net wieder. Dann blickt er aus dem Fen- 
ster zu den Motoren und rechnet wie- 
der. Er ruft über die Bordsprechanlage 
nach dem zweiten Bordingenieur Willi 
Karlsen, deutet auf die Kraftstoffanzeige- 
geräte, drückt zwei oder drei Kontakt- 
knöpfe und hebt die Schultern. Er legt 
die linke Hand an den Mund und sagt: 

„Ich weiß nicht recht. Irgend etwas ist 
nicht in Ordnung. Die Benzinzufuhr 
klappt nicht mehr!“ 





Im nächsten Heft: 


Letzte Hoffnung: Notlandung 
im Eis! 


Später: dank Super-COLGATE. 
















COLGATE beschert‘- man 
sieht es hier- unsrer Ingeborg 
einen Kavalier! 











Sc | 
' mit Super-COLGATE mit Gardol *) 
* bekämpft Zahnverfall den ganzen Tag, 

* beseitigt sofort schlechten Atem, 

* macht die Zähne herrlich weiß. ; 
N Gardol = Lauroylsarcosid in Super-COLGATE-Zahnpasta. 
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Fortsetzung unseres Artikels von Seite 12 


Viele Frauen mögen diesen Blick... 

Der Mann trägt einen tadellos ge- 
arbeiteten Anzug. Mitternachtsblau, ein- 
reihig, mit schmalen Revers und ab- 
fallenden, nicht wattierten Schultern. 

Am Knopfloch des linken Revers ist 
eine goldene Kette befestigt. Sie endet in 
der vorderen Brusttasche. An der Kette 
hängt ein Monokel. 

Die Hände des Grafen Kottorsky 
stecken in weißen Lederhandschuhen. 
Sie ruhen lässig auf dem wuchtigen, 
elfenbeinfarbenen Steuerrad. 

Er drückt das Fünfklanghorn, obwohl 
Hupen in Paris verboten ist. Eine 
schwarze Katze läuft vor dem Wagen 
über die Straße. Sie läuft von links nach 
rechts. 

Graf Kottorsky übersieht das Tier ge- 
flissentlich. Seine Frau aber, die neben 
ihm sitzt, beugt sich vor. 

„Alexander - die Katze...‘ ruft sie und 
deutet mit dem rechten Zeigefinger auf 
die Straße. 

Alexander Graf Kottorsky zuckt mit 
den Schultern und sagt kein Wort. 

Die schwarze Spinne wendet sich an 
die anderen, die hinten im Wagen sitzen. 

„Haben Sie das gesehen? Ich meine 
die schwarze Katze?“ 

Milton Bruce nickt. Milton Bruce, der 
Engländer. 33 Jahre alt, Modefotograf. 
Er hat einen Namen unter den Modefoto- 
grafen. Er verdient gut. Schon immer. 
Aber er verdient das Doppelte, seitdem 
er nebenbei für die schwarze Spinne tätig 
ist. 

Neben Milton sitzt Yvette Mourier. 
Starmannequin beim Pariser Modehaus 
Piarelli. Hellblonder Pagenkopf, groß, 
zerbrechlich dünn, achtundzwanzig. 
Yvette hat einen Sohn, den sie in ein 
Schweizer Internat gesteckt hat. Er be- 
deutet ihr nicht sonderlich viel. Der 
Vater des Kindes hat sie sitzenlassen. 
Kein Wunder, denn er ist einer der 
großen Filmstars in Hollywood. 

Yvette sagt: 

„Eine schwarze Katze? Entsetzlich. 
Wo ich ohnehin vor heute Nacht solche 


| Angst habe!“ 


„Joseflein“, der Knacker 

Der fünfte im Wagen ist Josef Pollack, 
alias Angelo Thomaselli. Die Namens- 
änderung hat ihren Grund. Denn Pollack 
wird seit ı8 Monaten von Interpol ge- 
sucht. Er war an dem Einbruch in die 
Bank von England beteiligt. Über 
hunderttausend Pfund fielen den Dieben 
in die Hände. Pollack hatte den Tresor 
geöffnet. Neben Jim Warner in Chicago 
und Alfredo de Lane in Rom gilt Pollack 
als gefährlichster Spezialist für Panzer- 
türen und Geldschränke. 

„Ich habe diese verdammte Katze ge- 
sehen‘, meint Pollack. Er fährt sich mit 
der Zunge über die Lippen. „Das be- 
deutet nichts Gutes, Gräfin. Sie werden 
sehen! So was soll man nicht unter- 
schätzen. Wenn’s nach mir ginge, wür- 
den wir jetzt umkehren.“ 

Die schwarze Spinne tätschelt mit ihrer 
parfümierten Hand seine Wangen. 


„Joseflein — Sie werden doch nicht 
schlappmachen wollen? Was wir heute 
Nacht vorhaben, ist doch für Sie 
ein Kinderspiel. Nicht einmal Panzer- 
schränke — nur ein paar Türen mit 
Sicherheitsschlössern sind zu öffnen. Sie 
sollen Ihrer alten Freundin bloß einen 
kleinen Gefallen tun. Das werden Sie 
doch auch - nicht wahr, Joseflein ?“ 

Die Gräfin Kottorsky kennt „,Josef- 
lein‘“ aus gemeinsamen Wiener Tagen. 
Damals waren sie beide noch Anfänger. 
Pollack hatte ein paar Sparkassen auf 
dem Lande ausgeräumt. Und die Gräfin 
kopierte für relativ billiges Geld Mo- 
delle der Wiener Modehäuser. Dann 
haben sie einmal eine Sache gemeinsam 
durchgeführt. Es lohnte sich. Seitdem 
sind sie befreundet. 

Eine merkwürdige Gruppe, die da 
in dem monströsen Cadillac sitzt. 


„Der Detektiv ist meine Sache...” 

Der Wagen reiht sich in den Kreis- 
verkehr der Place de l’Etoile ein. Wie 
ein Scherenschnitt steht der Arc: de 
Triomphe vor dem orangefarbenen 
Himmel, der die Millionen Lichter der 
Stadt reflektiert. 

Das Gesicht des Grafen ist unbeweg- 
lich, wie aus Stein. 

Seine Frau, die schwarze Spinne, wen- 
det sich abermals um. 

„Ich muß euch jetzt erklären, worum 
es geht. Marie, die wir als Putzfrau bei 
Piarelli eingeschleust hatten, ist ausge- 
fallen. Die neue Putzfrau kennen wir 
nicht. Also müssen wir heute Nacht in 
das Atelier, damit Bruce die Modelle 
und die Skizzen fotografieren kann. 
Yvette weiß Bescheid, wo sich alles be- 
findet.“ 

Das Mannequin nickt. Ihre Finger 
krallen sich um den Bügel der roten 
Handtasche. 

Die schwarze Spinne fährt fort: 

„Das Haus Piarelli wird nachts von 
einem Privatdetektiv bewacht. Er sitzt 
in der Pförtnerloge und macht ab und zu 
einen Rundgang. Dreimal kommt außer- 
dem ein Nachtwächter und kontrolliert 
die Türen. Ich werde den Detektiv über- 
reden, für ein paar Minuten das Haus 
zu verlassen. Wie ich das mache, ist 
meine Angelegenheit. Ich werde ein 
Zeichen mit der Taschenlampe geben 
und euch einlassen, wenn es soweit ist. 
Yvette, Pollack und Bruce rennen sofort 
zur ersten Etage rauf. Mein Mann bleibt 
im Wagen. Die Korridortür ist aus 
schwerem Eisen und mit einem kompli- 
zierten Sicherheitsschloß versehen. Jo- 
seflein wird allerdings nicht lange brau- 
chen, um das Schloß zu öffnen...“ 

Der Geldschrankspezialist grinst. 

„Gewiß nicht, Madame. Ein paar 
Minuten - und das Ding ist auf.“ 

Die Gräfin nestelt an ihrem hellblauen 
Chiffontuch, das sie um den Hals trägt. 

„Pollack muß die Etagentür von 
innen wieder zuschließen, falls der Nacht- 
wächter kommt.“ 

Der Engländer kramt eine zerdrückte 
Schachtel Zigaretten aus der Hosen- 
tasche und reicht sie herum. Nur Pollack 
greift zu. 

Der Wagen biegt in die Rue St. 
Honore ein. Der Verkehr ist hier nicht 
mehr so stark. Graf Kottorsky nimmt 
das Gas weg. Sie sind gleich amZiel. 

„Und was geschieht weiter?‘ erkun- 
digt sich Pollack. Er reibt ein Zündholz 
gegen die Schachtel. Zischend flammt es 
auf. Für Sekunden sind die Gesichter 
wächsern. 

„Yvette und Bruce kennen das Ate- 
lier“, fährt die schwarze Spinne fort. 
„Pollack wird auch diese Tür öffnen und 
wieder verschließen, wenn Ihr im Raum 
seid. Vergeßt nicht, das schwarze Wachs- 
tuch vor die Fenster zu spannen, damit 
man auf der Straße nicht das Blitzlicht 
sieht. Alles andere geschieht dann in der 
üblichen Weise. Jetzt wollen wir unsere 
Uhren vergleichen. Meine zeigt 0.37 Uhr. 
Um 0.45 Uhr drücke ich den Klingel- 
knopf bei Piarelli. Zehn Minuten später 
etwa wird der Detektiv das Haus ver- 
lassen. Bruce hat für die Fotos eine halbe 
Stunde Zeit. Punkt 1.35 Uhr kommt ihr 


NR. 9 ERREERE smo] 


drei wieder runter. Pollack verschließt 
die Atelier- und die Etagentür. Achtet 
darauf, daß die Kleider und Modellskiz- 
zen wieder genauso hingelegt werden, 
wie Ihr sie vorgefunden habt! Keine 
Spuren hinterlassen!“ 

Bruce Milton nickt. 

„Völlig klar, gnädige Frau. Wir ma- 
chen das schließlich nicht zum ersten- 
mal!“ 

Der Wagen rollt langsam aus. Der 
Graf parkt auf der rechten Seite der Rue 
St. Honore. Sie müssen bis zum Mode- 
haus Piarelli noch ein paar Minuten 
laufen. 

Graf Kottorsky klemmt sein Monokel 
ins linke Auge. 

„Und wie treffen wir uns nachher wie- 
der ?“ fragt er. Es sind die ersten Worte, 
die er seit Antritt der Fahrt spricht. 
Seine Stimme klingt ein wenig affektiert. 

„Das wollte ich gerade erklären“, 
meint die schwarze Spinne. „Ich werde 
mich bei dem Detektiv in der Pförtner- 
loge aufhalten. Ich werde ihn... be- 
schäftigen.“ Sie lächelt hintergründig. 
sieht die anderen der Reihe nach an und 
fährt fort: „Ihr zieht die Schuhe aus, 
wenn ihr ’runterschleicht. Und duckt 
euch, wenn ihr an der Loge vorbei- 
kommt! Auf der Straße dann bitte keine 
Hast. Jeder geht für sich allein zum 
Wagen und steigt ein. Die Haustür 
braucht Pollack von außen nicht zu ver- 
schließen. Das könnte auffallen. Hat 
noch jemand eine Frage ?“ 

Die drei auf den hinteren Sitzen 
schütteln die Köpfe. 

Die schwarze Spinne öffnet den Wa- 
genschlag und steigt aus. 

„Hals- und Beinbruch“, sagt sie lä- 
chelnd und winkt mit der rechten Hand. 


Ein raffiniertes Make-up 
Es sind hier nicht viele Menschen auf 
der Straße. Gräfin Kottorsky trägt ein 
schwarzes Kostüm, raffiniert auf Taille 
gearbeitet. Der Rock ist auf beiden Sei- 
ten geschlitzt. Hochhackige Schuhe. 


- 
- 
[2] 
oo 





Unter dem schwarzen Hut eine Perücke 
aus kupferrotem Haar. Die Gräfin hat 
mit ein paar Tricks ihr Gesicht völlig 
verändert. Die Brauen sind sehr dünn 
nachgezogen und stehen wie zwei Halb- 
monde über den faszinierenden Augen. 
Die Wimpern sind ungewöhnlich lang 
und nach oben geschwungen. Auf den 
Lidern liegt ein blaßgrüner Schatten. 
Die Lippen leuchten hellrot. Es sind 
volle, sinnliche Lippen. Eine bezaubernd 
schöne Frau, die man für knapp dreißig 
hält... 

Die Finsternis verschluckt ihre zier- 
liche Gestalt. Der Regen hat ein wenig 
nachgelassen. Mit wiegenden Hüften 


der Ungewißheit. Den prickelnden Groß- 
einsatz aller Sinne. Das Spiel mit der Ge- 
fahr. 

Sie atmet tief die feuchte Nachtluft ein. 
Es tut gut nach der Fahrt im Wagen. 

Ein Blick auf die Armbanduhr. 0.43 
Uhr. Etwa hundert Meter sind es noch 
bis zum Eingang des Modehauses. Ein 
paar Ecken weiter stehen zwei Betrun- 
kene unter einer Laterne und singen. 

Die schwarze Spinne konzentriert sich 
jetzt ganz auf ihre Rolle. 

Drei helle Glockenschläge. Die Uhr 
am Döme des Invalides. 0.45 Uhr. Das 
Spiel beginnt... 

Ihr rechter Zeigefinger tippt gegen die 





„Ich kann’s mir auch nicht erklären, Doktor, vielleicht ist sie größen- 
wahnsinnig geworden wegen der Butter- und Fleischpreise oder so!“ 


schlendert die schwarze Spinne dem 
Haus Rue St. Honore, Nummer fünf zu. 
Aus einem kleinen Fenster im Erdge- 
schoß dringt Licht. Das einzige Licht 
in diesem riesigen, grauen Gebäude. 
Die schwarze Spinne liebt Augenblicke 
wie diese. Die Minuten und Sekunden 


Klingel. Sie weiß, daß der Detektiv er- 
scheinen wird. 

Sie hört seine Schritte im Gang. Das 
Scheppern eines Schlüsselbundes. Ein 
Schlüssel schiebt sich in die Tür. 

Ein leises Schnappen. Die Tür öffnet 
sich um einen Spalt. Der grelle Strahl 


+ 


einer Taschenlampe schlägt der Grätın 
ins Gesicht. Sie schließt die Augen. Der 
Lichtkegel gleitet langsam über ihren 
Körper und bleibt auf den Beinen haften. 

Jetzt sieht sie den Mann. Er ist groß 
und breitschultrig. Ein sportliches, offe- 
nes, sehr männliches Gesicht. Das Haar 
dunkelblond und kurz geschnitten, über 
der Stirn leicht gekräuselt. Eine schmale 
Nase. Das Kinn energisch. Zwischen den 
Lippen eine Shagpfeife, die nach eng- 
lischem Tabak riecht. Um die vierzig 
wird er sein — denkt sie. Und er sieht gut 
aus.. 


Tränen auf Kommando 

- Die schwarze Spinne ist eine glän- 
zende Schauspielerin. Es fällt ihr nicht 
schwer, sofort ein paar Tränen über ihre 
Wangen rollen zu lassen. 

„Ich sah noch Licht“, stammelt sie. 
„Ich... ich wohne schräg gegenüber. 
Stellen Sie sich vor, ich... ich habe meine 
Handtasche verloren. Mit vierzigtausend 
Franc. Und... den Hausschlüssel. Dürfte 
ich wohl bei Ihnen rasch einmal telefo- 
nieren...?“ 

Er nimmt die Pfeife aus dem Mund. 

„Aber das ist ja schrecklich, Madame“, 
meint er. „Vierzigtausend Franc... Ha- 
ben Sie keine Ahnung, wo Sie Ihre 
Tasche verloren haben ?“ 

Sie schüttelt den Kopf und sieht zu 
Boden. Mit dem Handrücken wischt sie 
sich die Tränen aus dem Gesicht. 

„Bitte, kommen Sie herein“, sagt er. 


„Selbstverständlich können Sie _ tele- 
fonieren. Furchtbar. Vierzigtausend 
Franc... 


Er geht voran und öffnet ihr die Tür 
zur Pförtnerloge. Auf dem Tisch ver- 
streut liegen engbeschriebene Blätter. Er 
räumt sie mit einer Handbewegung zur 
Seite. 

„Hier ist das Telefon, Madame. Bitte 
wählen Sie. Wollen Sie die Polizei an- 
rufen ?“ 

Sie läßt sich unaufgefordert auf einen 
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42 








„Polizei...?‘““ wiederholt sie. „Das hat 
doch keinen Sinn. Morgen werde ich 
beim Fundbüro anrufen. Das Schlimme 
ist, daß ich nicht ins Haus kann. Meine 
Schwester ist auswärts bei ihrer Freun- 
din. Sie muß sofort kommen und mir 
ihren Schlüssel bringen.“ 

Er reicht ihr den Hörer. Sie wählt. Sie 
wählt ihre eigene Telefonnummer. Am 
anderen Ende meldet sich Chouchou, das 
Dienstmädchen der schwarzen Spinne. 
Sie ist selbstverständlich in den Plan 
eingeweiht und reagiert prompt. 

Als die schwarze Spinne den Hörer 
einhängt, sagt sie: 

„In einer Dreiviertelstunde wird meine 
Schwester hier sein. Gut, daß ich sie noch 
erwischt habe.“ 

Sie seufzt laut und sieht den Detektiv 
mit dunklen, traurigen Augen an. Dann 
steht sie auf. „Vielen Dank, daß ich tele- 
fonieren durfte. Ich werde vor meiner 
Haustür warten...“ 

Jetzt lächelt der Mann zum erstenmal. 
Auf seiner Stirn und unter den hellen 
Augen bilden sich Falten. Sie sieht, wie 
braungebrannt er ist. Seine Hand legt 
sich auf ihren Arm, und er setzt sich 
auf seinen Stuhl. 

„Aber ich bitte Sie — Sie können doch 
nicht eine ganze Dreiviertelstunde auf der 
Straße herumlaufen. Warten Sie bei mir. 
Es ist zwar nicht sehr feudal - aber we- 
nigstens warm und trocken.“ 

Sie dankt ihm mit einem Augenauf- 
schlag. Sie registriert mit Genugtuung, 
daß sein Blick ungebührlich lange an 
ihren Beinen hängen bleibt. 

„Sind Sie hier Portier ?““ fragt sie un- 
schuldig-naiv. 

„Aber nein, Madame. Ich bin Detek- 
tiv. Ich habe das Haus zu bewachen, weil 
in Kürze die neuen Kollektionen gezeigt 
werden.‘ Er zieht an seiner Pfeife und 
spricht leiser. „Vielleicht haben Sie 
schon mal was von Modespionen gehört. 
Die arbeiten mit allen Mitteln. Schrecken 
nicht mal vor einem Einbruch zurück. 
Das hört sich für einen Laien vielleicht 
etwas phantastisch an. Aber ich könnte 
Ihnen da Dinge erzählen...“ 

Er bricht den Satz ab und reißt ein 
Streichholz an, weil seine Pfeife ausge- 
gangen ist. 

Die schwarze Spinne tut sehr inter- 
essiert: 

„Unglaublich, wirklich. Und was 
sind das für Zettel, die Sie da vollge- 
schrieben haben ?“ Sie deutet auf die Bo- 
gen, die er vor sich liegen hat. 

In seinem Lachen ist Verlegenheit. 

„Ach wissen Sie, das Detektivspielen 
mache ich eigentlich nur, um etwas zu 
erleben. Ich schreibe nämlich Kriminal- 
...““ sagt sie. „Also sind Sie in 
Wirklichkeit Schriftsteller ?““ 

Er hebt die Schultern und hat noch 
immer Last mit seiner Pfeife. Sie senkt 
ihren Blick in seine Augen. Ein, zwei 
Sekunden lang. 

„Ich weiß nicht einmal, wie Sie hei- 
Ben, Monsieur...“ 

Er erhebt sich und deutet eine Ver- 
beugung an. 

„Marc Latour. Aber meine Bücher er- 
scheinen natürlich unter einem anderen 
Namen. Schon wegen der Steuer!“ 

Es tut mir leid um ihn, denkt die Grä- 
fin Kottorsky. Er gefällt mir. Er hat 
Charme. Viel Charme sogär. Hoffent- 
lich bekommt er durch uns keine Schwie- 
rigkeiten... 

Sie lehnt sich an die kahle weiße 
Wand. 


„Monsieur Latour — Sie werden meine 
Frage hoffentlich nicht als Unbeschei- 
denheit auffassen... Aber haben Sie zu- 
fällig einen Kognak hier? Mir ist der 
Verlust der Tasche doch ziemlich auf 
den Magen geschlagen.“ 

Er schüttelt bedauernd den Kopf. 

„Nicht einen Tropfen, Madame. Ich 
trinke selten, wenn ich schreibe. Und 
auf so reizenden Besuch war ich leider 
nicht vorbereitet.‘ 

Er überlegt kurz, dann steht er auf. 

„Ich werde gehen und etwas holen, 
Madame! Wenn Sie solange das Haus 
hüten und Detektiv spielen wollen...‘ 

Sie lachen beide laut auf. 

„Gut, ich bin jetzt Detektiv‘, meint 
sie. „Sie sind ein Prachtkerl, Monsieur 
Latour. Aber ich will nicht, daß Sie sich 
meinetwegen Umstände machen...“ 

Er ist schon an der Tür. Der schwar- 
zen Spinne entgeht nicht, daß er den 
Schlüsselbund in die Hosentasche steckt. 
Er winkt ihr ausgelassen zu. „Bin gleich 
wieder da!“ 


Der Mann mit den Zauberhänden 

Die Eingangspforte läßt er offen. Da- 
mit hat die schwarze Spinne gerechnet. 
Sie wartet ein paar Sekunden. Dann 
rennt sie an die Tür. Sie öffnet sie vor- 
sichtig und sieht, wie Latour schnell die 
Straße hinunterläuft. 

Ein Griff in die Kostümtasche, und sie 
hat die kleine Lampe in der Hand. Sie 
läßt sie einige Male aufblinken. Aus der 
Finsternis schälen sich die Gestalten von 
Yvette, Pollack und Bruce. Der Eng- 
länder hat seinen kleinen Metallkoffer 
mit den Fotosachen in der Hand. Pollack 
trägt unter dem Arm die Rolle mit dem 
schwarzen Wachstuch, um die Fenster zu 
verdunkeln. Die Gräfin hält ihnen die 
Tür auf. 

„Macht rasch. Die Sache klappt. Der 
Sherlock Holmes ist prompt in die Falle 
getappt. Alles bleibt beim verabredeten 
Zeitplan!“ 

Die drei Gestalten huschen die Treppe 


"hinauf, während sich die Gräfin wieder 


in die Portierloge setzt. 

Pollack zieht vor der eisernen Tür in 
der ersten Etage einen Schlüsselbund 
aus der Hosentasche. Die linke Hand 
umfaßt das runde Sicherheitsschloß. 
Bruce leuchtet ihm mit der Taschen- 
lampe. 

Der gewiefte Tressorknacker besieht 
sich die Einkerbungen des Schlüssel- 
loches. Zum Öffnen einer solchen Tür 








„Jetzt sind wir nicht mehr weit von der 

Grenze — du mußt dich entschließen, ob 

wir unsere Flitterwochen in Frankreich, 

in der Schweiz, in Österreich oder in Ita- 
lien verbringen sollen!“ 





braucht man nicht nur Erfahrung, son- 
dern auch Instinkt. Pollack verfügt über 
beides. : 

Der erste Schlüssel wird hineinge- 
schoben. Ganz vorsichtig. „Josefleins‘“ 
Finger zittern kein bißchen. Er schließt 
die Augen, um besser fühlen zu können. 
Nein, es ist noch nicht der richtige. Er 
zieht ihn heraus. Nimmt einen anderen, 
hebt ein wenig das Gesicht. Es ist ein 
breites Gesicht mit vorstehendem Kinn, 


das Wagemut und Härte verrät. Pollack 
ist zweiundfünfzig. Er ist gekleidet wie 
ein Londoner Börsenmakler. Ein biß- 
chen antiquiert, mit einem Hauch von 
Snobismus. Er wechselt täglich das 
weiße Hemd. In der Krawatte steckt eine 
echte Perle. 

Auch der zweite Schlüssel paßt nicht. 
Im Lichtkegel der Lampe läßt er die 
Nachschlüssel durch die Finger gleiten. 

Dann hat er den richtigen. Das Lä- 
cheln des Siegers spielt um seinen Mund. 

„Jetzt...“ sagt Pollack. 

Tatsächlich, die Tür öffnet sich. Die 
schwere Panzertür, die den Korridor 
zum ersten Stock des Modehauses 
Piarelli versperrt... 

Pollack schließt von innen wieder ab, 
und Yvette zeigt ihm, wo sich der Ein- 
gang zum Atelier befindet. Eine breite 
Doppeltür, mit Leder ausgeschlagen. 
Das Spiel wiederholt sich. Pollack 
braucht keine zwei Minuten, und das 
Schloß ist auf. 

Sofort beginnen sie, die Fenster mit 
schwarzem Wachstuch zu verhängen. 
Die drei arbeiten lautlos wie Katzen. Sie 
reden kein Wort. 

Bruce öffnet seinen Metallkoffer. Er 
nimmt zunächst das Stativ heraus und 
stellt es hin. Die Kamera wird aufge- 
schraubt und der Blitzstab befestigt. Der 
Akku hat die Größe einer Zigarren- 
kiste. Ein schwarzes Kabel verbindet 
den Akku mit der Kamera. Bruce hat ein 
ganzes Sortiment von Drahtauslösern 
im Koffer. 

Er nimmt einen sehr kurzen und 
dreht ihn in das Gewinde. Dann schaltet 
er das Blitzgerät ein. Ein leises Summen 
wird hörbar. Yvette nimmt das erste 
Modellkleid vom Ständer und hält es vor 
die Kamera. Pollack hat sich auf einen 
Stuhl gesetzt und leuchtet mit der Ta- 
schenlampe. 


„Auf unser gemeinsames Wohl...“ 

Marc Latour ist zurückgekommen. 
Mit einer Flasche dreisternigem Kognak 
unter dem Arm. Seine Pfeife ist ihm 
wieder ausgegangen. 

„Na - hat’s lange gedauert?“ erkun- 
digter sich. 

„Ich habe gar nicht bemerkt, daß Sie 
weg waren‘, entgegnet die maskierte 
Gräfin. „Ich finde es schrecklich nett, 
daß Sie sich meiner so annehmen.“ 

Er spült zwei Wassergläser aus. „Ist 
doch selbstverständlich, Madame. Übri- 
gens... wollen Sie mir nicht auch Ihren 
Namen verraten ?“ 

„Pellier. Loraine Pellier.‘“ 

Er wendet den Kopf und sieht sie an. 

„Verheiratet ?“ fragt er. 

„Nein. Mir ist einfach noch nicht der 
Richtige begegnet.“ Den letzten Satz 
sagt sie zögernd. 

Der Detektiv trocknet die Gläser ab 
und wirft das Handtuch auf ein altes 
Sofa, das in der Ecke steht. Er stellt die 
Gläser auf den Tisch und öffnet den 
Schraubverschluß der Flasche. 

Die Beleuchtung in dem kleinen Raum 
ist spärlich. Die nüchterne Bürolampe 
auf dem Tisch ist das einzige Licht. 

Die schwarze Spinne steht auf und 
tritt vor den kleinen Spiegel, der über 
dem Waschbecken hängt. Sie streicht mit 
den Händen über das rote Haar und be- 
feuchtet mit der Zunge ihre Lippen. Sie 
gefällt sich. Trotzdem sagt sie: 

„Nicht mal einen Lippenstift habe ich. 
Er ist auch in der Handtasche. Ich sehe 
aus wie eine Zigeunerin.‘ 

„Aber Madame. Sie ...Sie sehen phan- 
tastisch aus:“ 

„Finden Sie ?“ 

Sein Lächeln ist wieder etwas verle- 
gen. Er gefällt ihr, wirklich. 

„Sie sind eine bezaubernd schöne 
Frau. Entschuldigen Sie, wenn ich 
Ihnen das so offen sage...“ 

Er schenkt ein, und sie setzt sich. 

„Sind Sie verheiratet, Monsieur ?“ 

Sofort bereut sie ihre Frage. Was in- 
teressiert es sie, ob der Detektiv ver- 
heiratet ist oder nicht? Sie hat den Mann 
abzulenken. Damit die anderen oben 
arbeiten und nachher ungesehen das 


Haus verlassen können... 


NR.9 


„Nein, ich habe auch noch nicht die 
Richtige gefunden“, entgegnet er. Sein 
Gesicht ist merkwürdig ernst geworden. 
Seine Augen sind groß und suchen ihren 
Blick. Endlich hebt er sein Glas. 

„Irinken wir auf Ihr Wohl, Madame.‘“ 


Einen Moment ist sie verwirrt und sie 
ärgert sich darüber. 

„Auf unser gemeinsames Wohl“, sagt 
sie leise. Der Kognak ist gut. Sie spürt 
das leichte Brennen in der Magengegend. 
Die wohlige Wärme breitet sich in 
ihrem Körper aus. Ihre Finger lösen das 
hauchdünne Chiffontuch, das sie um den 
Hals trägt und das gewagte Dekollete 
ihrer Kostümjacke verhüllt. Das Tuch 
gleitet auf ihren Schoß. 


WEI TAT EEE 





die alten 


„Du kannst jetzt aufhören, 

Strümpfe zu verbrennen — sie haben sich 

schon entschlossen, zum Essen gleich nach 
Hause zu gehen!“ 


ATETTE 


viägtee 
u. dh 


Der Detektiv schenkt nach und rückt 
mit seinem Stuhl näher. Sein Blick streift 
ihre schmalen weißen Hände. Die langen, 
gepflegten Nägel, auf denen ein rosa 
Perlmuttschimmer liegt. Sein Herz be- 
ginnt schneller zu schlagen. 


Zärtliches Verhängnis... 

Sie spürt plötzlich seinen Arm um 
ihre Schulter. Erschrocken greift sie zum 
Glas und gießt den Rest in einem Zug 
hinunter. Nein... nein... hämmert es in 
ihrem Kopf. 

Sein Griff ist fest. Sie riecht sein Haar. 
Sein Mund ist ihrem Gesicht nahe. 

Aber was will sie denn? Sie denkt an 
ihre Aufgabe. Hatte sie sich nicht vorge- 
nommen, den Detektiv zu fesseln? Ihn 
ein bißchen verliebt zu machen? Nun, 
der Plan ist gelungen. Warum also 
sträubt sie sich ? 

Als sein Mund ihre Lippen berührt, 
lodert eine Flamme in ihr auf. Gleich- 
zeitig spürt sie eine wahnsinnige Angst... 

Sie löst sich mit einem Ruck. 

„Nein, das geht doch nicht...“ flüstert 
sie. Ihre Augen sind geschlossen. Die 
gefährliche schwarze Spinne, die eiskalte 
Rechnerin, preßt jetzt die Hände gegen 
das heiße Gesicht. Ihr Atem geht schnell, 
und ihre Lippen beben. Und dasalles nur, 
weil ein Mann sie geküßt hat... 

Wieder kommt sein Mund näher. Sie 
sinkt "zurück. Ihre Hände gleiten an 
seinen Armen hinauf. 

Marc preßt die Frau an sich. 


„Ich liebe dich‘, sagt er. „Ich habe 
dich vom ersten Moment an geliebt. Du 
weißt es.‘“ 

„Ja, Marc. Ich...“ 

Sie läßt den Satz unvollendet. Er 
reicht ihr sein Glas, und sie trinkt hastig, 
um das Gefühl in sich zu töten. 

„Ich weiß von dir so gut wie nichts“, 
sagt er. „Ich weiß nur, daß du schräg 
gegenüber wohnst. Daß du Loraine Pel- 
lier heißt und deine Handtasche verloren 
hast. Und daß ich dich...“ 

Sie legt ihm den Zeigefinger auf den 
Mund. 

„Nicht weitersprechen, Marc. Komm, 
trink noch was. Ich weiß auch von dir 
nichts. Nur deinen Namen. Und daß 
du Romane schreibst und das Modell- 
haus Piarelli gegen schlimme Mode- 
spione beschützen mußt...“ 

Sie konzentriert sich gewaltsam auf 
ihren Plan und wirft einen Blick auf die 
Armbanduhr. ı.25 Uhr. In zehn Minuten 
sind Yvette, Bruce und Pollack mit ihrer 
Arbeit fertig. Dann kommen sie die 
Treppe herunter. 

Die schwarze Spinne verbirgt ihre Un- 
ruhe. 

„Sag mal, Marc - verliebst du dich 
öfter so schnell ?“ 

Er schüttelt langsam den Kopf. 

„Ich bin eigentlich immer gern allein 
gewesen. Natürlich gibt es ein paar Mäd- 
chen in meinem Leben. Aber zum Hei- 
raten fehlte mir einfach der Mut...“ 

„Dann ist es dir genauso ergangen 
wie mir‘, lügt die schwarze Spinne — — - 


Ein Fehler in der Rechnung 

„Schluß jetzt‘, sagt Milton Bruce. 
„Wir haben alles fotografiert, was es zu 
fotografieren gibt. Außerdem ist unsere 
Zeit um. In sieben Minuten müssen wir 
unten sein. Nehmt bitte die Wachstücher 
von den Fenstern. Ich packe mein Foto- 
zeug zusammen.“ 

Der Kegel der Taschenlampe geistert 
durch das Atelier. Die so streng gehütete 
Sommerkollektion des Modehauses Pia- 
relli ist auf den Film gebannt. In knapp 
hundert Stunden werden die Fotos in 
New York sein. In sechzig Stunden in 
Rom. In vierzig in London. In hundert- 
dreißig in Rio de Janeiro. 

„Vier Minuten noch“, sagt Pollack. 
„Kommt ’raus. Ich muß die Tür ver- 
schließen.“ 

Yvette greift nach der Rolle mit dem 
schwarzen Wachstuch. Bruce Milton hat 
seinen Koffer in der rechten Hand. Sie 
verlassen den Raum. Pollack übernimmt 
das Zuschließen der Tür. Sie ziehen sich 
die Schuhe aus, wie es die Chefin befoh- 
len hat, und schleichen über den Gang. 

Die eiserne Korridortür knarrt ein 
wenig. Yvette und Bruce gehen schon 
voran, während Josef Pollack noch mit 
dem Schloß zu tun hat. 

Sie sehen das Licht in der Portiersloge. 
Sie hören keinen Laut. Nach dem Zeit- 
er den die schwarze Spinne aufgestellt 

at, müssen sie in genau dreißig Sekun- 
den an der Portiersloge vorbeihuschen... 

Plötzlich ein lautes Scheppern am Por- 
tal, das zur Straße führt. Die Tür wird 
aufgestoßen. Das grelle Licht einer 
Lampe. Nagelstiefel. 

Yvette bleibt vor Schreck fast das 
Herz stehen. 

„Der Nachtwächter“, 
„Jetzt sitzen wir fest!“ 

(Fortsetzung folgt) 


flüstert sie. 


Auflösungen unserer Rätsel aus Heft Nr. 8 
Kreuzworträtsel. Waagerecht: ı. Stempel, 6. Strauss, ıı. Rosemarie, ı2. Uni, 13. Eta, 
14. Lie, 15. Ale, 16. Ster, 17. Mate, 19. Ade, 22. Lia, 24. Flora, 26. Oel, 28. Sirup, 30. Ressort, 
33. Transit, 34. Noorden, 35. Energie, 37. Manen, 40. Noe, 41. Reuse, 44. Ger. 47. Oma, 
49. Kien, 52. Hals, 55. One, 56. Ree, 57. Ire, 58. Ode, 59. Kilometer, 60. Reissen, 61. Bergius. 
— Senkrecht: ı. Saul, 2. Tantal, 3. Poet, 4. Ester, 5. Lear, 6. Salm, 7. Trias, 8. Riet, 
9. Soltau, 10. Steg, 16. Ser, ı8. Eli, 20. Domaene, 21. Ges, 23. Iridium, 24. Fatum, 25. Arsen, 
26. Osten, 27. Longe, 28. Stoer, 29. Panne, 31. Ein, 32. Roi, 36. Rot, 38. Agende, 39. Erk, 
42. Eos, 43. Sardou, 45. Seele, 46. Karte, 48. Mohr, 50. Iris, 5ı. Neon, 52. Hieb, 53. Leer. 


54. Vers. 


Silbenrätsel. ı. Idstein, 2. Revanche, 3. Rakete, 4. Tajo, 5. Usinger, 6. Einöde, 7. Mano- 
meter, 8. Entari, 9. Ronde, ı0. Hollaender, ıı. Aimara, ı2. Bitterling, ı3. Endrikat, 14. Ne- 
cho, ı5. Indikativ, 16. Hyaene, ı7. Rede, 18. Euklid, 19. Neger, 20. Windhund, zı. Elfe, 
22. Rameau, 23. Tandem, 24. Jahreszahl, 25. Ewers, 26. Dementi, 27. Orgel, 28. Cherubini, 
29. Nichte, 30. Uganda, 31. Raucheisen, 32. Huesca, 33. Innenarchitekt, 34. Ekarte, 35. Ra- 
dar, 36. Ultimo, 37. Nargileh, 38. Dubarry, 39. Defizit, 40. Arnika, 41. Nachtigal. Irrttuemer 
haben ihren Wert, jedoch nur hier und da. Nicht jeder, der nach Indien faehrt, ent- 


deckt Amerika. 


NR.9 


> 


DIE FILTER-CIGARETTE FÜR ANSPRUCHSVOLLE 





Das verbindende Moment - 


Eine Reihe von Jahren trennt diese beiden - und doch sind 
sie sich einig in ihren gegenwartsnahen Ansichten, in ihrem 
modernen Lebensstil. Aufgeschlossen für den Fortschritt, fröh- 
lich und selbstbewußt - so meistern sie ihr Leben. Und noch 
etwas haben sie gemeinsam: beide rauchen F 58, die zeitge- 
mäße Filtercigarette von zweifacher Leichtigkeit. 

F 58 ist die Krönung einer über 25-jährigen Erfahrung in der 
Herstellung feiner Filter-Cigaretten. 






ERGEITTTITITTETTHETTTITIITIITES 





EAPEITEIIITTITIEIITTITNEITETTTT 























































































































Waagerecht: ı. Linderungsmittel,,6. Entwicklungsstufe,-g..engl. Adelstitel, 12. Vers- 
erzählung in altfranz. Sprache, v3. Waldtier, 14. Nähmaterial, 16. Gipsart, 18. Herren- 
reiterin, 20. Bezeichnung, 21. ausgestorbener Riesenstrauß Neuseelands, 23. dt. Artikel, 
24. alkohol. Getränk, 25. Gliederschmerzen, 26. Bezeichnung für einen guten oder 
schlechten Mann, 27. Gewässer, 29. Getränk, 31. sich drehender Maschinenteil, 
33. Kampfplatz, Zirkusbahn, 36. Waldpflanze, 38. Jagdgehilfe, 39. Schweinekrankheit, 
40. hamitisches Volk, 4F. bewegl. unterseeischer Sprengkörper, 43. Reißblei, fast reiner 
Kohlenstoff, 46. Gebirge in Zentralasien, 47. kaufmänn. Begriff, 5o. Zopf aus Garn- 
strähnen, 5ı. Scherz, 53. Schiffskommandowort, 54. Angehöriger eines kannaitischen 
Riesenvolks, 56. Windröschen, Zierpflanze, 58. weiche Tonart, 60. Gebiet, Gegend, 
63. Teichblume, 64. Traghimmel, 68. Banner, Feldzeichen, 65. weibl. Nutztier, 70. sang- 
bares Gedicht, 71. Abgrenzung, 72. dt. Liederkomponist, 73. lat.: ist. 


Senkrecht: ı. Held, Ritter eines franz. Märchens, 2. Speisefisch, 3. Schlingpflanze, 
4. franz. Komponist, 5. Elend, 6. Erster, Erstminister, 7. Held, Halbgott, ‘8. Dramenheld 
Goethes, .g. Bodenschatz, 6. Stromzuführer, ıı. Verschwendung von Bemühungen, 
kraftwagentechn. Begriff, #5. Tierkadaver, ı7. Rassehund, 19. Nebenfluß d. Warthe, 
22. nord. Göttergeschlecht, 26. Spaltwerkzeug, 28. Anspruch auf Hinterlassenschaft, 
30. erhöhter Tritt, 32. Gartenammer, Singvogel, 33. Edelgas, 34. Aufschen, 35. franz. 
Physiker, 37. Gebirgsprimel, gr. Teil der Woche, Plural, 42. Schlaginstrumentspieler, 
44. Gedicht, 45. Sagenheld der Schweiz, 48. Hirsch, 49. deutsch. Schriftsteller } 1915, 
52. Herrschertitel, 53. Schiffseigner, 55. franz. Schriftsteller, 57. bayerischer Alpen- 
schilderer, 59. männl. Rind, 61. bibl. Bezeichnung für Volk, 6z. deutsch. Währungsein- 
heit, 63. röm. Sonnengott, 64. Körperreinigung, 65. norweg. Schriftsteller, 66. ion. 
Mundart, 67. Fuge, längl. Vertiefung. 


Silbenrätsel 
Aus den Silben: a - al - au - be - bert- bund- ce-chu-de-di-di-drei-e-e 
elf - er - eu - ex - fel - feld - fi - gen - genz - go - go - hut -i-im-in-ja- ke 
kirch — klar — klid - la - lei - li- ma - man — mau - na - na - na - nach — nar — nar 
ne - nek - ni - ni - ot - per - por - ren - rer - ris- ro - r0 - se - ses - ste - tar - te - tel 
ter - teu — wald — weis - ze - sind 27 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuch- 
staben von oben nach unten gelesen ein Wort von Papst Pius XI. ergeben. 






1. Walzerkomponist } 14. Dichtungsart 
2. Oper von Verdi 15. Fluß ın Skandinavien 
3. Quellnymphe 16. Schlange 
4. ital. Geiger u. Komponist f 17. offener Laubengang 
5. griech. Göttin 18. dreizipfliges Schultertuch 
6. franz. Tonsetzer 19. griech. Gelehrter 
7. vorlautes Kind 20. Einfuhrware 
8. Stoffart i 21. Göttertrank 
9. Glockenblume 22. Flachland 
Automaten-Wunder 10. oström. Feldherr 23. Fischeier 
ıı. militärische Formation 24. Stadt in Vorarlberg 
12. Verteidigungsabkommen v. 1882 25. Oper von Gluck 
Die 6 Oskar-Bändchen — je Band DM 2,85 — _ u 26. Bauhandwerker 
erhalten Sie bei allen Buch- und Zeitschriftenhändlern 13. Name eines Kirchensonntags .. 27. Klugheit 





a a ee Den EI ce 


FRANKFURTER ILLUSTRIERTE « DAS ILLUSTRIERTE BLATT 
CHEFREDAKTION: GERHARD HOFMANN. Verlag Frankfurter Jllustrierte Wirthle, Kluthe & Co. KG., im Verlagshaus Frankfurter Societäts-Druckerei, Frankfurt a. M., Frankenallee 71—81. Tel.: Sammelnummer 330441. Fernschr. 041 1655 
Die FRANKFURTER ILLUSTRIERTE erscheint wöchentlich — Heftpreis 5o Pf, Zustellgeld 5 Pf, bei Bezug durch die Post monatlich 1,91 DM einschließlich 13,35 Pf Zeitungsgebühr, zuzüglich 9 Pf Zustellgeld.. — Auslandspreis 70 Pf 
Für unverlangt eingehende Einsendungen keine Gewähr. — Druck: Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH, und HABRA-Kupfertiefdruck, Darmstadt, 
Die FRANKFURTER ILLUSTRIERTE darf nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Verlages in Lesezirkeln geführt werden. — In Oesterreich für die Herausgabe verantwortlich: Hans G. Kramer, Wien I., Freyung 6. Printed in Western Germany 


Belgien bfr. 7.— - Dänemark dKr. 1.25 - England sh. 1/6 - Finnland Fmk. 70.— - Frankreich NF —.70 - Holland hfl. —.60 - Italien Lire 100.— - Norwegen nKr. 1.25 - Oasterreich $. 4.— - Portugal Esc. 5.50 - Schweden skr. —.90 incl. oms - Schweiz sfr. —.60 - USA $ —.25 





HB im internationalen Testgebiet Österreich: 





Sie hat alle überflügelt 






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VON HAUS 4] BERGMANN 


In Österreich werben viele der größten 
und bekanntesten internationalen 
Cigarettenmarken seit Jahren um die 
Gunst des Rauchers. Die HB ist erst seit 
etwas mehr als einem Jahr dabei. Und 
innerhalb dieser kurzen Zeit ist sie zur 
meistgerauchten ausländischen Cigarette 
in Österreich geworden. 

Wundern Sie sich? Ich nicht. Die HB ist 
eben internationale Klasse. Sie ist eine 
Filter-Cigarette, die schmeckt und vor 
allem eine, die zugleich bekömmlich ist. 


Frohen Herzens genießen 
HB- eine Filter-Cigarette die schmeckt 





( 


„Der Chef hat ver- 

sprochen, heut alle Ge- 

haltswünsche großzü- 
gig zu regeln!“ 














„So, Kleine, jetzt trinken wir noch 
einen auf meiner Bude!“ 


‚RUDI FACKE: 





„Bitte 4 Gläser und für 1,32 DM Schnaps!“ 





„+... und was ist KARNEVAL?“ 


> 


„Wunderbare Party 

gestern, Liebling“ — 

„Hallo, wer sind Sie 
denn eigentlich ?“ 











„+. , als Dessert brin- @ 


gen Sie mir die Kleine 
vom Nebentisch!“ 
















® L E 
Die Frauenzeitschrit FÜR SIE 
O \ } i h j \ h i 11 lädt ein zum Modebummel in 
den Frühling und Sommer 1960. 


Das Heft 5 zeigt Ihnen in einer 
großen Modeschau das Schön- 


® 
ste der neuen Saison. Und noch 
etwas bietet Ihnen FÜR SIE: 
40 bezaubernde Modelle zum 
Nachschneidern und einen Gut- 


eo ® 
schein für einen Modellschnitt. 
' | h 1 j } Auch dieses umfangreiche Heft 
zum normalen Preis von 75 Pf 


” 4 a; Die liebenswerte Zeitschrift für liebenswerte Frauen 
46 NR.O Elend ussrieese] 


-ajelıe 


gibt Rat 
und Antwort 





Dr.Brand, unser psychologischer Mitarbei- 
ter, nimmt jede Woche in der „Frankfurter 
Jllustrierten“ zu menschlichen Problemen 
Stellung. Haben Sie Fragen oder Anregun- 
gen, dann schreiben Sie bitte an die 
Redaktion, zu Händen von Dr. ‚Brand. 


Unvergessene 
Liebe 





Es ist wieder einmal das Thema 
„Liebe“, das ich anschlagen muß. Sogar 
das Thema „Liebe auf den ersten Blick“! 
Aber ich will alles der Reihe nach er- 
zählen. Es sind drei Jahre her, als ich 
ein Mädchen kennenlernte, in das ich 
mich sofort „verschoß“. Umgekehrt war 
es genauso, aber die Eltern des Mäd- 
chens waren leider dagegen. Mein 
Mädchen war nämlich erst 17 und ich 
war 20, und das paßte den Eltern nicht. 

Wir sind etwa sechs Monate mitein- 
ander gegangen; dann mußte das Mäd- 
chen einen älteren Mann, einen Freund 
ihres Vaters, heiraten, obwohl wir uns 
sehr geliebt hatten. 

Jetzt hörte ich zufällig, daß das Mäd- 
chen den Mann nach fast dreijähriger 
Ehe verloren hat. Aus der Ehe sind zwei 
Kinder hervorgegangen. Seit drei Wo- 
cher stehen wir miteinander in Brief- 
verbindung. Das Mädchen beteuert mir 
immer noch seine Liebe. Auch ich glaube, 
meine erste Liebe noch gern zu haben. 

Ich habe das alles mit meiner Mutter 
besprochen. Sie ist an und für sich nicht 
dagegen, aber sie gibt mir zu bedenken, 
daß jetzt zwei Kinder da sind, für die ' 
ich im Falle einer Heirat zusorgen hätte. 
Ich bitte Sie, geben Sie mir einen Rat. 





N 
® 

o 
3 


Ich bin eigentlich genauso skeptisch wie > 2 Pr 

Ihre Frau Mutter. Wenn Sie Ihre Be- Mutki waß wall ihn schmeckt! 

kannte heiraten und natürlich auch die [4 nd 

zwei Kinder „übernehmen“, dann laden 

Sie in jungen Jahren eine Verantwor- 

tung und Belastung auf sich, denen Sie ! 
trotz Ihrer Zuneigung, trotz Ihres guten a m so u sc ; i i ec a N | h a 
Willens und trotz Ihrer guten Verhält- e 
nisse unter Umständen nicht gewachsen 







sind. 
ne .. eo. Ei nn Glücklich die Mutter, die genau weiß: Kr Rama gehört zu den 

— eigene Kinder, ? j > ae . 
kommt das erste an, dann sind es schon Ich gebe meiner Familie das Richtige A wertvollsten Lebensmitteln 
drei, für die Sie als Vater alle Pflichten - und damit das Beste! Frische Rama! Rama har Asien Yelien aan 
un nn ı von er Mäder Bi Allen schmeckt sie. Jedesmal, wenn der Geschmack. Weil sie aus pflanzlichen Ölen 
Jahren! Tisch des Hauses gedeckt wird, gleitet it und Fetten so rein, so wertvoll ist. 
Ich weiß, einige Leserinnen und Leser Mutters prüfender Blick darüber. Darum ist Rama so gesund, so nahrhaft, 
werden mir diese „nüchterne“ Betrach- so bekömmlich. 
tung der Lage wahrscheinlich verübeln. Alles a ‚Auch Bea] : AatAnE 
Wo es um Liebe geht! Aber ich bin nicht möchte sie niemals verzichten. 


weltfremd und nicht „romantisch“ ge- 
nug, derlei Betrachtungen für über- 


flüssig zu halten. ) \ \ | \ 
Und ncch etwas: Drei Jahre liegt Ihre 

erste Liebaz zurück, „Sie“ war 17, und \ \ \ 
Sie waren 20. Drei Jahre haben Sie von | \ | | h { 


Ihrer Jugendliebe nichts mehr gehört, 
und gesehen haben Sie sie auch nicht 


aaa nene | Mit dem vollen naturfeinen Geschmack! 


sich dann sowieso anders. 


ERDE on] NR. 9 


Wertvoll 
— rein 


pflanzlich! 


Drfikatef- 
Ma vyarıme 









Aus der reichen Küche des sonnigen Südens stammt das Rezept für MAGGI Eier-Ravioli. Ihrer Phantasie aber 
bleibt ein weiter Spielraum, sie mit kleinen Zutaten immer wieder anders anzurichten. Zu jeder Jahreszeit, 
als Mittag- oder Abendessen sind MAGGI Eier-Ravioli eine willkommene Bereicherung Ihres Speisezettels. 


Ravioli mit magerem Rauchspeck und Käse. 
Ravioli kalt in eine Auflaufform füllen, reichlich mit Speck- 
scheiben belegen, dicht mit Käse bestreuen und bei guter 
Hitze überbacken, bis Käse und Speck goldbraun sind. 


Mit MAGGI Eier-Ravioli bringen Sie 
im Nu eine köstliche Mahlzeit auf den 
Tisch. Die feinen, mitdelikater Pastete 
gefüllten Eierteigtaschen in würziger 
Tomatensoße sind - nach italieni- 
schem Originalrezept bereitet - tafel- 
fertig in der Dose. Mit kleinen Zutaten 
können Sie MAGGI Eier-Raviolinoch 
eine persönliche Note geben. Pro- 
en bieren Sie einmaldie nebenstehenden , 1 
Elumenkohlund kleine Speckwürferenischen zueischien Vorschläge. Vielleicht macht es Ihnen Bee 
ten kalte Ravioli in eine Auflaufform geben. Käse und auch Freude, eigeneAnrichtemöglich- > /ıo Dose DM 115, 
Butterflocken daraufverteilen.BeiMittelhitze überbacken. = - u N r2 
keiten zu entwickeln. Sie werden 

erkennen: in allen Variationen sind 
MAGGI Eier-Ravioli ein ganz beson- 
derer Genuß. 









AR Dose DM 275.1 





RI 


o° 


Überraschen Sie ihren Mann, Ihre 
Kinder, ihre Gäste mit 


MAGGI EIER-RA 





Ravioli mit Zwiebelringen. 
Eier-Ravioli nach Vorschrift erhitzen und beim Anrichten 
einige in Fett gebräunte Zwiebelringe darauf verteilen.